Selbstständig bleiben im Alter Kontroverse um Technik in der Pflege beim Bersenbrücker Klönfrühstück

Von Bernhard Mecklenfeld

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Martin Schnellhammer (links) stellte im Bersenbrücker Klönfrühstück das „Living Lab“ vor. Klaus Warning hielt die Messe. Foto: Bernhard MecklenfeldMartin Schnellhammer (links) stellte im Bersenbrücker Klönfrühstück das „Living Lab“ vor. Klaus Warning hielt die Messe. Foto: Bernhard Mecklenfeld

Bersenbrück. „Im Alter lange selbstständig bleiben“ – Die Erwartungshaltung von weit über 70 Teilnehmern am Bersenbrücker Klönfrühstück war hoch. Gerne wären viele mit einfachen und klaren Aussagen nach Hause gegangen. Der Ansatz von Martin Schnellhammer vom „Living Lab“ ist jedoch ein anderer.

Dem Geschäftsbereichsleiter des Netzwerkes „Living Lab“ geht es um grundsätzliche Fragestellungen. Mit „Living Lab“ (Lebendes Labor) wollen der Landkreis Osnabrück, das Bistum Osnabrück sowie Hochschule und Universität Osnabrück Neuerungen für Wohnen und Pflege entwickeln, die es Menschen ermöglichen, länger in der eigenen Wohnung zu bleiben, auch wenn sie pflegebedürftig sind.

Zwei Beispiele verdeutlichen, wie moderne Technik in Form von Datensammlung und –analyse die Pflegekräfte entlasten kann. Am Projekt Bildschirmpflege in Merzen sind der Caritas Pflegedienst Fürstenau-Neuenkirchen, das Gemeinschaftshauses in Merzen und eine Hausarztpraxis beteiligt. Auf einem Telemonitoringsystem laufen alle Informationen von Pflege und Hausarzt zusammen. Wichtige Daten zum Gesundheitszustand sind erfasst. Patienten können über einen Bildschirm zum Beispiel an Einnahme von Medikamenten erinnert werden.

Außerdem könnten die Senioren mit leicht zu beantwortenden Fragebögen eine Selbsteinschätzung ihres gesundheitlichen Befindens abgeben. Bei kritischen Werten würden automatisch Hausarzt oder eine Pflegekraft informiert.

Auch in der Nachbehandlung depressiv erkrankter Menschen gibt es für ihn bei einem Projekt in Haselünne gute Erfahrungen beim Einsatz der „Maschine“. Über ein Armband mit Bewegungssensor könne man feststellen, ob Patienten sich ausreichend bewegen würden. Zusammen mit anderen abrufbaren Daten wie beispielsweise die Einschätzung der eigenen Stimmung könnte ein Arzt dann frühzeitig merken, ob eine Suizidgefährdung vorliegen könnte.

Technik kann Betreuung verbessern

Bei der Hervorhebung der technischen Möglichkeiten zur Feststellung des Gesundheitszustandes regte sich bei den Teilnehmern des Klönfrühstücks deutlicher Widerstand. Nur ansatzweise waren sie mit dieser Form einer Pflegeunterstützung einverstanden. Vielmehr zeigten Wortbeiträge wie „Das ist doch eine totale Kontrolle“ eine große Angst und Verunsicherung.

Dem Referenten gelang es nur teilweise, Sorgen zu zerstreuen, dass ein Arzt die Daten nicht rechtzeitig auswerten und auf eine lebensbedrohliche Situation rasch genug reagieren würde. Bei auffälligen Daten würde das System eine Push-Nachricht auf das Handy des Arztes senden. Ein Arzt, der in einem solchen Fall nicht reagieren würde, würde sich strafbar machen, so der Referent.

Allerdings stellte Schnellhammer auch fest, dass „wir noch dabei sind, Dinge zu erfinden“. Zu Beginn eines neuen Projektes würde noch nicht immer alles klappen. Entscheidend wäre aber, dass bei steigender Zahl der Pflegefälle und gleichzeitigem Mangel an Pflegekräften technische Systeme die Betreuung von Betroffenen verbessern könnten: „Ich möchte Dinge anregen, wie man das Problem in Zukunft lösen kann.“

Technische Hilfen sind für ihn Ergänzung der menschlichen Hilfeleistungen. Soziale Teilhabe durch soziale Kontakte sei besonders für ältere oder kranke Menschen sehr wichtig. So könnte einer Vereinsamung entgegengewirkt und eine Entlastung der pflegenden Angehörigen erreicht werden. Er appellierte an die Kirchengemeinden und kirchlichen Verbände, Angebote für Senioren zu planen und zu organisieren.


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