„Wir stehen zu unserem Konzept“ Markthalle in Alfhausen: Geht die Rechnung auf?

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Die „alte Schule“, die auch schon als Gemeindebüro diente, will die Gemeinde Alfhausen umbauen zu Ferienwohnungen und einem kleinen Kulturzentrum. Die Markthallen-Genossenschaft will sich als Betreiber bewerben. Foto: Martin SchmitzDie „alte Schule“, die auch schon als Gemeindebüro diente, will die Gemeinde Alfhausen umbauen zu Ferienwohnungen und einem kleinen Kulturzentrum. Die Markthallen-Genossenschaft will sich als Betreiber bewerben. Foto: Martin Schmitz

Alfhausen. Es könnte schwierig werden, das Projekt „Markthalle“ so durchzuziehen, wie die Gemeinde Alfhausen es sich vorgestellt hat. Aus dem Ruder laufen wird es aber nicht, ist Bürgermeisterin Agnes Droste sicher. Schlimmstenfalls müsste die Gemeinde noch vor dem Baustart abbrechen.

Es klang sehr verheißungsvoll, als es vor zwei Jahren begann: Eine Initiativgruppe wollte eine Art Dorfladen schaffen, in dem man regionale Produkte kaufen kann, und der mit kleinen kulturellen Veranstaltungen vom Kochkurs aufwärts für eine Belebung des Dorfes sorgt. Daraus wurde die Genossenschaft „Alfhauser Dorf(er)leben“, die seit einiger Zeit einen kleinen Laden betreibt.

Parallel dazu gab es Überlegungen in der politischen Gemeinde, mithilfe der Initiative eine neue Nutzung für den alten Schulbau an der Schulstraße zu finden, der zeitweilig auch als Gemeindebüro gedient hatte. Die Genossenschaft sollte dort ihre „Markthalle“ einrichten, die sich auch als kleines Kulturzentrum nutzen ließ. Im Rest des Gebäudes sollten Ferienwohnungen eingerichtet werden, die der Betreiber der Markthalle mitbewirtschaften sollte.

Frist verlängern?

Die Idee kam in Hannover so gut an, dass Alfhausen eine Million Euro aus einem Dorferneuerungsprogramm zugesprochen bekam bei einem Eigenanteil von etwa 600000 Euro. Der Gemeinderat stimmte für das Projekt. Der Betrieb soll ausgeschrieben werden, die Genossenschaft kann sich darum bewerben.

Zum Jahresanfang äußerte Bürgermeisterin Agnes Droste Zweifel, ob sich angesichts der heißgelaufenen Baukonjunktur der Umbau zu den 2016 kalkulierten Preisen bezahlen lasse. Außerdem sei zweifelhaft, ob die Zeit reiche angesichts der knappen Kapazitäten der Baufirmen. Für die Fördergelder gelten nämlich Fristen. Wenn die Gemeinde sie bekommen will, muss sie den Bau bis zum Herbst nächsten Jahres komplett abrechnen. Droste kündigte Gespräche mit dem Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) in Oldenburg an, das für die Dorfentwicklungsprojekte zuständig ist.

Mittlerweile hat sich Alfhausens SPD mit einer Presseerklärung zu Wort gemeldet und fordert, die Gemeinde dürfe die Markthalle „nicht um jeden Preis“ bauen. Eine Überschreitung des gemeindlichen Kostenanteils von 600000 Euro würden die Sozialdemokraten nicht mittragen. Ferner vermisse die SPD ein deutliches Bekenntnis der Genossenschaft, als Betreiber einzusteigen.

Diese Absichtserklärung hat die Genossenschaft nach deutlichen Äußerungen in ihrer Generalversammlung auch in einem Gespräch mit Vertretern der Gemeinde und der Ratsfraktionen abgegeben. „Wir stehen zu unserem Konzept. Wir haben einen Businessplan und wollen ihn auch umsetzen,“ sagt Kalus Wübbolding, der als Bürgermeister das Markthallenprojekt eingefädelt hatte und nun als Aufsichtsratsvorsitzender für die Genossenschaft spricht.

Baubegleitender Ausschuss

SPD-Vorsitzender Siegfried Hüls kritisiert, in desem Gespräch sei auch von einem auf vier oder fünf Jahre befristeten Mietvertrag die Rede gewesen. Die Gemeinde sei aber zwölf Jahre an die Förderrichtlinien gebunden. Wenn sie das Projekt vorzeitig umwandele, müsse sie die Fördergelder komplett zurückzahlen.

Eine solche Befristung sieht Wübbolding als vorteilhaft für beide Seiten an. Der Genossenschaft gehe es darum, nach einer bestimmten Zeit zu schauen, ob ihr Konzept aufgehe oder sie es ändern müsse. Das wirtschaftliche Risiko für die Gemeinde sei gering.

Droste verweist darauf, dass die Wirtschaftlichkeitsberechnung für das Projekt auf Einnahmen aus den Ferienwohnungen beruht, nicht der Markthalle. Es würde dem Förderkonzept nicht widersprechen, die Ferienwohnungen bei Bedarf in dauerhafte Mietwohnungen zu verwandeln, habe das ArL signalisiert.

Weil auch andere Gemeinden mit der Förderfrist ihre Probleme hätten, arbeite das Amt gerade mit Hannover an einer Änderung der Richtlinie. Davon abgesehen, müsse Alfhausen einfach schauen, ob es mit einer Fristverlängerung und einer Deckelung der Baukosten hinkomme. Das Planungsbüro müsse sehr präzise arbeiten und die Kriterien berücksichtigen, die das ArL setze. Und ein baugleitender Ausschuss müsse her, der habe sich beim Bau des neuen Kindergartens bewährt. Einen Ausstieg aus dem Projekt und den Verkauf des Altbaus an einen Investor hält Droste für möglich, aber nicht wünschenswert: Bei der Markthalle ginge es auch darum, das Dorf zu beleben.


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