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Autor spricht mit Schülern „Hitlerjunge“ Salomon Perel in Bersenbrück

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<em>Die Schüler</em> Lea Duesmann, Kai Papenjohann und Albert Krasnikov (von links) lassen sich von Autor Sally Perel seine Autobiographie signieren. Foto: Katharina PreuthDie Schüler Lea Duesmann, Kai Papenjohann und Albert Krasnikov (von links) lassen sich von Autor Sally Perel seine Autobiographie signieren. Foto: Katharina Preuth

Bersenbrück. „Ich war Hitlerjunge Salomon“. Der Autor dieser Autobiographie Sally (Salomon) Perel war zu Besuch am Gymnasium in Bersenbrück. Während des Dritten Reiches hat der aus einer jüdischen Familie stammende Perel als Hitlerjunge getarnt überlebt.

Als „sehr sympathisch“ und „locker“ beschreibt der Zehntklässler Kai Papenjohann den geladenen Autor. Seine Mitschülerin Lea Duesmann fügt hinzu: „Es war sehr ungezwungen mit ihm.“ Locker und ungezwungen sind vermutlich nicht die ersten Worte, die einem einfallen, wenn ein jüdischer Zeitzeuge in Deutschland über das Thema Nazionalsozialisumus und Ermordung der Juden spricht. Doch Sally Perel, 88 Jahre alt, zeichnet eine ganz besonderere Beziehung zu den Jugendlichen aus. Und das zeigen nicht nur seine 10000 Facebook-Fans. Ihm liegt am Herzen, den Jugendlichen zu verdeutlichen, dass die Vergangenheit sich nicht wiederholen darf. Dazu erzählt er seine unglaubliche Geschichte:

Um zu überleben, war Sally Perel gezwungen, unter dem Tarnnamen Josef als Hitlerjunge verkleidet zu leben. Zusammen mit anderen Jungen hat er Hakenkreuze auf der braunen Uniform getragen und die rechte Hand zum Hitlergruß gehoben. Das Erschreckende daran, und auch der Grund, warum Perel erst 40 Jahre nach seinen Erlebnissen darüber redet und schreibt: als Verfolgter hat er angefangen, sich mit der Nazi-Ideologie zu identifizieren. „Wenn die Soldaten eine Schlacht gewannen, freute ich mich, wenn sie verloren haben, war ich traurig. Ich rief: Sieg Heil, und war einer von ihnen.“

Die Männer, die er anfeuerte, waren die gleichen, die seine Eltern töteten. Beide starben im Konzentrationslager. „Ich habe zwei sich tödlich gegenüberstehende Seelen in mir“ Die eine steht für seine jüdischen Erziehung in einer Rabbinerfamilie. Die andere Seele ist die eines deutschen Jungen, der ein begeisterter Hitlerjunge wurde. Als Soldat landete Perel am Ende des Krieges in amerikanischer Gefangeschaft. Nach seiner Befreiuung zog er nach Israel, wo er noch immer lebt. Bis heute versucht er, seine schizophrenen Gefühle in Einklang zu bringen.

Die Offenheit, mit der Perel auch über seine Begeisterung für die Hitlerjugend spricht, beeindruckt den Schüler Albert Krasnikov. „Das hört man sonst nicht sooft“. Lea kann sich dagegen kaum vorstellen, wieviel Todesangst der damals auch 16 Jahre alte Sally Perel ausgestanden haben muss. „Es ist purer Luxus, in dem wir heute leben. So ganz ohne Krieg.“ Für Lea, Kai und Albert sind die Geschichten der Großeltern genau das: Geschichten aus einer weit entfernten Zeit. Sie können sich nicht im geringsten vorstellen, wie es gewesen sein muss, als jüdisches Kind unter Nazis aufzuwachsen. Nicht zuletzt aus diesem Grund haben alle drei den größten Respekt vor dem Leben, das Sally Perel führen musste, als er in ihrem Alter war.

Sein Wissen an die Jugend weiterzugeben, ist Lebensaufgabe Perels. Regisseur Steven Spielberg soll gesagt haben, dass die „Zeitzeugen die besten Geschichtslehrer“ sind. Deshalb will Sally Perel auch weiterhin auf Lesetournee gehen. „Als ich den Berg von Kinderschuhen in Auschwitz sah, schwor ich mir, so lange über die Nazi-Verbrechen zu berichten, wie mich meine Schuhe tragen.“


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