Gespaltenes Land, lebendige Demokratie Bersenbrücker auf „Mauerreise“ in Berlin

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Bersenbrück/Berlin. Die Mauer ist jetzt länger weg, als sie da war: Am 9. November jährt sich ihr Fall zum 29. Mal. 28 Jahre hatte sie Berlin geteilt. Eine Reisegruppe aus dem Nordkreis machte sich auf Spurensuche. Sie fand ein gespaltenes Land. Aber eines mit lebendiger Demokratie.

„Ich halte es für wichtig, Politik zu veranschaulichen. Wir dürfen unsere Geschichte nicht vergessen, und auch nicht, wie wichtig Demokratie ist“, hatte Franz Brinkmann der von ihm organisierten Studienreise vorangestellt. Der Bus reiste ein wie zu DDR-Zeiten, mit langem Halt am Transitübergang Marienborn, heute Museum. Beim Anblick der Wachttürme stellt sich das Gefühl der Bedrückung von damals beim Grenzübergang wieder ein. Es schwindet, wenn man erfährt, wie überlastetes Personal hinter den Kulissen arbeitete, um jeden zu erfassen, der hier durchkommt.

Eine Führerin erzählt von ihrem Leben in der Nische einer Kirchengemeinde, fernab vom Gefühl, Gefangener einer kommunistischen Diktatur zu sein. Ein erster Hinweis auf die mentale Mauer, die noch heute zwischen Ost- und Westdeutschen steht.

Mehr werden folgen, aber auch das Gefühl der Bedrückung kehrt zurück, verbunden mit Wut, in Hötensleben etwa, wo ein Grenzabschnitt samt Panzersperren erhalten blieb, der vom Tod durch Minen und Selbstschussanalgen kündet. Manche Grenzsoldaten schossen bewusst neben die Flüchtenden. Andere setzten gezielt hundert Schüsse ab auf einen Jungen und zwei Grenzschützer, die den Niedergeschossenen aus der Schusslinie ziehen.

Im Triumphzug durch das Brandburger Tor

Die Reisenden erlebten den Bahnhof Friedrichstraße, seit dem Mauerbau 1961 das Nadelöhr zwischen Ost- und Westberlin, ein Labyrinth, das jede Flucht unmöglich machen sollte. Auch der Reichstag geizt nicht mit Anspielungen auf schwarze Stunden der deutschen Geschichte. Zugleich gibt ihm der Kuppelbau Sir Norman Fosters Licht und Leichtigkeit, er versöhnt mit der Geschichte und entflammt Besucher aus aller Welt zugleich für die Demokratie.

Dagegen wirkt das Bundeskanzleramt monumental. Doch die Besucher lernen es kennen als Hort moderner Architektur und Kunst, angemessenen Rahmen für Staatsempfänge, Schaltzentrale der Regierung mit 700 Mitarbeitern und ihre Stabstelle für Zukunftsfragen.

Im schneidenden Ostwind folgen die Berlinreisenden per Fahrrad kargen Spuren der Mauer, die großenteils dem Zusammenwachsen der Stadt weichen musste. Neben Drama gibt es auch Komödie, am Grenzübergang Bornholmer Straße etwa. Am 9. November 1989 läutete hier ein mutiger Mann mit einer einsamen Entscheidung das Ende der Mauer ein.

Wie im Triumphzug rollten die Radler auch durch das Brandburger Tor, begleitet von protestierenden Bauern auf Treckern. Hier wird seit der Wende fast jeden Samstag demonstriert. Und die Demokratie lebt doch.


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