Kurs „Grundbildung für Geflüchtete“ Job-Chance für acht Flüchtlinge bei Adidas in Rieste

Von Marcus Alwes


Rieste. Strahlende Gesichter bei allen Beteiligten im Adidas-Logistikzentrum im Niedersachsenpark. Nach sechs Monaten Unterricht ging für acht Männer der Kurs „Grundbildung für Geflüchtete“ erfolgreich zu Ende. Sie erhielten ihre Urkunden und können im Unternehmen bleiben.

Die pädagogischen Fachkräfte Marget Baumann und Wiebke Kummetz hatten im Auftrag des Bildungswerks der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW), der kommunalen Arbeitsvermittlung Maßarbeit und des Sportartikelgiganten Adidas ein halbes Jahr lang Woche für Woche ganze Arbeit geleistet. Sie vermittelten den Flüchtlingen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak in Gruppen-, aber auch Einzelschulungen eine allgemeine Sprachförderung in Deutsch, sie führten in die alltäglichen Fachbegriffe von Lagers und Logistik sowie eines entsprechenden Zentrums ein, schulten das Rechnen, sorgten aber auch für eine allgemeine Grundausbildung über das Leben im Osnabrücker Land sowie für eine sozialpädagogische Begleitung.

Zweimal pro Woche zum Unterricht

Zehn Männer, die inzwischen – zum größten Teil mit ihren Familien – in Quakenbrück, Merzen, Bersenbrück oder auch Bramsche leben, hatten in den Adidas-Räumen in Rieste den Kurs „Grundbildung für Geflüchtete“ im Februar aufgenommen. Acht von ihnen kamen jetzt ins Ziel, während sich für zwei von ihnen zwischenzeitlich andere Perspektiven ergeben hatten.

Zweimal wöchentlich nahmen die Absolventen an dem Unterricht teil. Zusätzlich zur normalen Arbeit – einer 37,5-Stunden-Woche – im Drei-Schicht-System im Adidas-Werk. Teilweise auch spät am Abend, wenn anschließend noch nachts die Pflicht im Job rief. „Spracherwerb in Verbindung mit dem betrieblichen Alltag ist besonders effektiv und wirkt sich positiv auf die Integration in den Arbeitsmarkt aus“, stellte Annegret Aulbert-Siepelmeyer, Koordinatorin für Grundbildung und Alphabetisierung beim BNW, nun bei der Übergabe der Urkunden fest.

Sie schaute dabei in viele glückliche und stolze Gesichter. „Unser großer Dank geht an unsere Kollegen, und unser Dank geht an die Sprachlehrerinnen“, sagte Hussni Alhallak quasi stellvertretend für die acht Kursschüler. Es erfülle sie mit Freude, weiter bei Adidas in Rieste in der Lagerlogistik arbeiten zu können, machten alle deutlich – künftig dann in einer 40-Stunden-Woche.

Personalabteilung lobt: „Es war eine tolle Zeit“

„Eine Arbeitsvermittlung endet nicht mit der Unterschrift unter einem Arbeitsvertrag. Unternehmen brauchen gerade beim Thema Sprachförderung am Arbeitsplatz Unterstützung“, ließen Sabine Ostendorf und Michael Kelka von der Maßarbeit des Landkreises Osnabrück wissen. „Projekte wie ,Grundbildung für Geflüchtete‘ sind unserer Erfahrung nach dazu gut geeignet“, übermittelte Adidas-Personalmanager Björn Knabke von einer Dienstreise. Er ist überzeugt: „Die Fortschritte unserer Mitarbeiter wirken sich unmittelbar positiv auf den Betriebsalltag aus. Die Kommunikation funktioniert reibungsloser, und Arbeitsprozesse werden optimiert.“

Seine Kollegin aus der Personalabteilung, Andrea Hedemann („Es war eine tolle Zeit. Ihr bleibt uns erhalten, das ist prima“) drückte unterdessen den Flüchtlingen während der Urkundenübergabe ihre Anerkennung aus. Die BNW-Koordinatorin fügte hinzu, dass der Kurs „gar nicht so einfach gewesen“ sei. Die einzelnen Teilnehmer seien mit „sehr unterschiedlichen Voraussetzungen“ in den Unterricht eingestiegen, hätten aber alle über die gesamte Zeit „sehr gut mitgearbeitet“.

Das Projekt „Grundbildung für Geflüchtete“ wurde übrigens im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur in Kooperation mit der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung Hannover ins Leben gerufen – und wird bis 2019 weitergeführt.


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