Verlegung am 17. September Ein Stolperstein in Rieste für Wilhelm Eckelmann

Von Ilona Ebenthal

Meine Nachrichten

Um das Thema Samtgemeinde Bersenbrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Rieste. Nach mehreren Jahren aufwendiger Recherche und intensiver Planung ist es in Kürze so weit: Der erste „Stolperstein“ zum Gedenken an Opfer der Nazi-Herrschaft wird in Rieste verlegt in Erinnerung an Wilhelm Eckelmann.

Die Initiatoren Jens Kotte und Thorben Hüdepohl trafen sich zwei Wochen vor der Aktion zu letzten Besprechungen mit den heutigen Eigentümern des Hauses, in dem der im KZ Sachsenhausen ermordete Wilhelm Eckelmann aufwuchs und lebte. Dessen Vater stammte aus Epe und heiratete auf den Hof Bockhorst, im Volksmund „Boks“ ein, wusste Kotte zu berichten. Angela Halbrügge und Ehemann Jürgen Bauer hatten das Haus in der Maschortstraße 1994 erworben. Dass hier einem früheren Bewohner „etwas Schlimmes passiert“ sei, wussten sie von einer älteren Dame, die leider verstarb, bevor sie die Geschichte erzählen konnte, bedauert Angela Halbrügge. In den Unterlagen, die sich noch auf dem Hof befanden, entdeckten sie auch ein Porträt des 1900 in Rieste geborenen Wilhelm Eckelmann, auf dessen Rückseite als Sterbeort Sachsenhausen verzeichnet war.

Vor anderthalb Jahren hatte sich dann Jens Kotte bei ihnen gemeldet, der bereits seit mehr als fünf Jahren die Geschichte des Riesters recherchierte. „Von dem Schicksal Wilhelm Eckelmanns erfuhr ich durch Anneliese Thesing-Forynski, da war ich ca. 15 Jahre alt“, erzählt der gebürtige Riester, der jetzt in Hamburg lebt. Die Geschichte ließ Kotte nicht mehr los. Neben Recherchen im Nachlass der Erben des Hofes, in Archiven und über Interviews mit Zeitzeugen konnte die Lebensgeschichte Eckelmanns zu großen Teilen rekonstruiert werden.

Vom Baden in der zugefrorenen Hase ist die Rede und davon, dass sich Wilhelm Eckelmann nach dem Tod des damaligen Frisörs ein Jahr lang nicht die Haare schneiden ließ. Er galt als Sonderling, der ungemein schlau war – er berichtigte offenbar regelmäßig Lexika – stand aber im Ruf eines „unwiesen Kerls“, so Kotte, was auf Plattdeutsch so viel wie „nicht zurechnungsfähig“ im Sinne von „kauzig“ stehe. In Quakenbrück habe Eckelmann das Abitur gemacht und offensichtlich neben Latein auch Französisch beherrscht. Er studierte vermutlich Landvermessung, brach dann aber sein Studium ab und war einige Jahre „auf Wanderschaft“. 1941 wurde er in das KZ Sachsenhausen deportiert und überlebte die gezielte „Vernichtung durch Arbeit“ im berüchtigten Klinkerwerk nur drei Monate lang.

„Das Leben und Schicksal des Wilhelm Eckelmann“, nennt Jens Kotte seinen Vortrag, bei dem Samstag, 15. September, um 19 Uhr die Zuhörer im Hotel Piazza am Alfsee viele interessante Details erfahren können. Außerdem werden Fotos, Urkunden und von Wilhelm Eckelmann selbst gefertigte Zeichnungen präsentiert. Zuvor spricht der Riester Thorben Hüdepohl, der die Stolperstein-Verlegung organisiert hat, zum Thema „Mit dem Kopf und dem Herzen stolpern“ über das Projekt und den Künstler Günter Demnig, der am Montag, 17. September, um 11.30 Uhr den ersten Riester Stolperstein für Wilhelm Eckelmann in der Maschortstraße 50 verlegen wird.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN