Verkehr macht Krekenkamper „rappelig“ Lkw umgehen Straßenbaustelle in Bersenbrück durch Siedlungsstraße

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Bersenbrück Eigentlich ist der Krekenkamp eine beschauliche Wohnstraße in Bersenbrück. Seitdem jedoch die Bundesstraße 214 (Ankumer Straße) östlich der Bahnlinie wegen Bauarbeiten gesperrt ist, ist es mit der Ruhe im Krekenkamp vorbei. Ein Ortstermin.

Mittwochnachmittag, 15.30 Uhr. Ein lauschiges Plätzchen haben Yvonne und Heiner Rolfes in der Einfahrt ihres Hauses hergerichtet. In einem Gartenpavillon stehen Tische und Stühle, die Gäste werden mit Kaffee und Keksen bewirtet. Beinahe gemütlich, wenn da nicht die ständig vorbeifahrenden Autos und Lieferwagen wären.

Samtgemeindebürgermeister Horst Baier, Stadtbürgermeister Christian Klütsch, Manfred Krusche, SPD-Fraktionschef im Stadtrat, und Andreas Schulte, Fachbereichsleiter Ordnung, Bürgerservice und Soziales in der Samtgemeindeverwaltung, sind gekommen, um sich mit den genervten Anwohnern der beliebten Schleichwegstrecke zu unterhalten und sich selbst ein Bild von der Lage zu machen.

„Heute ist das noch verkehrsberuhigt“, bewertet Yvonne Rolfes das Verkehrsaufkommen als eher mäßig. Am schlimmsten sei es vormittags und abends, wenn der Berufsverkehr durch Feldmühlenweg und Krekenkamp rollt, um die Baustelle auf der B214 durch den Feldmühlenweg und den Krekenkamp auf kürzestem Weg zu umfahren.

Die wenigsten der vorbeifahrenden Autos haben ein OS- oder BSB-Kennzeichen. 85 Prozent kämen aus Vechta, haben die Anwohner beobachtet. Heiner Rolfes reicht eine Mappe mit Fotos und Aufzeichnungen herum. Er hat genau dokumentiert, was seine Nachbarn und er seit der Sperrung der Bundesstraße erleiden müssen. Entstanden ist eine stattliche Sammlung mit Fotos vorbeifahrender Lkw und Kennzeichen. Auch die vorbeifahrenden Autos hat er mal eines Nachmittags gezählt. Mehr als 250 waren es in 90 Minuten.

„Lkw gehören hier nicht durch“

Die Gäste aus dem Rathaus blättern interessiert durch die Unterlagen, während die Anwohner berichten. „Mit den Lkw geht es nachts um kurz nach 4 Uhr los“, erzählt Yvonne Rolfes. Letztens habe sie ein Brummi schon um 1.30 Uhr geweckt. „Wir schlafen zur Straßenseite“, sagt Heiner Rolfes. Das Licht vom vorbeifahrenden Verkehr fällt ins Schlafzimmer. „Dass man da rappelig wird, ist klar“, wirbt er bei den Gästen um Verständnis, dass die Krekenkamp-Bewohner vehement Besserung fordern.

„Die Einschnitte, die ihr zu erleiden habt, sind sehr extrem. Gerade Lkw gehören hier nicht durch“, hat Christian Klütsch erkannt und erntet ein zustimmendes Nicken von Allen in der Kaffeerunde. Wann denn der erste Bauabschnitt fertig sei, wollen die Anwohner wissen. Der Bürgermeister will sich nicht zu weit aus dem Fenster wagen. Anvisiert sei Mitte September, ob der Termin zu halten sei, wolle er bei der Baufirma erfragen, verspricht Klütsch. Die Krekenkamper drücken fest die Daumen, dass die Bauarbeiter schnell fertig werden. Denn wenn die Ankumer Straße westlich der Bahnstrecke aufgerissen wird, kehrt in ihrer Straße wieder Ruhe ein, weil sie als Ausweichstrecke ausgedient hat.

Schäden an Straße und Gehwegen

Wenn es so weit ist, sollen die durch den Umleitungsverkehr entstanden Schäden an Straße und Gehwegen repariert werden, sind sich Klütsch und Baier einig. Heiner Rolfes berichtet von klappernden Gullideckeln, losen Gehwegrandsteinen und Absackungen im Bürgersteig. Dort nutzen die Autos gerne mal den Gehweg, um eine Engstelle auf der Fahrbahn so zu passieren, dass auch der Gegenverkehr nicht warten muss. „Wir machen eine Straßenkontrolle, wenn es vorbei ist“, schlägt Horst Baier vor.

Bis dahin tun die Bewohner des Krekenkampes weiter einiges dafür, dass die Lieferwagen und Lkw einen Bogen um ihre Straße machen. Yvonne und Heiner Rolfes haben etliche Firmen angemailt oder angerufen, um darauf hinzuweisen, dass die Fahrer doch die ausgewiesene Umleitung nutzen sollen. Auch auf der Straße sprechen die Anwohner Lkw- und Autofahrer direkt an. „Zum Teil wird man auch noch angepöbelt“, schimpft eine Anwohnerin. Das Kinderspielzeug, das die Anwohner an die Straße gestellt haben, um die Fahrzeuglenker dazu animieren, den Fuß vom Gas zu nehmen, haben die Lkw kaputt gefahren.

Durchfahrende fotografieren?

Auch Polizei und Verwaltung arbeiten weiter daran, den Schwerlastverkehr so gut wie möglich aus der Wohnstraße herauszuhalten. So ist die Umleitungsausschilderung geändert worden. Detlev Laumeyer, stellvertretender Leiter Einsatz- und Streifendienst beim Polizeikommissariat Bersenbrück, hatte angeregt, dass der Lieferverkehr für die im Feldmühlenweg ansässigen Firmen ausschließlich über die westliche Ankumer Straße erfolgen soll und nicht mehr durch den Krekenkamp. Außerdem solle direkt an der westlichen Einfahrt zum Krekenkamp ein „Durchfahrt verboten“-Schild mit dem Zusatz „Anlieger frei“ aufgestellt werden.

Polizei sprach nur Verwarnungen aus

Wie die Anwohner berichten, habe die Polizei zuletzt verstärkt Präsenz gezeigt, bislang aber nur Verwarnungen ausgesprochen. Möglicherweise sind demnächst Bußgelder fällig. „Wenn die ersten Lkw-Fahrer richtig zahlen müssen, spricht sich das schnell rum“, ist sich Klütsch sicher. Heiner Rolfes hat sich bereits bei der Polizei erkundet, ob die Anwohner die durchfahrenden Lkw und Auto fotografieren dürfen und selbst die Verkehrssünder bei der Polizei melden dürfen. „Wir können die Fahrer auch anzeigen“, sagt er.

„Wir können die Leute nicht zwingen, die Umleitung zu nutzen“, sagt Andreas Schulte, der vorschlägt, eine Geschwindigkeitsmesstafel aufzubauen. Das Gerät, das die gefahrene Geschwindigkeit anzeigt und vorbildliches oder zu schnelles Fahren mit einem grünen oder roten Smiley kommentiert, kann auch Verkehrsdaten speichern. So lässt sich auswerten, wie schnell und aus welcher Richtung wie viele Fahrzeuge den Krekenkamp passiert haben.

Eine gute Idee, finden die Anwohner, die froh sind, dass etwas getan wird, um ihre Situation zu verbessern. Und sie freuen sich, dass die Gäste aus den Rathäusern ein offenes Ohr für sie hatten.


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