Smartes Personalmanagement Bersenbrück: Wirtschaftsfaktor Familienfreundlichkeit

Von Sigrid Schüler

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Über familienfreundliche Personalpolitik sprachen in Bersenbrück Wolfgang Schulte, Maren von der Heide, Horst Baier und Ann Kristin Schneider (von links). Foto: Sigrid SchülerÜber familienfreundliche Personalpolitik sprachen in Bersenbrück Wolfgang Schulte, Maren von der Heide, Horst Baier und Ann Kristin Schneider (von links). Foto: Sigrid Schüler

Bersenbrück. In Zeiten des Fachkräftemangels wird für Unternehmen familienfreundliche Personalpolitik immer wichtiger. Worauf es dabei ankommt, darüber sprach Ann Kristin Schneider vom Forschungszentrum FFP auf der Jahrestagung des Netzwerks für Familien im Medienforum Bersenbrück.

Das Netzwerk entstand 2013 unter Führung der Samtgemeinde Bersenbrück. Das Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik (FFP) ist ein wissenschaftliches Kompetenzzentrum mit Standorten in Münster, Berlin und Bochum.

Unternehmen, die familienfreundlich agieren, können bei Mitarbeitern und Jobsuchern punkten. Schneider stellte Untersuchungsergebnisse vor, die dies belegen. So wünschen sich 80 Prozent der Väter mehr Zeit für die Familie, und für 75 Prozent der Arbeitnehmer ist die Familienfreundlichkeit bei der Wahl des Arbeitgebers so wichtig wie ein gutes Gehalt. Aber: 2013 gaben 57 Prozent der Befragten an, große Probleme in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu sehen, und im Jahr 2017 stieg die Quote sogar auf 65 Prozent. „Etwas läuft schief“, erklärte Schneider.

Die Vorteile familienfreundlicher Personalpolitik liegen für ein Unternehmen klar auf der Hand. Nach Untersuchungen des FFP sind Mitarbeiter familienfreundlicher Unternehmen deutlich motivierter, ihre Produktivität ist höher, sie bleiben länger im Unternehmen und sind seltener krank.

Führungsaufgaben teilen

Was kennzeichnet eine familienfreundliche Personalpolitik? Schneider stellt klar: Die Beschäftigten eines Unternehmens müssen über Angebote informiert werden. Das sei leider nicht selbstverständlich, in vielen Unternehmen hapere es bei der Kommunikation. Außerdem sei sinnvoll, die Mitarbeiter zu befragen, wo sie Unterstützung brauchen. Es nütze wenig, Kinderbetreuung anzubieten, wenn die Mehrzahl der Mitarbeiter häusliche Pflege leisten müsste. Bei flexiblen Arbeitszeiten sollten Personalchefs bedenken, dass es nicht nur die Lösung Vollzeit/Halbzeit gebe. Die Ausweitung der Mittagspause kann für einzelne Mitarbeiter sinnvoll sein, ebenso eine flexible Urlaubsregelung.

Für familienfreundliche Personalpolitik müssten die Führungskräfte sensibilisiert werden, so Schneider. „Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist Chefsache.“ Auch Führungskräfte müssen die Angebote des Unternehmens nutzen dürfen. Deshalb gelte es, über die Teilung von Führungsaufgaben nachzudenken.

Zertifikat „Familienfreundlicher Arbeitgeber“

„Nicht handeln kann teuer werden, für alle“, lautet Schneiders Schlussfolgerung. Die Unternehmen bekommen Probleme bei der Stellenbesetzung, die Mitarbeiter müssen vielleicht ihre Arbeit aufgeben oder sind wegen starker Belastung häufiger krank. Von Familienfreundlichkeit profitieren auch die Kommunen und die gesamte Gesellschaft, steigt die Produktivität, steigen auch die Steuereinnahmen.

Im Anschluss an den Vortrag standen Wolfgang Schulte, Inhaber des Malerbetriebs Schulte, Maren von der Heide als Leiterin des Personalbereichs der Kreissparkasse und Samtgemeindebürgermeister Horst Baier Rede und Antwort, wie es in ihren Unternehmen mit der Familienfreundlichkeit aussieht. Alle bestätigten, dass man sich viele Gedanken um die Umsetzbarkeit mache. So versucht die Kreissparkasse, individuelle Lösungen für die Mitarbeiter zu finden. Das sei eine Herausforderung, gab von der Heide zu, wichtiger Erfolgsfaktor sei hierfür die Kommunikation.

Wolfgang Schulte versucht, für ein gutes Arbeitsklima zu sorgen. Arbeitssicherheit werde bei ihm großgeschrieben, und wenn ein Mangel festgestellt werde, wüssten seine Mitarbeiter, dass sie den auch melden dürfen. Auch in der Verwaltung der Samtgemeinde hat man sich auf den Weg gemacht, so Baier. Die Verwaltung habe ein Gesundheitsmanagement etabliert, und gebe es die Möglichkeit, Arbeit per Homeoffice zu erledigen. Dies sei selbstverständlich nicht überall möglich.

Andreas Merse vom Fachdienst Jugend des Landkreises Osnabrück stellte das Zertifikat „Familienfreundlicher Arbeitgeber“ vor. Unternehmen können sich prüfen lassen und so Familienfreundlichkeit dokumentieren. Die Wirtschaftsförderung der Samtgemeinde unterstützt die Zertifizierung mit Gutscheinen.


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