„Bei uns kann jeder reinkommen“ Besuch bei der Sommerparty der Free Eagles in Ankum

Von Bjoern Thienenkamp

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Die Free Eagles Artland sind am Kreisverkehr in Ankums Ortskern deutlich sichtbar, etwa bei ihrer Sommerparty am Samstag. Der Eindruck, sie wollten unter sich bleiben, täuscht. Foto: Björn ThienenkampDie Free Eagles Artland sind am Kreisverkehr in Ankums Ortskern deutlich sichtbar, etwa bei ihrer Sommerparty am Samstag. Der Eindruck, sie wollten unter sich bleiben, täuscht. Foto: Björn Thienenkamp

Ankum. Wenn sie sich treffen, fallen sie auf. Nicht nur, weil ihr Clubhaus genau am Kreisverkehr in Ankums Ortskern an der Bundesstraße 214 liegt, sondern auch, weil sie irgendwie gefährlich aussehen. Die Sommerparty der Free Eagles Artland erlaubte einen Blick auf den Motorcycle Club.

Kräftige Kerle tummeln sich vor dem Gebäude an der Lingener Straße. Sie tragen Bärte und schwarze Lederklamotten, haben Tätowierungen und einen Totenschädel im Aufnäher. Drumherum parken markante Motorräder der Marke Harley-Davidson. Drinnen ist eine urige Kneipe mit Theke, Stehtischen und Sitzecken, eingerichtet mit der Liebe zum Detail, oben sind der Versammlungsraum und der Schlafsaal. Jede Menge Ankumer waren da schon einmal drin – als es noch der Raiffeisenmarkt war.

Jetzt sind die Motorradfreunde eher unter ihresgleichen. Abgrenzen wollen sich die martialisch wirkenden Männer der Free Eagles Artland aber nicht. Eigentlich sei ihr Motorcycle Club nichts anderes als andere Vereine auch, vermitteln President Hendrik und Sergeant Michael im Gespräch. „Bei uns kann jeder reinkommen“, stellt Hendrik klar.

Vor sieben Jahren wurde das Chapter Artland als 13. Regionalverband gegründet und nutzt seitdem das Clubhaus. „Hier haben wir etwas Passendes gefunden, wo wir die Leute auch lassen können“, freut sich Michael. Weder wolle man sich demonstrativ zeigen, doch genauso wenig wolle man sich im Industriegebiet verstecken. „Die Leute, die vorbeikommen, können einfach mal reinkommen, wir wollen keine Angst machen, das Volk ist aber klischeebedingt verängstigt“, weiß er.

„Das ist eine Lebensentscheidung“

„Wir sind keine Wochenendrocker, die nur am Wochenende mit der Lederkutte herumlaufen und in der Woche nicht“, erklärt Hendrik. „Das ist eine Lebensentscheidung, sein Leben so zu führen“, ergänzt Michael. „Das Abgrenzen ist schon bewusst, aber wir sind nicht böse, auch wenn es so aussieht“, sagt er.

„Das ist eine Gemeinschaft, wie auch Fußballfans das Symbol des Vereins tragen“, erklärt der Sergeant. „Gerade beim Fußball gibt es einerseits den Vater, der mit seinem Sohn eine Bratwurst isst, andererseits den Hooligan“, vergleicht er und stellt klar: „Jeder, der hierhin kommt, hat nichts zu befürchten, wenn man sich einfach benehmen kann.“

Immer am zweiten August-Wochenende sei die Sommerparty angesagt, im Februar gebe es stets die Inventurparty und immer mittwochs sei Clubabend. „Freitags haben wir offene Abende, die der Öffentlichkeit zugänglich sind“, erklärt Michael, der als Sergeant zum Vorstand gehört. „Zuständig bin ich für Ordnung, Disziplin, Aufsicht, löse Konflikte oder greife ein, wir wollen gegenseitigen Respekt – diese Aufgabe hat auch jeder Wirt“, erklärt der 55-Jährige. „Wir wollen kein Theater“, ist das auch Hendrik wichtig.

„E. F. F. E.“ bedeutet: „Eagles forever – forever Eagles“

Im Vorstand gebe es dann noch den Secretary für Organisation, E-Mails und Internet sowie den Roadcaptain für die Touren ins Ausland zu befreundeten Clubs, etwa nach Lettland, Norwegen, Serbien oder zum Pfingsttreffen.

„Wir besuchen uns gegenseitig“, sagt Hendrik über den Zusammenhalt der verschiedenen Clubs. „Viele kommen her, auch mit Schlafsack, denn wir geben unseren Gästen die Möglichkeit, hier zu übernachten“, schildert der 37-Jährige. „Die können nicht mal eben nach Hause fahren“, sagt er über die Gäste aus Pforzheim. „Das zieht sich von Wilhelmshaven bis Neuss, ist regional schon ein großes Gebiet“, ergänzt Michael alleine über die Free Eagles, von den Besuchern aus Belgien einmal ganz abgesehen.

So eben Mitglied werden kann man übrigens nicht. „Alle Member fahren Harley – das ist auch ganz selten geworden“, nennt Hendrik eine Grundvoraussetzung. Das Abzeichen auf der Jacke dürfe erst tragen, wer nach zwei Jahren Member werde, also volles Mitglied – bis dahin sei man Hangaround oder Prospect. Bleibt die Frage, was das vielfach lesbare „E. F. F. E.“ bedeutet. „Eagles forever – forever Eagles“, antwortet Michael.


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