„2020 auf eigenen Beinen stehen“ Bersenbrück: Hase-Energie will weg von der Rhenag

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Website der Hase-Energie. Foto: Haseenergie.deWebsite der Hase-Energie. Foto: Haseenergie.de

Bersenbrück. Mit der Hase-Energie GmbH verdient die Samtgemeinde Bersenbrück Geld. Es gibt da aber ein Problem, mahnt seit langem Gerd Uphoff, CDU-Fraktionssprecher im Samtgemeinderat. Zur Lösung schlägt Bürgermeister Horst Baier nun eine „strategische Neuausrichtung“ vor.

Vergangenen Mittwoch beschäftigte sich der Ausschuss für Finanzen und Beteiligungen der Samtgemeinde unter anderem mit den Jahresbilanzen 2017 der Alfsee GmbH und der Hase-Energie GmbH. Für die Hase-Energie lag kein endgültiges Ergebnis vor, weil die Prüfungsgesellschaft PwC ihren Bericht noch nicht abgeschlossen hatte.

Die vorläufigen Zahlen sehen aber gut aus. Die Bilanzsumme sprang von 1,9 auf 7,9 Millionen Euro, weil die Hase-Energie eine Beteiligung am Riester Windpark erwarb. Den Kredit dafür tilgt sie ebenso wie den für ihren Anteil am Gehrder Windpark aus den Einnahmen. 2017 kassierte sie 99000 Euro aus Rieste, 63000 Euro aus Gehrde. Das Jahresergebnis der Hase-Energie liegt bei 174000 Euro, 32000 mehr als geplant.

Anfang 2013 schlug Bürgermeister Horst Baier vor, die Samtgemeinde möge „Gemeindewerke“ gründen. Viele Kommunen kauften ihre Stadtwerke von den Energieunternehmen zurück oder gründeten neue. Als flexibles Instrument für unterschiedliche Zwecke könnten Gemeindewerke auch einer Kommune von der Größenordnung der Samtgemeinde von Nutzen sein.

Strategische Allianz

Es folgte eine kontroverse Diskussion, in der das Baier stützende Bündnis aus SPD, Grünen und Wählergemeinschaften sich durchsetzte. Um ihr Ziel zu erreichen, schloss die Samtgemeinde eine komplizierte strategische Allianz: Die RWE verkaufte 90 Prozent ihres Gasleitungsnetzes in der Samtgemeinde an die Kommune. Die brachte t das Netz in die Hase-Netz GmbH & Co. KG ein. An der wiederum sind Hase-Energie und RWE beteiligt.

Für den Vertrieb von günstigen Strom- und Gasverträgen holte die Hase-Energie die RWE-Tochter Rhenag AG ins Boot. Mit einem agilen Jan Wojtun als Manager erschloss sie reihenweise Geschäftsfelder und übernahm Aufgaben für die Samtgemeinde: Sie baut und betreibt Photovoltaikanlagen und hat ein Modell entwickelt, mit dem Hausbesitzer solche Anlagen günstig finanzieren können. Sie vertreibt Satelliten-DSL und intelligente Systeme zum Energiesparen. Sie hält Beteiligungen an zwei Windparks und erledigt den kaufmännischen Teil der Geschäftsführung der Ankum-Bersenbrücker Eisenbahngesellschaft und der Hase-Wohnbau GmbH.

Manche Zweige laufen verhalten. Beim Satelliten-DSL warten die Nutzer zurzeit noch ab, was die Breitbandoffensive im Landkreis Osnabrück bringt, wieweit sie auch abgelegene Gebiete erschließen wird.

Andere Zweige laufen gut, erklärte Gerd Uphoff in der Ausschusssitzung am Mittwoch. Sorge bereite ihm aber das Geschäft mit Strom- und Gasverträgen, fügte der Steuerberater und CDU-Fraktionssprecher hinzu. Das trage sich, weil die Rhenag für die Anlaufzeit eine Kostenübernahme eingeräumt habe. Die laufe aber 2020 aus, die Hase-Energie könne mit ihren Personalkosten in die roten Zahlen geraten.

Horst Baier antwortete, was er bereits in einem als Sitzungsvorlage veröffentlichten Lagebericht formuliert hatte: Die Samtgemeinde müsse ihre Option zur Vertragsverlängerung 2020 zur Umgestaltung der Verträge nutzen. „Ziel ist, 2020 auf eigenen Beinen zu stehen“, sagte Jan Wojtun, der an der Sitzung teilnahm. Die Hase-Energie habe in zwei Jahren 1500 Kunden gewonnen. Mit der Rhenag und ihren mageren Provisionen komme sie aber nicht aus den roten Zahlen.


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