Hauptsache dem Vogel geht es gut Falkner Dirk Tepe aus Alfhausen hilft im Notfall

Von Ilona Ebenthal


Alfhausen/Rieste. Der Anruf kommt am Sonntagnachmittag. Ein verwaister junger Greifvogel ist in Rieste aufgefunden worden. Falkner Dirk Tepe macht sich sofort auf den Weg. Wir begleiten den Vogelexperten bei der Tierrettung.

Unter einem Carport hat der junge Mäusebussard bereits seit ein paar Stunden Zuflucht gesucht. Dirk Tepe zieht seine Arbeitshandschuhe an und fängt das Tier problemlos mit einem Kescher ein. Er betastet dessen Brustkorb und stellt fest, dass der Bussard voll durchgefiedert, aber stark unterernährt und dehydriert ist. Er nimmt ihn mit zu seinem Haus in Thiene, wo er ihn mit Wasser und Nahrung versorgt. Hier im Außenbereich von Alfhausen ist ein idealer Standort für den Falkner, der zwei Greifvögel und drei Frettchen besitzt. „Mehr geht nicht, wenn man berufstätig ist“, sagt er, denn man müsse den Tieren „Möglichkeiten bieten“ und zwar bei Tageslicht. Der 46-Jährige hat vor rund 27 Jahren die Jagdprüfung abgelegt, die Grundvoraussetzung für die Weiterbildung zum Falkner ist. Als er einen Freund begleitete, der als Urlaubsvertretung Greifvögel fütterte und pflegte, sei er „infiziert worden“.

Mentor dringend erforderlich

Vor acht Jahren legte Dirk Tepe beim DFO (Deutscher Falkenorden e.V.) die Falknerprüfung ab und übernahm seinen ersten Vogel von einem erfahrenen Falkner. „Wer sich den ersten eigenen Vogel anschafft, braucht einen Mentor“, sagt Dirk Tepe mit Überzeugung. Im Kurs lerne man ganz viel Theorie, aber es brauche zu Anfang jemanden, „der aufpasst“. Denn „Hauptsache, dem Vogel geht es gut“, betont der Experte. Erst später gehe es um den Erfolg bei der Jagd auf Kaninchen und Krähen. Denn wo Jäger keine Schusswaffe einsetzen dürfen, zum Beispiel in Parks oder auf Friedhöfen, sei die Jagd mit Greifvögeln und Frettchen erforderlich.

In der Mauserzeit

Viel Fressen müssten die Vögel jetzt, berichtet Dirk Tepe. Damit der Federwechsel klappt, denn es sei gerade Mauserzeit. Unter einem Abdach sitzt ein junger Rotschwanzbussard, einer der häufigsten in den USA vorkommenden Greifvögel, so wie bei uns der Mäusebussard. Mit diesem Tier will der Fachmann demnächst mit dem Training beginnen. Da könne es durchaus mal eine Schramme für den Falkner geben, wenn das Jungtier zum Beispiel im Nacken statt auf dem Arm lande, erfahren wir.

Besuch vom Nachbarshund

Etwas weiter auf einer mit Schnüren gepolsterten Stange sitzt völlig entspannt ein Weibchen des Wüstenbussards, ein Harrishawk. Plötzlich steht ein Border Collie auf dem Rasen. Der Bussard schaut ungerührt und nur ganz kurz in die Richtung des Nachbarhundes, den er als nicht bedrohlich kennt. Dirk Tepe freut sich über Besuche des Hundes. So bleiben Füchse dem Grundstück fern, weiß er. Kein Problem mit den Greifvögeln haben die Gartenvögel. Von der Taube bis zum Singvogel – die Nähe wird nicht gescheut und auch kein Alarm geschlagen. Im Gegenteil. „Die Bachstelze trinkt aus den Wasserschalen“, erzählt der Falkner. Die Nähe von fremden Hunden dagegen, mache seine Greifvögel durchaus unruhig, denn in den USA sei der Kojote ein natürlicher Feind. Dirk Tepe klinkt das Seil am Fuß des Harrishawk-Weibchens aus und setzt den immer noch entspannt wirkenden Vogel auf seinen Arm. Sie habe „jetzt ein klasse Temperament“ und viel Erfahrung, sei aber „als Jungvogel sehr zickig“ gewesen. Jede Rasse und jedes Tier sei anders, weiß der Fachmann. Für die Zucht werde er den Wüstenbussard übrigens bald an den Züchter zurückgeben.

Verspielte Frettchen

Dirk Tepe präsentiert auch seine drei Frettchen. Zwei weiße und ein braunes Tier springen munter am Stallgitter hoch, bevor die Tür geöffnet wird. Auf dem Arm ist Streicheln und Spielen angesagt. „Täglich auf den Arm nehmen“ empfiehlt der Falkner. Nur so blieben die possierlichen Tiere zutraulich, heißt es. Im Herbst fängt die eigentliche Jagdzeit an. Von Anfang Oktober bis Februar für Kaninchen, für Krähen sogar bis März. Gejagt werde „so oft wie es geht“. Dann begebe er sich auch schon mal mit weiteren Falknern, Treibern und Hunden auf die Jagd. Wenn ein Kaninchen gesichtet werde, dürfe der nächststehende Falkner seinen Vogel losschicken, nicht jedoch ohne vorher laut „Vogel frei“ zu rufen, damit die Greifvögel sich nicht als Konkurrenten ins Gehege kommen. Manchmal werde auch ein Frettchen in den Kaninchenbau geschickt und der Falkner warte mit dem Vogel davor. Im vergangenen Jahr sei die Kaninchenpopulation allerdings aufgrund einer Seuche sehr zurückgegangen.

Oft keine Hilfe nötig

Beim Umgang mit seinen Tieren und aus jedem Satz wird Dirk Tepes große Tierliebe und der Respekt vor ihnen deutlich. So bedauert er natürlich, als der junge Bussard am Tag nach dem Auffinden stirbt. Ein sehr schlechter Allgemeinzustand und Parasiten äußerlich und vermutlich auch innerlich, macht der Experte für den Tod verantwortlich. Und er hat auch Ratschläge parat. Viele Jungvögel seien momentan in der „Bettelflugphase“. Sie möchten außerhalb des Nestes möglichst weitergefüttert werden, während die Elternvögel sie immer weniger versorgen, damit sie lernen, selbstständig Futter zu finden. „Die meisten brauchen keine Hilfe“, betont der Falkner. Um die Gefahr durch Katzen und Hunde auszuschalten, könne man zum Beispiel auch junge Eulen mit Handschuhen aufheben, auf einen Ast setzen und sich dann fortbegeben, meint er. Der Falkner sei bei Fragen der erste Ansprechpartner, der allerdings bei Unklarheiten oder Verletzungen den Tierarzt informiere. Außerdem gebe es Vogelauffangstationen, die bessere Möglichkeiten zur Pflege haben. Der Sonntagnachmittag war in dieser Hinsicht ein unguter Zeitpunkt für den jungen Bussard.


Nur wer einen gültigen Falknerjagdschein besitzt, darf die Beizjagd ausüben. Außerdem ist die Haltung von Habicht, Wanderfalke oder Steinadler nur Falknerjagdscheininhabern gestattet. Der Falknerjagdschein darf von den Jagdbehörden nur ausgestellt werden, wenn Jägerprüfung und Falknerprüfung erfolgreich abgelegt wurden. Für Interessenten/innen, die ausschließlich die Beizjagd und nie die Jagd mit der Schusswaffe ausüben wollen, gibt es die Möglichkeit, eine eingeschränkte Jägerprüfung zu absolvieren. Hier entfallen die Fächer Waffenkunde und -handhabung, sowie die praktische Schießprüfung. Weitere Informationen unter www.d-f-o.de.

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