Beteiligungen der Samtgemeinde Bersenbrück: Nachdenken über Stromnetz und Bädergesellschaft

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Bersenbrück. Die „Tochtergesellschaften“ der Samtgemeinde Bersenbrück haben 2017 erfolgreich gewirtschaftet, sagt Samtgemeindebürgermeister Horst Baier. Er könnte sich auch eine Übernahme des Stromnetzes vorstellen und die Eingliederung der Bäder der Samtgemeinde in die Hase-Energie GmbH.

Herr Baier, die Samtgemeinde Bersenbrück hat mittlerweile sehr viele Unternehmen. Ist die öffentliche Hand auch ein guter Unternehmer?

Vor dem Hintergrund der positiven Entwicklung der Jahresergebnisse 2017 war die Samtgemeinde als Unternehmer sehr erfolgreich. Alle wichtigen Beteiligungen haben Überschüsse erwirtschaftet. Bei der Hase-Wohnbau sind wir noch in der Anlaufphase.

Warum muss eine Kommune Unternehmer spielen, können das Private nicht besser?

Wir verfolgen mit unseren Gesellschaften immer einen öffentlichen Zweck vor dem Hintergrund der Daseinsvorsorge. Die Alfsee GmbH hat maßgeblich zur Entwicklung des Tourismus beigetragen, die Hase-Energie leistet einen Beitrag zur Energiewende und die Hase-Wohnbau soll günstigen Wohnraum schaffen. Der Niedersachsenpark hat das Ziel Arbeitsplätze zu schaffen.

Mittlerweile sind viele Bereiche aus der Verwaltung ausgegliedert. Geht hier demokratische Kontrolle verloren?

Da mit wirtschaftlicher Betätigung immer Risiken verbunden sind, muss die Politik eng eingebunden werden. Dies geschieht durch die Aufsichtsräte, aber auch durch umfassende Entscheidungsbefugnisse der Politik. Unserem Finanzausschuss werden alle wichtigen Themen wie etwa Beteiligung an Gesellschaften, Jahresabschlüsse oder Wirtschaftspläne vorgelegt. Diese Transparenz gibt es in wenigen Gemeinden und Landkreisen.

Wie entwickelt sich die Hase-Energie? Erfüllen sich die Erwartungen?

Erstmalig in 2017 werden wir einen Gewinn ausweisen. Die Beteiligungen an der Netzgesellschaft und den Windparks machen viel Freude. Die Gewinnung von Kunden für Strom und Gas geht voran, wenn auch nicht so schnell wie gedacht. Hier zeigt sich auch wieder der öffentliche Zweck. Die meisten Haushalte haben nach wie vor überteuerte Tarife und werden durch unsere Aktivitäten angeregt, über einen Wechsel nachzudenken. Sehr gut läuft der Verkauf von Photovoltaikanlagen. Die Vermarktung von Breitband über Satellit ist eher verhalten, weil der Landkreis jetzt die Erschließung aller Haushalte unter 30 MB Leistung plant. Die Bürger realisieren aber gerade, dass hohe Breitbandleistungen auch teuer sind und denken darüber nach, ob sie im Moment diese Leistungen auch brauchen. Ich frage mich immer mehr, ob die riesigen Summen an Steuergeldern für den Ausbau bis in den letzten Winkel wirklich sinnvoll sind. Wir reden hier über rund 30000 Euro Anschlusskosten pro Haushalt. Mit der 5G-Technologie und leistungsstärkeren Satelliten für Breitband gibt es vielleicht bald günstigere Alternativen.

Die Alfsee hat letztes Jahr nur einen kleinen Überschluss erzielt. Ist das nicht etwas wenig?

Angesichts des Wetters in 2017 und der Umsatzrückgänge durch das Verbot des Wassersports ist das Ergebnis gut. Die Projekte Hotelbau, Wellness-Sauna und Germanenland entwickeln sich sehr positiv und werden in Zukunft die Verluste durch die Naturschutzsatzung ausgleichen. Dies haben wir vor allem dem Geschick und dem Engagement des Geschäftsführers Anton Harms zu verdanken.

Welchen Sinn macht die Beteiligung an der ABE?

Es ist sehr wichtig, über die ABE gute Verbindungen zur VOS Nord und Planos zu haben. Als Samtgemeinde benötigen wir zur Verbesserung des Nahverkehrs das Know-how der ABE und auch Gestaltungsmöglichkeiten aus eigener Kraft. Zudem kann die ABE wichtige Impulse für den Tourismus geben.

Sind noch weitere Beteiligungen geplant?

In Zukunft wäre die Übernahme des Stromnetzes noch eine rentable Investition. Aus steuerlichen Gründen und angesichts der hohen geplanten Investitionen macht auch eine Verlagerung der Bäder in Richtung Hase-Energie Sinn. Das Thema möchte ich in der nächsten Zeit mit der Politik diskutieren.


Jahresergebnisse der Beteiligungen der Samtgemeinde Bersenbrück 2017 (in Klammern die Prozentzahlen des Samtgemeindeanteils): Ankum-Bersenbrücker-Eisenbahn (34 Prozent) 13856 Euro; Niedersachsenpark (30 Prozent) 197769 Euro, Hase-Wohnbau (100Prozent) -3737 Euro; Windpark Gehrde (20 Prozent) 421778 Euro; Windenergie Rieste (15 Prozent) 431528 Euro; Hase-Netz (74,9 Prozent) 469201 Euro; Hase-Energie (100 Prozent) 174787 Euro; Alfsee (94,9 Prozent) 2053 Euro

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