Alfhausen: Weihnachtsbäume machen derzeit viel Arbeit Mal zu trocken, mal zu feucht

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Der trockene Sommer macht viel Arbeit in den Tannenbaumplantagen: Der Pflegeschnitt kostet Jürgen Wellmann aus Alfhausen erheblich mehr Zeit als in normalen Jahren. Weil die Triebe verholzen, muss er zur Schere greifen. Foto: Martin SchmitzDer trockene Sommer macht viel Arbeit in den Tannenbaumplantagen: Der Pflegeschnitt kostet Jürgen Wellmann aus Alfhausen erheblich mehr Zeit als in normalen Jahren. Weil die Triebe verholzen, muss er zur Schere greifen. Foto: Martin Schmitz

Alfhausen Jürgen Wellmann hat gut zu tun. Der trockene Sommer beschert dem Tannenbaumzüchter aus Alfhausen mehr Arbeit in seiner Kultur. Verregnete Jahre sind auch nicht gut. 2017 ließ die Feuchtigkeit viele Bäume kränkeln.

Manche Bäume haben sich immer noch nicht erholt. Auf seinem Hof in Wallen zeigt Wellmann Tannen in ungesunder gelblich-brauner Farbe. Erst eine Bodenprobe, die er an ein spezialisiertes Institut in der Eifel schickte, brachte es vor einem Jahr heraus: Der Regen wusch die Mineralien aus dem Boden aus, der Mangel an Spurenelementen ließ die Bäume vor sich hin kümmern.

Und dieses Jahr? Die frisch eingesetzten Jungpflanzen müssen regelmäßig gegossen werden. Und beim Pflegeschnitt rennt Wellmann die Zeit davon. Der Pflegeschnitt ist wichtig. Er bestimmt, ob der Baum zu jener gleichmäßig gewachsenen Tanne heranwächst, die der Kunde unbedingt haben will. „Du musst vorausahnen, wie sich der Baum in den nächsten zwei Jahren entwickelt“, erklärt der Experte das Geheimnis.

In normalen Jahren reicht es, mit den Fingern die weichen grünen Triebe abzuknapsen. Doch bei Trockenheit verholzen die schnell. Dann muss die Rosenschere her, und mit ihr zu arbeiten kostet mehr Zeit.

Wellmann tüftelt bereits an einer Lösung für seine Branche, Scherenklingen, die in den Arbeitshandschuh eingearbeitet sind. Seine Erfindungen machen ihm Spaß, der robust-einfache Wildfutterautomat zum Beispiel.

Wellmanns Betrieb zählt nicht zu den Großen der Branche. Auf zweieinhalb Hektar hat er zwischen 5000 und 7000 Bäume im Bestand. Jeder beschäftigt ihn mindestens ein Dutzend mal im Jahr, mindestens hundert Arbeitsschritte pro Pflanze und Jahr, schätzt er: Düngen, spritzen, schneiden, manche Arbeiten muss er mehrfach wiederholen. Und das in der Regel über acht Jahre, bevor ein Baum zur Weihnachtstanne taugt. Vier Jahre sind die Pflänzchen vorher schon in einer Gärtnerei herangezogen worden, bevor Wellmann sie in den Boden setzt. Beim Verkauf konkurriert er dann mit Discountern, die den Weihnachtsbaum dank Masseneinkauf für sieben Euro anbieten.

Personal, das mit Liebe, Passion und Geduld in diese Pflegearbeiten einsteigt, ist kaum zu finden, bedauert Wellmann. Er hat sich über Jahrzehnte zum Experten weitergebildet, Probieren geht ihm über Studieren, Wellmann ist ein Mann der Praxis.

Im August könnte er es eigentlich ruhiger angehen lassen. Wellmann wird in dieser Zeit aber lieber zu seinen eigenen Handelsvertreter. Er besucht seine Stammkunden.


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