Kino und mehr Sommerflimmern im Alfhauser Kirchpark mit 350 Gästen

Von Margarete Hartbecke


Alfhausen. Im vergangenen Jahr noch von Wetterkapriolen gezeichnet, war das Sommerflimmern-Kino im Alfhauser Kirchpark an diesem Wochenende rundum zufriedenstellend. Mit mehr als 350 Besuchern aus dem Ort und der Umgebung freuten sich sowohl Franz Huchtkemper vom Kirchenvorstand und Bürgermeisterin Agnes Droste als auch Petra Gieseke vom Landschaftsverband Osnabrücker Land als Veranstalter über diesen Erfolg.

Zum Kinofilm beim Sommerflimmern gehört stets ein interessantes, ansprechendes Rahmenprogramm. Das bot die Kirchengemeinde mit Führungen durch die Kirche und Besichtigung des Kirchturms an. Diakon Roland Wille erläuterte geistreich und kurzweilig die Entwicklung des Kirchengebäudes. Er verwies auf das über einen Meter dicke Mauerwerk unter dem Turm als ältestem Teil der Kirche und erklärte, dass er ursprünglich als Wehrturm gedacht gewesen sei gegen das Böse. Die Kirche sei geostet, Altar und Taufbecken seien zur aufgehenden Sonne und zum Licht hin ausgerichtet. Mit zunehmender Bevölkerungszahl sei das Gebäude stets in diese Himmelsrichtung erweitert worden. Über die Jahrhunderte seien dann romanische, gotische und neugotische Stilelemente eingeflossen. Er wies darauf hin, dass die Strahlenmadonna doppelseitig und damit etwas Besonderes in der Umgebung sei und dass auf der Vorderseite des Altars Reliquien von Papst Pius X. in einem Bronzeornament untergebracht seien. Am Taufstein aus dem 13. Jahrhundert überlege er so manches Mal, wie viele Rittersleut, Bauern und andere Alfhauser hier schon getauft worden seien.

Sicht bis zum Ibbenbürener Kraftwerk

Während zwei Bramscher Frauen noch rätselten, ob die zehn abgebildeten Köpfe am Taufstein tatsächlich Apostel darstellen sollten und Judas als Elfter fehle, nutzten viele andere Besucher den Aufstieg zur Kirchturmspitze. Immer enger wurde es im obersten Teil, der aufgrund des Einbaus von D-2-Technik vor einigen Jahren zum Glück nun mit stabilen Metalltreppen ausgestattet ist. Wer oben angekommen war, wurde mit bester Aussicht belohnt: Blicke von oben auf den Ortskern sowie Sicht bis zum Ibbenbürener Kraftwerk oder bis zum Hühnerfutterturm am Kanal in Engter-Schleptrup entschädigten für die Wartezeit.

Und unten trafen immer mehr Leute ein und nahmen Platz auf den Klappstühlen, die im Kirchpark neben alten Grabsteinen und Kreuzen aufgestellt waren. Maria Ahlert hatte Zettel mit Liedtexten verteilt und stimmte gut gelaunt ein bei Mamma Mia und Satisfaction, bei 99 Luftballons oder Country Road. Viele der Gäste sangen mit. Andere plauderten oder besuchten den Imbiss vom Chor Con Brio oder den Stand vom Jugendclub. Sozialarbeiter Roman Keller hatte mehrere Jugendliche mitgebracht, die Popcorn und alkoholfreie Getränke anboten und sich auch sonst nützlich machten.

Eine rührende Geschichte

Mit dem Sonnenuntergang begann dann der Film: Lion – Der lange Weg nach Hause. Er erzählt die Geschichte des fünfjährigen Saroo in Indien, der seinen Bruder mit der Bahn begleitet, ihn auf dem Bahnhof verliert und in einem leeren Zug einschläft. Nach zwei Tagen landet er in Kalkutta, weiß weder seinen richtigen Namen noch seinen Geburtsort und wird nach einem Waisenhausaufenthalt von einem australischen Paar adoptiert und liebevoll aufgezogen. Hier fühlt er sich wohl, bis er als Erwachsener die indische Süßigkeit Jalebi probiert, die ihn an seine Kindheit erinnert. Nach qualvoll langer Zeit findet er über Google Earth sein Heimatdorf, reist dorthin und trifft seine Mutter und Schwester wieder. Hier erfährt er auch, dass er eigentlich Sheru (Löwe) heißt, was er als Kind aber nicht aussprechen konnte.

Während diesmal das Licht aus den bunten Sakristeifenstern herausscheint und die Besucher ihre Klappstühle wegbringen, ist für viele klar, dass so eine Veranstaltung gerne wiederholt werden darf und dass der Kirchpark dafür ein geeigneter, stimmungsvoller Ort ist.


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