Versammlung in Bersenbrück Task-Force soll DRK-Kreisverband Osnabrück-Nord aus der Krise helfen

Von Susanne Strothmann-Breiwe

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ssb Bersenbrück. Hohe Verluste und seit Monaten keine Geschäftsführung: Die DRK-Kreisverbände Osnabrück-Nord und Melle stehen vor haushohen Problemen. Eine Task Force soll aus der Krise helfen. Herbert van Loh leitet sie und informierte in der Jahreshauptversammlung in Bersenbrück darüber.

Wie berichtet, haben die Kreisverbände Melle und Osnabrück-Nord ihre gemeinsame Geschäftsführerin von einem Großteil ihrer Aufgaben entbunden. Das Präsidium konnte nicht entlastet werden. Bernd Heinemann, Vorsitzender des DRK-Kreisverbandes Osnabrück-Nord, eröffnete den Mitgliedern aus den Ortsvereinen am Dienstag, dass derzeit weder Jahresabschluss noch Wirtschaftsplan vorlägen, der Kreisverband ohne Geschäftsführung und Hauptbuchführer sei, man mit Verlusten von mindestens 12.000 Euro rechnen müsse, zugleich hohe Investitionsvolumen vorzubereiten habe und überdies schwindende Mitgliederzahlen verzeichne.

2016 stand noch ein Jahresüberschuss von 140.000 Euro zu Buche. „Wir sind in einer offensichtlich schwierigen Situation und mit uns die Kreisverbände Melle, Osnabrück Stadt und Wittlage“, gestand Heinemann. Der Verlust sei vor allem durch die Inanspruchnahme von Fremddienstleistern verursacht worden. Heinemann: „Wir können das auffangen, weil wir eine gute Eigenkapitalausstattung haben.“

Nur noch schleppend geliefert

2004 sei die Geschäftsführung des Kreisverbandes Nord auf Melle übertragen worden. Ende Juni sei der Leiter des Rechnungswesens verabschiedet worden, ohne Nachfolger. Wirtschaftszahlen wurden nur noch schleppend geliefert.

Nachdem Liquiditätsprobleme offenkundig wurden, habe man die Reißleine gezogen. Grund sei vor allem der ausufernde Einsatz von Fremddienstleistern in den Heimen gewesen, so Heinemann in seinem Bericht. Warum die Geschäftsführerin nicht früher gegengesteuert habe, sei unklar. Sie habe jede Stellungnahme verweigert. Die Angelegenheit liege in der Hand der Rechtsanwälte.

Heinemann: „Wir haben uns an den Landesverband gewandt. Der hat uns innerhalb kürzester Zeit eine sogenannte Task Force zusammengestellt.“ Kopf dieser Task Force ist Herbert van Loh. Volljurist, seit 27 Jahren im Dienst des Deutschen Roten Kreuzes, investiert er nach eigenen Angaben gerade seinen Resturlaub, um den Osnabrückern „Erste Hilfe“ in der Not zu leisten. Der 64-jährige ist noch bis Ende März 2019 Kreisgeschäftsführer und hauptamtlicher Vorstandsvorsitzender beim DRK-Kreisverband Göttingen-Northeim.

Keine erfahrenen Mitarbeiter?

Bis Ende März will er sich die notwendige Zeit irgendwo herausarbeiten. „Wir bemühen uns mit einer Task Force, gesteuert durch den Landesverband, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen“, so van Loh und scherzte, dass er momentan nur festlegen müsse, was eilig, was sehr eilig und was brandeilig sei. Priorität habe für ihn, die Geschäftsstelle in Melle neu zu organisieren, die unterbesetzt sei.

Es gebe zu viele neue, aber keine erfahrenen Mitarbeiter. Darin liege aber eine Chance für einen Neuanfang mit Blick auf die Fusion der Kreisverbände, so der erfahrene DRK-Funktionär. Zudem will er die Jahresabschlüsse in Windeseile fertig machen.

Seit Juni läge keine korrekte Monatsbuchführung vor. Parallel laufen noch Bewerbungsgespräche, um das Rechnungswesen wieder zu besetzen. Van Loh ist zwar erst seit einem Monat im Amt, aber bereits zufrieden mit den ersten Hilfsmaßnahmen: „Die Fremddienstleister sind schon deutlich reduziert. Von rund sieben sind nur noch zwei übrig. Mit den Kostenträgern verhandeln wir bessere Tarife für unser Pflegepersonal, damit wir wettbewerbsfähiger werden. Der Landkreis unterstützt uns dabei.“ Es wird weitere Kreisversammlungen geben, kündigte van Loh an. Der Zeitplan sei ambitioniert.


DRK-Experte zu Fusion der Kreisverbände im Osnabrücker Land

In der Jahresversammlung des DRK-Kreisverbandes Osnabrück-Nord machte sich Experte Herbert van Loh für eine Fusion der DRK- Kreisverbände im Osnabrücker Land stark.

Damit habe in Niedersachsen keiner mehr zu tun gehabt als er selbst, verwies van Loh auf die von ihm gemanagte Fusion der Kreisverbände Göttingen, Northeim und Münden. „Falls Sie irgendwelche Zweifel haben, ob eine Fusion der richtige Weg ist, möchte ich Ihnen diese heute Abend nehmen. Wir haben im DRK Niedersachsen seit 1978 ein grundlegendes Problem. Als damals die Gebiets- und Verwaltungsreform durchgeführt wurde, hat es andere Zuschnitte der Landkreise gegeben. Das DRK hatte versäumt, diese Reform nachzuvollziehen.“ Das habe in der Praxis viele Probleme nach sich gezogen.

Laut van Loh sind zehn bis 15 Kreisverbände nicht leistungsstark genug . Das könne nicht das DRK-Profil der Zukunft sein. „Wir müssen dafür sorgen, dass wir eine flächendeckend leistungsstarke DRK-Struktur bekommen. Das geht momentan nur darüber, dass sich benachbarte Kreisverbände zusammenschließen. Das bedeutet an einigen Stelle einen Verlust von Bürgernähe. Das kann man aber irgendwo kompensieren.“ Ortsvereine könnten sich vernetzen, um auf diese Weise die Regionalität und Bürgernähe des DRK zu wahren.

Darüber müsse man nachdenken, die Weichen seien gestellt. Es gehe jetzt um die Form, wie man die Fusion inhaltlich und zeitlich gestalte. Van Loh möchte diesen Prozess begleiten, erklärte er.

Dafür gab es in der Jahreshauptversammlung viel Zustimmung. Heinemann: „Wir kämpfen schon lange mit dem Gedanken eines einheitlichen Kreisverbandes. Vielleicht können wir schon in einem Jahr die entsprechenden Beschlüsse vollziehen.“ssb

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