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Vortrag in der Oberschule Jutta Stalfort referiert über Ankums Streben nach Selbstständigkeit

Von Susanne Strothmann-Breiwe

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Die Gebiets- und Verwaltungsreform 1972 habe auch Ankum vorangebracht, sagt Jutta Stalfort, die in der Ankumer August-Benninghaus-Schule über Ankums Selbstständigkeitsbestreben in den 1980er Jahren referierte. Foto: Susanne Strothmann-BreiweDie Gebiets- und Verwaltungsreform 1972 habe auch Ankum vorangebracht, sagt Jutta Stalfort, die in der Ankumer August-Benninghaus-Schule über Ankums Selbstständigkeitsbestreben in den 1980er Jahren referierte. Foto: Susanne Strothmann-Breiwe

ssb Ankum. „Wenn Ankum seinen Willen erhalten hätte, wäre Bersenbrück wohl in der Bedeutungslosigkeit verschwunden“, bilanzierte Jutta Stalfort in ihrem Vortrag „Zusammenwachsen, ausscheren und wieder eingefangen werden – Ankums Streben in die Selbstständigkeit in den 80er-Jahren“.

Der Raum in der August-Benninghaus-Schule war voll besetzt, die Diskussion lebhaft, aber das Fazit der Gäste ernüchternd: Der jahrzehntelange Konflikt zwischen Bersenbrück und Ankum schwele noch immer. Stalfort stellte aber genau diese Situation infrage. Alle Kommunen seien nach der Gebiets- und Verwaltungsreform von 1972 nachweislich vorangekommen. Der Vorwurf, die Samtgemeinde Bersenbrück habe Ankum kleingehalten, könne sie nicht belegen.

In ihrer anderthalbstündigen Präsentation zeigte Stalfort Ursache und Entwicklung des Dauerkonfliktes auf. Initialer Auslöser war der Ratsbeschluss Ankums im Jahr 1982, als man sich einstimmig entschied, aus der Samtgemeinde Bersenbrück auszuscheren und wieder selbstständig zu werden. Laut Stalfort war dieser Entschluss maßgeblich inspiriert gewesen von der Aufhebung der Gemeindefusion zwischen Bad Laer und Glandorf im Jahr 1981. Die beiden Gemeinden landeten nach neun Jahren erbitterten Widerstand gegen ihre Zusammenlegung einen spektakulären politischen Coup, als ihre Zwangsehe vom Land wieder geschieden wurde – ein bis heute einmaliger Vorgang in der Geschichte Niedersachsens.

Von Anfang an strebte Ankum an, ein Mittelzentrum zu werden zusammen mit den umliegenden Gemeinden. Die Voraussetzungen hätte Ankum erfüllt, so Stalfort. Dass Hannover all diese Bestrebungen am Ende ablehnte, sei vor allem auf die politischen Rührigkeit Bersenbrücks zurückzuführen. Kurz vor der entscheidenden Sitzung empfing der damalige Ministerpräsident Ernst Albrecht Vertreter aus Bersenbrück zu einem Arbeitsessen. Wenige Stunden später fiel die Entscheidung zugunsten der Samtgemeinde Bersenbrück. Für den Fall, dass Ankum weiterhin Widerstand leistete, wurde zugleich vereinbart, Bersenbrück zur Einheitsgemeinde zu machen. Ankum stand vor der Zerreißprobe. Nach heftigem Protest willigte man schließlich in das kleinere Übel ein.

Stalfort machte in ihrem Vortrag immer wieder deutlich, dass die Gebiets- und Verwaltungsreform von 1972 alle vorangebracht habe, auch Ankum. Dass Ankum dennoch an der Idee festhalte, dass zwei Samtgemeinden möglich gewesen wären, offenbare das ausgeprägte Selbstbewusstsein der Gemeinde mit seiner über 1000-jährigen Geschichte. Bersenbrück sei demgegenüber „ein total neuer Ort“. Um 1800 hatte Bersenbrück nur etwa 100 Einwohner, Ankum bereits 1000. Bersenbrück habe die Aufholjagd nur deshalb gewonnen, weil sich die Gemeinde mit den Jahren zu einem Zentrum mit Behörden entwickelt habe.

Zur Geschichte der Samtgemeinde Bersenbrück geht es am Freitag, 9. November, um 18 Uhr weiter in der Grundschule in Alfhausen. Dann unter dem Aspekt „Die neuen Bürger aus dem Osten – Integration in der Samtgemeinde in den 90er-Jahren“. Die Teilnahme ist kostenlos.


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