Wie Jugoslawien entstand Als Ruma Geschichte schrieb: Bersenbrücker feiern mit

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Ruma/Bersenbrück Das Ende des Ersten Weltkrieges verbindet Ruma mit einem Datum, an dem der Ort Geschichte schrieb. Hundert Jahre Weltkriegsende feierte auch eine Delegation aus der Samtgemeinde Bersenbrück mit der serbischen Partnergemeinde.

Rumas Bürgermeister Sladjan Mancic würdigte beim Empfang der Gäste die Freundschaft zwischen Ruma und der Samtgemeinde und nannte sie „ein gutes Beispiel des Miteinanders des deutschen und serbischen Volkes für ein friedliches und gemeinsames Europa“. Mit einer Kranzniederlegung am Denkmal Žarko Miladinovics gedachten Deutsche und Serben des 24. Novembers 1918. Damals beschloss Rumas Stadtrat mit großer Mehrheit, die Stadt möge sich dem Königreich Serbien anschließen. Möglich gewesen wäre auch, im bei Kriegende provisorisch gebildeten SHS-Staat zu verbleiben oder sich Ungarn anzuschießen, das in der Nachbarschaft liegt und im multiethnischen Ruma ebenfalls eine Bevölkerungsgruppe stellt. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung aber waren deutschstämmig, zusammen mit den Serben entschieden sie sich für Belgrad. Der Bezirk Srem, zu dem Ruma gehört und die ganze Vojvodina zogen mit.

Donauschwaben bauen die Stadt

Ruma ist eine typische Gründung in der Donaumonarchie zu Zeiten der Kaiserin Maria Theresia. Donauschwaben zogen mit Booten den Fluss hinunter und siedelten sich an. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges stellten ihre Nachfahren die Mehrheit der Bevölkerung. Serben kamen auf knapp ein Drittel, im 19. Jahrhundert bildete sich unter ihnen eine nationalistische Bewegung, die statt mit der österreichisch-ungarischen Monarchie mit dem serbischen Königreich sympathisierte. Das war nach einem blutigen Krieg 1878 aus dem Osmanischen Reich herausgelöst worden, auf dem Berliner Kongress, mit dem deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck als Geburtshelfer.

Kopf der serbisch-nationalistischen Volkspartei SNRS in der Vojvodina war Žarko Miladinovic, 1862 in einem Dorf nahe Ruma geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften in Novi Sad und Belgrad gründete er in Ruma eine Kanzlei und kämpfte als Politiker für die serbische Sache, was ihm 1909 sogar eine Anklage wegen Hochverrats einbrachte.

Er kämpfte aber nicht allein für die serbische Sache, sondern für einen Zusammenschluss der südslawischen Völker, der Jugoslawen, unter serbischer Führung. Der Beschluss des Stadtrates vom November 1918 war ein Baustein dazu.

In Osnabrück interniert

Die Vojvodina wurde Teil des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen. Miladinovic stieg zum Postminister dieses ersten jugoslawischen Staates auf. Er starb 1926 und wurde in Ruma begraben.

Sein geliebtes Jugoslawien aber glich der Weimarer Republik, es war von Anfang an zu schwach, um seine Völker friedlich zusammenzuhalten. 1941 überrollten es die Achsenmächte, 5000 Offiziere der serbischen Armee wurden damals in einem Lager in Osnabrück interniert.

Die Allianz der Deutschen und Serben in Ruma hatte bis dahin gehalten, erst der Ustascha- und Naziterror der Besatzungszeit erstickte sie. 1945 eroberten Titos Partisanen Ruma, die Deutschen waren zum Teil schon geflohen oder wurden danach vertrieben.

Doch selbst die Terrorzeit kennt Beispiele von Solidarisierung unter Nachbarn, auch unter lebensgefährlichen Umständen. Es leben immer noch Deutschstämmige in Ruma. Ihre Geschichte, gibt Sladjan Mancic recht: Es braucht ein friedfertiges, geeintes Europa.


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