„Wir Kinder halten zusammen“ Zweiter Europatag der Samtgemeinde in Kettenkamp

Von Miriam Heidemann

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mihe Kettenkamp. Beim zweiten Europatag der Samtgemeinde Bersenbrück standen neben einer Diskussion mit Vertretern aus Politik und Kirche die Kinder im Fokus. Der Malwettbewerb der Kettenkamper Grundschüler zeigte, schon die jungen Schüler verbinden viel Positives mit Europa.

Beim zweiten Europatag der Samtgemeinde Bersenbrück stand neben einer Diskussion mit Vertretern aus Politik und Kirche die Kinder im Fokus. Der Malwettbewerb der Kettenkamper Grundschüler zeigte, schon die jungen Schüler verbinden viel Positives mit Europa.

Nach dem Auftakt in Alfhausen im vergangenen Jahr, richtete nun die Gemeinde Kettenkamp gemeinsam mit dem Verein „Brücken bauen“ den zweiten Europatag am vergangenen Samstag aus. Als Moderatoren führten Anita Lennartz und Zeljko Dragic bei sonnigem Wetter durch den Nachmittag auf dem Gelände Telgkamps Mühle in Kettenkamp. Im Mittelpunkt stand eine Diskussionsrunde mit dem Leitgedanken „Europa und die Kirche“. Den Fragen der Gäste und Besucher stellten sich Hans-Gert Pöttering, ehemaliger Präsident des Europäischen Parlaments, Landrat Michael Lübbersmann und Samtgemeindebürgermeister Horst Baier. Als kirchliche Vertreter der Samtgemeinde waren Pfarrer Ansgar Stolte von der katholischen Pfarreiengemeinschaft Ankum-Eggermühlen-Kettenkamp sowie Pastor Bernd Schreineke-von Clausewitz von der evangelischen Dorotheen-Kirchengemeinde Nortrup-Loxten zu Gast.

„Wir brauchen mehr Mut für Europa“, sagte Kettenkamps Bürgermeister Reinhard Wilke in seiner Begrüßungsrede. Nationalismus und Abschottung nährten sich auch durch unsere Mutlosigkeit. Die Freiheit und Demokratie unserer Gesellschaft seien schließlich keine Selbstverständlichkeit, sondern erkämpft von den Bürgern. „Unit Europe – vereinigtes Europa: es wird mehr gebraucht denn je“, appellierte Wilke mit Blick auf aktuelle Geschehnisse in der Weltpolitik wie Trump, Brexit, Flüchtlingskrise und Klimaschutz. Nur als vereintes Europa hätten wir die Möglichkeit etwas zu bewegen und zu verändern.

Brücken bauen gegen Fremdenfeindlichkeit

Vom Publikum während der Diskussionsrunde angesprochen wurde unter anderem die fehlende Aufnahmebereitschaft einiger EU-Staaten beim Flüchtlingszustrom. Dies zeige sich etwa bei der Ablehnung der italienischen Regierung, Flüchtlingsschiffe in den Häfen Ankern zu lassen. Wie Pfarrer Ansgar Stolte darauf erwiderte, sei die Flüchtlingsproblematik aber auch die Fremdenfeindlichkeit um die Geschehnisse in Chemnitz eine Frage der Angst. „Je weniger ich den Anderen kenne, desto größer die Angst“, so Stolte. Angst habe immer mit Nicht-Wissen zu tun, ergänzte Pastor Schreineke-von Clausewitz zustimmend. Diese könne nur überwunden werden, indem wir den Menschen in Augenhöhe begegneten und einander kennen lernten.

Als Möglichkeit das Fremde zu überwinden und miteinander „Brücken zu bauen“ kam die Diskussionsrunde auf das Thema Partnerschaften mit anderen Städten und Gemeinden in der EU. Der Landkreis Osnabrück habe etwa eine Partnerschaft mit dem Kreis Olsztyn (Allenstein) in Polen, wie Landrat Lübbersmann erklärte. Wichtig sei es, solche Partnerschaften zu pflegen. „Wenn wir in direkten Kontakt treten, dann ist der Fremde kein Fremder mehr“, so der Landrat.

Europa beginnt in Kettenkamp

Auch in der Samtgemeinde gebe es seit mehreren Jahren verschiedene Partnerschaften, die insbesondere von den Mitgliedsgemeinden getragen werden, wie Samtgemeindebürgermeister Horst Baier erinnerte. Hinzu komme auch die seit Kurzem existierende Verbindung zwischen der Samtgemeinde Bersenbrück und der Gemeinde Ruma in Serbien. Das Land ist noch mitten in den Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union. „Europa ist kein Selbstläufer und die Freundschaften müssen gepflegt, lebendig gehalten und mit nachwachsenden Generationen stetig erneuert werden“, so Baier. Das dies funktioniere, sehe man auch in den Partnerschaften der Mitgliedsgemeinden.

„Wir sind alle hier als Europäer und das ist auch das Gemeinsame, das uns verbindet. Europa beginnt hier“, sagte Pöttering in seinem Grußwort in Kettenkamp und stellte klar, dass die Europäische Gemeinschaft durch gemeinsame Werte verbunden ist. Aus dem Grundsatz „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ ergebe sich Freiheit, Frieden und die Rechtsordnung. Aber, wie Pöttering in der Diskussion um die Flüchtlingsproblematik klarstellte, mit der Bekundung dieses Wertes allein löse man nicht das Problem. Mit Blick auf die Flüchtlingsverteilung auf die EU-Länder appellierte er daran, einigen Ländern Zeit zu lassen.

„Negative Entwicklungen in einem Land sollten wir nicht als Beispiel für das ganze Land nehmen. Regierungen kommen und gehen“, so Pöttering über nationalistische Tendenzen in einzelnen EU-Ländern. „Wir brauchen Geduld miteinander. Aber wir brauchen auch einen klaren Standpunkt, wenn es Fehlentwicklungen gibt und diese zu benennen ist Aufgabe der Europäischen Kommission“, so der gebürtige Bersenbrücker und Europa-Politiker.

Malwettbewerb der Keding-Grundschule

Im Anschluss an die Diskussionsrunde konnten sich Gäste und Besucher auf ein Kaffee und Kuchenbuffet in Telgkamps Mühle freuen, das die katholische Landjugendbewegung organisiert hatte. Der zweite Teil des Nachmittags widmete sich der jüngeren Generation. Mit einem Malwettbewerb hatten die Schüler der Keding-Grundschule Kettenkamp das Thema „Europa ist für mich…“ in Bildern künstlerisch festgehalten. Die Ergebnisse waren am Samstag ebenfalls zu begutachten. Die Prämierung der Bilder lockte noch einmal zahlreiche Eltern und Familien an.

„Kinder halten zusammen – egal welche Hautfarbe“, heißt es auf einem der Bilder. Die Kinder ließen sich einiges einfallen. Ob Flaggen unterschiedlicher EU-Mitgliedsstaaten, besondere Sehenswürdigkeiten oder Assoziationen mit dem Wort „Frieden“: Die 85 Schüler der vier Jahrgangsstufen brachten ihre Ideen und Vorstellungen zu Papier. Die besten drei Bilder jeder Klasse wurden prämiert. Der Förderverein der Keding-Grundschule stiftete die Preise in Form von verschiedenen Freizeit-Gutscheinen. „Unsere Kinder tragen Europa schon im Herzen“, meinte CDU-Europaabgeordneter Jens Gieseke, der aus terminlichen Gründen erst zur Prämierung der Bilder in Kettenkamp anwesend sein konnte. Bei sonnigem Wetter klang der Nachmittag in gemütlichem Zusammensein aus.


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