Jürgen Wellmann hat eine Idee Weihnachtsbäume aus Alfhausen fürs Öko-Gewissen

Meine Nachrichten

Um das Thema Samtgemeinde Bersenbrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Alles bereit: Wer seinen Weihnachtsbaum selbst schneiden möchte, für den hat Jürgen Wellmann in Alfhausen ein besonderes Angebot. Foto: Martin SchmitzAlles bereit: Wer seinen Weihnachtsbaum selbst schneiden möchte, für den hat Jürgen Wellmann in Alfhausen ein besonderes Angebot. Foto: Martin Schmitz

Alfhausen. Wer seinen Weihnachtsbaum selbst schneiden möchte, für den hat Jürgen Wellmann in Alfhausen ein besonderes Angebot bereit: Ein Baum nahe an den Bio-Standards, preisgünstig, und mit einer unschlagbaren Klimaschutzbilanz.

In seiner Branche haben es die kleinen Betriebe nicht leicht. Wer wie Jürgen Wellmann ein paar Tausend Bäume anpflanzt und liebevoll kultiviert, gerät in den Konkurrenzdruck der Massenanbieter, die Zehntausende von Weihnachtsbäumen auf ihren Plantagen stehen haben, die auf Maschineneinsatz setzen und auf eine ausgeklügelte Logistik. Damit zum Verkaufsstart Mitte Dezember genügend Bäume bereitstehen, karren Vierzigtonner sie Wochen vor dem Weihnachtsfest quer durch Europa, zum Beispiel aus Dänemark nach Deutschland. In speziellen Kühlhäusern werden die Bäume dann zwischengelagert, auf dass man sie frisch zum Fest für ein paar Euro vom Verkaufsstand vor dem örtlichen Supermarkt kaufen kann. Im Frühjahr und Sommer rollen riesige Spezialmaschinen durch die Tannenbaumplantagen, sozusagen in Tannenbaumwipfelhöhe. Sie verteilen Spritzmittel mit Unkrautvernichter flächendeckend, damit keine Pflanzendecke das Gedeihen der Weihnachtstanne hemmt.

Das Problem: die gerade gewachsene Tanne

Und das ist noch nicht alles. Das größte Problem der Tannenbaumzüchter ist nämlich, das Wachstum des Baumes so zu lenken, dass er am Ende dem Ideal einer gerade gewachsenen Weihnachtstanne entspricht. Das geht neuerdings auch mit einem chemischen Cocktail, aus den Labors der führenden Chemiekonzerne. Die Wirkstoffe werden in einer Art Halskrause um die Spitze des Baumes gelegt, damit sie ihre wachstumshemmende Wirkung auf die Triebe des Baumes über längere Zeit entfalten können.

Tannenhof setzt auf Handarbeit

Wellmann hat zwar kein Bio-Zertifikat, setzt aber auf Handarbeit und weitgehenden Chemieverzicht. Wenn also im Frühjahr das Wachstum einsetzt, verbringt er viel Zeit in seinen Anpflanzungen, die um den Wellmannshof in Alfhausen-Wallen verstreut liegen. Damit seine Bäume nicht ins Kraut schießen, zupft er ihnen die Triebe per Hand ab. Wo ein Ast oder die Spitze aus der Richtung wächst, wird zur Korrektur angebunden. „Bei mir bekommt jeder Baum eine zweite Chance“, sagt Wellmann. Zwischen seinen Bäumen muss es im Sommer munter gewuchert haben, trockene Grashalme zeugen noch davon. Im Dürresommer 2018 sei der Verzicht auf Spritzmittel sogar ein Vorteil gewesen. Der Pflanzenbewuchs habe Tau gehalten, den Bäume ein bisschen Feuchtigkeit verschafft.

Tipp: Weihnachtsbaum nichts sofort ins Warme stellen

Kosten sollen seine Bäume weniger als 20 Euro das Stück. Wer als Selbstabholer bei ihm kaufen will, braucht nur den Hof an der B 68 in Wallen kurz vor Alfhausen anzusteuern, auch sonntags. Der ist leicht auszumachen, dank einer riesigen Weihnachtsbeleuchtung, die Wellmann für seine Aktion reaktiviert. Die Bäume stehen auf einem Grundstück nicht weit vom Hof. Der Kunde wird dort hingebracht, kann sich seinen Baum an Ort und Stelle aussuchen. Er kann ihn auch jetzt schon mit einem Band markieren und kurz vor dem Fest fällen. Ein Weihnachtsbaum sollte nämlich „nicht sofort ins Warme“, weil er dann früh zu nadeln beginnen könnte, warnt Wellmann.

Kein Maschineneinsatz, keine langen Transportwege, kein Kühlhaus, das Energie verbraucht – seine Bäume haben eine tadellose Öko-Bilanz, findet Wellmann. Und falls sie nicht verkauft werden, enden sie auch nicht wie viele Tannen aus dem Handel als Elefantenfutter oder im Schredder. Sie bleiben vielmehr einfach in Wallen stehen und werden ein Jahr lang weiter Fotosynthese betreiben und den Klimakiller Kohlendioxid in ihrer Pflanzenmasse binden.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN