Landwirtschaftsforum in Bersenbrück Otte-Kinast für Ferkelbetäubung durch Landwirte

Von Sigrid Schüler-Juckenack

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Beim Landwirtschaftsforum der Kreissparkasse Bersenbrück stellte sich Barbara Otte-Kinast (Zweite von links) den Fragen von Matthias Teepken und Anita Lucassen. Links im Bild Moderator Ralf Stephan. Foto: Sigrid SchülerBeim Landwirtschaftsforum der Kreissparkasse Bersenbrück stellte sich Barbara Otte-Kinast (Zweite von links) den Fragen von Matthias Teepken und Anita Lucassen. Links im Bild Moderator Ralf Stephan. Foto: Sigrid Schüler

Bersenbrück. Die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast war jetzt zu Gast beim Landwirtschaftsforum der Kreissparkasse Bersenbrück. Vertreter aus der Praxis stellten ihr Fragen zur Landwirtschaftspolitik und zur Zukunft der Landwirtschaft.

Anita Lucassen, Milchviehhalterin aus dem Landkreis Cloppenburg und Matthias Teepker, Landwirt und Tierhalter mit dem Schwerpunkt Sauenhaltung und Schweinemast aus dem Landkreis Emsland waren die Praktiker in der Diskussionsrunde, die von Ralf Stephan, Chefredakteur des Wochenblattes Land & Forst, moderiert wurde.

Insbesondere die Themen Nachhaltigkeit, Tierschutz und Umweltschutz sowie deren Vereinbarkeit mit der Notwendigkeit, mit der Landwirtschaft Geld zu verdienen, standen zur Diskussion. Otte-Kinast hatte sich in einem Impulsreferat zuvor positioniert. Ihr Herz schlage für die Landwirtschaft, und ihre Ziele seien die Stabilisierung der landwirtschaftlichen Einkommen, Förderung der ländlichen Räume, Umweltverträglichkeit und weniger Bürokratie, hatte sie erklärt.

In der anschließenden Diskussion stellten die beiden Praktiker Fragen. Zur neuen Düngemittelverordnung fand Otte-Kinast deutliche Worte. Im Hinblick auf die Qualität des Wasser sagte sie: „Wir haben ein echtes Problem.“ Die Nitratwerte seien schlecht, und es werde Brunnen geben, deren Wasser in der Zukunft nicht mehr trinkwassertauglich sei. Aus diesem Grund sei unerlässlich, Düngung und Nährstoffströme auf landwirtschaftlichen Betrieben genau zu erfassen. Das sei zwar für die Betriebe nicht leicht umzusetzen, aber die Landwirtschaftskammern seien hinsichtlich Beratung gut aufgestellt. Lucassen kritisierte, dass die neue Verordnung einige Betriebe zum Abstocken der Tierzahlen zwinge. Otte-Kinast bestätigte, dass, wenn die Tierzahl im Verhältnis zur bewirtschafteten Fläche zu groß sei, das tatsächlich der Fall sein kann. Allerdings gebe es viel Forschung auf dem Gebiet, wie Wirtschaftsdünger aus viehreichen Regionen für Ackerbauern interessant werden kann. Wichtig beim Ackerbau sei das Prinzip, dass man genau nachvollziehen kann, was der Dünger enthält und dass die Qualität stimmt. Eine genaue Deklaration könne das Image des Wirtschaftsdünger verbessern. Der Kritik, dass vor allem kleinere Betriebe Probleme haben, die Verordnung umzusetzen, stimmte Otte-Kinast zu. Allerdings müssten alle Betriebe dafür Geld in die Hand nehmen, und eine wirklich gerechte Idee, wer zu fördern sei und wer nicht, habe sie dazu im Moment nicht, gestand sie.

Zum Thema Ferkelkastration erklärte die Ministerin, dass der Ausstieg aus der betäubungslosen Kastration nicht in Frage stehe. Zwei Jahre Übergangsfrist sei nicht viel, so die Kritik von Sauenhalter Teepker. Otte-Kinast stellte klar, dass die eigentliche Übergangsfrist von fünf Jahren bereits abgelaufen ist und es sich jetzt um eine Verlängerung handele. Andere würden sich fragen, warum man bis jetzt keine Lösung zu dem Problem gefunden habe. Es gelte nun, die zwei Jahre zu nutzen, zum Beispiel, um die Akzeptanz von Eberfleisch zu erhöhen. Otte-Kinast betonte aber, sie favorisiere die Möglichkeit, dass Landwirte selbst Betäubung und Kastration der Ferkel vornehmen dürfen, ohne einen Tierarzt hinzuziehen zu müssen. Dazu seien allerdings Gesetzesänderungen erforderlich, und die nehmen Zeit in Anspruch.

Tierschutz sei überhaupt ein Reizthema, und gerade durch die jüngsten Meldungen von Missständen auf zwei Schlachthöfen habe sich der Druck auf die Tierhaltung noch einmal erhöht, stellte die Ministerin fest. Das Thema Transportfähigkeit von Tieren und Notschlachtung müsse überprüft werden, und sie wolle mit Transporteuren und Schlachtern ins Gespräch kommen, um Missstände zu beseitigen. Zum Tierwohl erklärte sie, dass in der Tierzüchtung Merkmale der Gesundheit, Robustheit und Langlebigkeit inzwischen berücksichtigt würden. Wichtig ist ihr, dass bei derartigen Themen Menschen aus allen Bevölkerungsgruppen beteiligt werden, also nicht nur die Landwirtschaft und der vor- und nachgelagerte Bereich, sondern auch Tierschützer und Verbraucher.

Während der Diskussion lobte Otte-Kinast die beiden Vertreter aus der Landwirtschaft für ihre vorbildliche Öffentlichkeitsarbeit und Diskussionsbereitschaft. Und sie betonte: „In allen Veränderungen liegen Chancen, und ich wünsche mir, dass wir die Chancen nutzen.“


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