Umwelt- und Verkehrsgefährdung Sauftouren auf der Hase nerven Anwohner in Rieste

Von Ilona Ebenthal

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ieb Rieste. Die Anwohner am Plackenweg in Rieste haben Traumgrundstücke – riesengroß mit direktem Zugang zur Hase. Doch genau das ist jedes Jahr zur Bootssaison wieder ein ebenso großes Problem. In diesem Sommer ganz besonders. Denn die Anwohner leiden unter den Bootstouren auf der Hase.

„Es fehlt der Respekt“, bringt Renate Boving auf den Punkt, was sie und die ganze Familie den Sommer über erleben mussten. Bootsfahrer verrichten regelmäßig ihre Notdurft auf dem Grundstück, hinterlassen Müll, zertrampeln das Ufer und verscheuchen dabei die Tiere. Zudem werde oft die Straße, die eigentlich nur für „Anlieger frei“ ist, versperrt. Ein junger Mann habe sogar einmal ihrer Schwiegertochter „den blanken Hintern gezeigt“, als diese durchfahren wollte. Unbegreiflich war für Renate Boving auch, dass gleich zwei Busse den Plackenweg blockierten und der Lehrer dazu meinte, den Schülern sei die Überquerung der Straße von der gegenüberliegenden Bushaltebucht nicht zuzumuten.

Gefährliche Situationen

Nachbar Hermann Bruns kämpft bereits seit rund fünf Jahren wie gegen Windmühlen. Immer wieder hat er die Politik und die zuständigen Behörden auf Missstände rund um die Bootsfahrten aufmerksam gemacht. Er schickte E-Mails und Briefe an die Gemeinde Rieste, die Samtgemeinde, den Zweckverband Hasetal Touristik und an der Naturschutzbund (Nabu). Er beklagt unter anderem „Angetrunkene mit lautstarker Wummermusik“ und findet einfach, dass die großen Schlauchboote „auf der Hase nichts verloren“ haben. Sie seien „nicht lenkfähig“, beschädigten die Böschung und würden „von keiner verantwortlichen Person begleitet“. „Ein sinnvoller Naturschutz“ am „schönsten naturbelassenen Stück der Hase“ sieht der Riester nicht mehr gewährleistet. Für sehr gefährlich hält er auch die Verkehrssituation am Bootsanleger Weidehof, die ebenso wie der so betitelte „Sauftourismus“ bereits Thema im Riester Gemeinderat war. Dort war die Rede von schwarzen Schafen unter den Anbietern, denen im Zweifelsfall in Absprache mit der Samtgemeinde die Lizenz entzogen werden müsste.

Streuobstwiese

Rund einen Hektar hinter dem Wohnhaus entlang der Hase hat Familie Boving als kleines privates Naturschutzgebiet angelegt. Neben einem schmalen Weg stehen Schlehen-, Sanddorn- und Holunderbüsche. Eine Streuobstwiese dient hauptsächlich den Wildtieren als zusätzliche Nahrung. Eigentlich ein Paradies für die Natur. In diesem Jahr seien aber sogar die Wasservögel mit ihren Küken aus diesem Gebiet verschwunden, berichtet die Anliegerin.

Wildes Camping

Am Ufer sind verschiedene „Trampelpfade“ zu sehen, die von den Ausflügen der Bootstouristen auf dieses Areal zeugen. „Mit Gummistiefeln“ muss Heinz Boving immer wieder Unrat und Klopapier von der Wiese und aus dem Waldstück einsammeln. Selbst „wilde Camper“ mussten die Bovings hier immer wieder fortschicken. Einmal wurde sogar ein Feuer entzündet. Aufgestellte Verbotstafeln werden nicht beachtet oder sind verschwunden, sagte die Anwohnerin, die überhaupt nichts gegen Bootsfahrer hat, „die nur die Natur genießen wollen“.

Verhaltensregeln

Wilhelm Koormann vom Zweckverband Hasetal Touristik kennt das leidige Problem, ist sich aber sicher, dass sich 95 Prozent der Kunden der gewerblichen Anbieter, für die der Zweckverband zuständig ist, an die Spielregeln halten. Zwölf Verhaltensmaßnahmen sind auf der Homepage gelistet. In einer davon heißt es: „In der Natur haben sich alle Wasserwanderer jederzeit und in jeder Hinsicht vorbildlich zu verhalten, um Schäden an Ufern und Flussbetten, an Flora und Fauna zu vermeiden.“ Weil ein Anbieter das wohl nicht ganz so erst nehme, sei man „akut im Gespräch“. Die Boote der gewerblichen Anbieter seien übrigens gekennzeichnet, so Koormann, Verursacher könne man so identifizieren.

Lizenzentzug möglich

Die private Nutzung der Hase schätzt Wilhelm Koormann auf rund 50 Prozent. Einzige Handhabe hier sind die eingesetzten Haseranger, die an den Wochenenden patrouillieren, aber natürlich nicht überall sein können. Die Probleme mit den Wegen und der Parksituation am Bootsanleger Weidehof sieht Wilhelm Koormann durchaus. Er setzt auf weitere Gespräche auch mit den gewerblichen Anbietern, wobei er die Entziehung einer Lizenz nicht gänzlich ausschließen will. „Wir haben selber großes Interesse an Nachhaltigkeit und Naturnähe“, betont er. Er wolle „den Ast nicht abschneiden, auf dem wir sitzen“.

Biber in der Fotofalle

Jürgen Christiansen kennt als Leiter der Biologischen Station die Klagen der Naturschützer ebenfalls. Zur Brutzeit ans Ufer zu gehen, überall seinen Dreck zu hinterlassen und sogar zu grillen, „das geht gar nicht“, findet er und rät in diesem Fall kurzerhand, die Polizei zu schicken. „Das hilft schon“, denkt er. Dass auf dem naturbelassenen Grundstück hinter dem Wohnhaus Boving viele Tiere unterwegs waren, kann der Diplom-Biologe bestätigen. Vor drei Jahren hat er dort mittels Fotofalle sogar den Biber gefilmt – inklusive der rund 60 Zentimeter hohen Fraßspur am Baum. Nicht nur der ist inzwischen verschwunden.

Am Plackenweg tappte 2015 dieser Biber in eine Fotofalle. Inzwischen ist er verschwunden. Foto: Jürgen Christiansen

Die vielgenutzten uferseitigen „Eingänge“ seines Grundstücks unter altem Baumbestand hat Hermann Bruns zwischenzeitlich mit Ästen und Zweigen verbarrikadiert. Er wünscht sich die Zeit zurück, „wo Mitglieder von Kanuklubs ihr Können zeigten und die Natur wirklich schützten “. Während Heinz Boving vom „Bohren von ganz dicken Brettern“ spricht und die Hoffnung auf eine Lösung des Problems fast schon aufgegeben hat, will Hermann Bruns auf jeden Fall „dranbleiben“.


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