Hase wurde Badegewässer So tropisch war noch kein Reggae-Jam-Festival

Von Reinhard Fanslau und Martin Schmitz


Bersenbrück. Tropentage und vor allem Tropennächte in einer norddeutschen Kleinstadt: Kein Reggae-Jam-Festival dürfte seinen Vorbildern auf Jamaika so nahe gekommen sein wie das 25., das am Sonntag in Bersenbrück zu Ende ging. Für Stress sorgte ein großer Ast.

Der war am Freitagabend aus einem Baum im Stadtwald Hemke gebrochen und verfehlte knapp eine Fußgängerin. Die Organisatoren sperrten sofort die Wege durch den Wald, die Campingplätze und Bühnen verbinden. Dann kippte auch noch ein Baum in die Hase, der aber wohl unterspült gewesen sein dürfte, er wurzelte in der Uferlinie der Hase.

Anderntags sichtete ein Förster kritisch den Stadtwald und auch die Bäume im Klosterpark, wo vor drei Jahren ein ähnlicher Vorfall während eines Sturms zu einer stundenlangen Unterbrechung des Festivals führte. THW und DLRG bargen den umgekippten Baum aus der Hase. Die Feuerwehr schaffte eine Drehleiter heran, mit deren Hilfe sie abgestorbene Äste aus den Baumkronen schnitt. Mit einer Stunde Verspätung startete dann das Festival in den Samstag.

Ansonsten bescheinigen Polizei und Rettungskräfte der Reggae Jam einen friedlichen Verlauf. Die Polizei hatte mit Drogenhunden Anreisende kontrolliert und ist dabei 40mal fündig geworden, ein eher durchschnittlicher Wert für ein Festival mit 15- bis 20000 Besuchern aus einer Szene, die für ihre Vorliebe für Cannabis bekannt ist. Die Polizeireiterstaffel achtete auf die Einhaltung des Grill- und Rauchverbots. Die Feuerwehr meldet, dass die befürchteten Flächenbrände weitgehend ausblieben. Eine Gaskartusche explodierte, verletzte aber niemanden.

Der Hitze wegen hatten die Santäter des Deutschen Roten Kreuzes „ein bisschen mehr zu tun als üblich“, sagt ihr Leiter Lars Kreie. Oft ging es um Kreislaufprobleme oder Schnittverletzungen.

Das Freibad war übervölkert, und die einen halben Kilometer lange Haseschleife um die Campingplätze verwandelten die Besucher in ein belebtes Badegewässer.

Die Reggae Jam brachte zum ersten Mal einen außergewöhnlichen Kunstgenuss nach Deutschland, 60 Plakatentwürfe aus dem aktuellen International Reggae Poster Contest.

Musikalisch stellte das Festival wieder einmal einen sehr bunten Strauß zusammen: Dancehall-Star Konshens war die Überraschung des Freitags, bevor Andrew Tosch mit dem Repertoire seines berühmten Vater Peter Tosh auf die Bühne ging. Am Samstag verzauberte Klub Kartell das Publikum, ein Zusammenschluss vier gestandener Solosänger. Wenn Ganjaman, Sebastian Sturm, Jahcoustix und Dellé, Frontmann der Band Seed, zusammen ihre Stimme erheben, schaffen sie damit einen neuartigen Klang. Der wiederum verleiht er ihren bekannten Songs neuen Reiz.

Ein früher erster Höhepunkt der Samstagshow war Macka B. Der seit Mitte der Achtzigerjahre erfolgreiche britische Reggaekünstler war auch einer der begehrtesten Interview- und Selfie-Wunschpartner. „Das mache ich aber gerne, denn so kann ich meine Botschaft herüberbringen. Die lautet: Macht eure Augen auf und seht, was ihr tun könnt, damit diese Welt friedlicher wird“, sagte der 52-Jährige in einem Interview für einen Radiosender.

In der Riege der Altstars tat sich am Samstag Leroy Sibbles hervor, einst Sänger der Heptones. Auch mit 69 Jahren verfügt er über eine kräftige Stimme und liefert eine grandiose Bühnenshow ab.

Skara Mucci, Vertreter einer jüngeren Künstlergeneration, legte danach noch eins drauf. Ilbilly Hitec würzen ihren sehr tanzbaren Reggae mit Hiphop-Elementen.

Auch der Sonntag brachte noch reichlich musikalische Abwechslung und Zerstreuung, bevor zum Ausklang der Reggae Jam Johnny Osbourne die Hauptbühne im Klosterpark betrat.


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