Wege im Umgang mit Sterbenden Ankum: „Angst hat auch etwas Positives“

Von Margarte Hartbecke

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Der Umgang mit Sterbenden macht vielen Angst. Hospizkoordinator Andreas Schmidt weiß Abhilfe. Foto: M. HartbeckeDer Umgang mit Sterbenden macht vielen Angst. Hospizkoordinator Andreas Schmidt weiß Abhilfe. Foto: M. Hartbecke

Ankum Scheu, Unsicherheit und innere Barrieren empfinden viele Menschen beim Umgang mit Sterbenden. Wie es leichter wird, erfuhren die Teilnehmerinnen des Mottoabends „Auf Sterbende zugehen“.

Andreas Schmidt, Koordinator des Hospizdienstes St. Johannes im Malteser Hilfsdienst Alfhausen, freute sich, dass eine kleine, aber erfahrene Gruppe von Frauen zu diesem Thema im Niels-Stensen-Pflegezentrum in Ankum zusammenkam.

Warum der Umgang mit Sterbenden so viel Unwohlsein auslöst, erläuterte Schmidt zuerst analytisch. Angst zähle neben Wut, Freude und Trauer zu den vier Grundgefühlen.

Angst herrsche vor, wenn Sterbenden begegnet werde. Sie sei eine Reaktion auf eine bedrohliche Situation. Mit dem Tod würden Schmerzen, Ungewissheit und Kontrollverlust verbunden, Sorge um Hinterbleibende oder die Frage, ob alles geregelt sei. Angst habe aber auch etwas Positives. Sie verändere Denkmuster und helfe in Notfällen zu überleben. „Die Angst darf sein, sie ist nichts Schlimmes“, so Schmidt.

Werde ein Sterbender besucht, reagierten viele unsicher, was nach der Begrüßung und dem Händeschütteln komme. Hier helfe es, sich klarzumachen, dass der Sterbende zwar in einer besonderen Situation stecke: in einer anderen Umgebung, häufig umgeben von neuen Menschen und mit Symptomen der Krankheit und des Alters. Dennoch habe er fast immer noch sein Wesen und seinen Charakter, auch seine Vorlieben, Abneigungen und Interessen. Darauf könne ein Gespräch Bezug nehmen.

Ungeklärte Konflikte stören den Frieden

Schmidt empfahl, authentisch zu bleiben, Gefühle auszudrücken, vom Hier und Jetzt zu sprechen, sich selbst aber nicht zu überfordern. „Es braucht Mut, auf Sterbende zuzugehen, aber nicht viel!“ Antworten auf die Frage nach Gesprächsthemen fände man, wenn man wohlwollend und mit Liebe bedenke, was man selbst in dieser Situation hören möchte.

In Gruppengesprächen teilten die Teilnehmerinnen viele Erfahrungen. Jemanden nicht zu viel alleine lassen, aber auch nicht ständig belagern, war ein Resümee zum Umgang mit Sterbenden. Viele kämen zu zweit, um einen sicheren Gesprächspartner zu haben. Das könne unangenehm sein, wenn das Gespräch viel zu laut und intensiv sei und der Besuchte außen vor bliebe, berichtete eine ehrenamtliche Hospizbegleiterin. Eine Krankenschwester habe dagegen viele Situationen erlebt, in denen die Besuchten immer wieder angesprochen und einbezogen würden und das Gespräch dann genossen, auch wenn sie fast nur zugehört hätten.

Ruhe herüberbringen, damit die Sterbenden ihren Frieden fänden, war eine weitere Erfahrung. Manchmal gäbe es aber noch viele ungeklärte Konflikte wie Streit über fragliche medizinische Behandlungen oder innerfamiliäre Spannungen, die allen Beteiligten zusetzen. Hier könnten zum Beispiel die Ethik-Komitees von Krankenhäusern weiterhelfen.


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