Serie „Die Kunden und ich“ Ankumer Fleischer über Billigangebote und militante Vegetarier

Von Christian Lang

Die Fleischerei von Höne ist eine Institution in Ankum. Georg von Höne leitet sie in vierter Generation. Foto: von HöneDie Fleischerei von Höne ist eine Institution in Ankum. Georg von Höne leitet sie in vierter Generation. Foto: von Höne

Ankum. Bedienungen, Ärzte, Müllmänner, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir Kunden uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 16: ein Fleischer.

Die Fleischerei von Höne ist eine Institution in Ankum. Seit 1893 gibt es das Unternehmen – mittlerweile in vierter Generation. Georg von Höne leitet den Partyservice und die Landfleischerei. Im Interview spricht der 49-jährige Fleischer über kuriose Wünsche, Billigangebote und militante Vegetarier.

Herr von Höne, welches Verhalten Ihrer Kunden stört Sie?

Mich stört die „Geiz-ist-geil“-Mentalität. In den vergangenen Jahren musste alles billig sein. Mittlerweile sind wir aber an einem Punkt angelangt, an dem die Leute merken, dass die Innenstädte wieder mehr frequentiert werden müssen – und nicht nur die Discounter oder der Online-Handel zählen. Was wollen wir denn mit toten Innenstädten? Wir registrieren aber auch, dass wieder mehr Leute zu uns in den Laden kommen als noch vor ein paar Jahren.

Heißt das, die Kunden geben wieder mehr Geld für Fleisch aus?

Nun ja, die, die billig kaufen wollen, machen das auch noch weiterhin. Andere, die mehr Wert auf Qualität legen, kommen wieder vermehrt zu uns oder zu anderen Fleischereien – und kaufen das Fleisch nicht mehr so häufig in Supermärkten. (Weiterlesen: Quakenbrücker DJ über Helene Fischer, betrunkene Gäste und coole Küsse)

Achten die Kunden denn eher auf Qualität oder auf den Preis?

Auf den Preis auf jeden Fall. Sie kommen nicht zu mir und sagen: „Oh, der Herr von Höne ist so sympathisch, dem gebe ich gleich zwei Euro mehr fürs Kilo.“ Aber die Kunden gucken sich auch ganz genau an, was sie haben sollen – und achten dann schon auf Qualität.

Kommen Kunden auch schon mal mit sehr kuriosen Wünschen zu Ihnen?

Es ist schon mal vorgekommen, dass jemand ein Pfund Rinderfilet bestellt hat – für den eigenen Hund. Da habe ich mir gedacht: ,Das kann doch echt nicht wahr sein.‘ Und die Frau kam damals jede Woche mit dem Wunsch an.

Kaufen Kunden häufiger Fleisch für ihre Haustiere bei Ihnen ein?

Früher war das mehr, als wir hier noch geschlachtet haben. Die „guten“ Schlachtabfälle wie Ohrmuscheln wurden dann an die Hunde verfüttert. Das war damals aber auch eine andere Zeit, da wurden noch viel mehr Bestandteile des Tieres verkauft. Heute will jeder nur Schnitzel oder Filet kaufen – sprich die Edelteile.

Wohin geht generell der Trend beim Fleischkauf?

Alles, was fertig ist, wird mitgenommen. Also die Produkte, die beim Zubereiten kaum Aufwand machen. Es gibt zwar eine Menge Kochsendungen im Fernsehen, aber kaum noch jemand stellt sich lange Zeit an den Herd. (Weiterlesen: Quiz: Wie gut kennen Sie Fürstenau?)

Sind die Menschen faul geworden?

Ich würde sagen, sie haben einfach keine Zeit mehr dafür. Früher sind die Kunden einmal pro Tag zum Fleischer gegangen, um da dann ihren Aufschnitt zu kaufen. Mittlerweile machen sie das dann einmal pro Woche und decken sich dann gleich für die nächsten Tage ein. Weil auch alles mittlerweile verpackt und länger haltbar ist.

Bis vor einigen Jahren haben Sie hier noch selbst geschlachtet. Taten Ihnen die Tiere manchmal leid?

Nein. Ich bin damit groß geworden. Es gehört halt dazu, dass ein Schwein geschlachtet wird. Ohne das könnte man es auch nicht essen. Ob man das Fleisch aber jederzeit kaufen können sollte, steht auf einem anderen Blatt Papier. Das ist nämlich genau das, was uns momentan alles kaputt macht.

Wie meinen Sie das?

Jeder Arzt sagt mittlerweile, dass man weniger Schweinefleisch essen soll. Das kommt auch daher, weil wir jeden Tag das Fleisch bekommen. Früher gab es am Wochenende den Sonntagsbraten und vielleicht noch einmal pro Woche Fleisch. (Weiterlesen: Quakenbrücker Juwelierin über Reiseklobürsten und dreistes Feilschen)

Merken Sie auch bei Ihren Kunden einen steigenden Fleischkonsum?

Das will ich nicht behaupten – ich kann es auch gar nicht beurteilen. Die Kunden kaufen ja sicherlich auch noch woanders ein. Es gibt zwar viele Stammkunden. Aber ob die mehr oder weniger als früher essen, kann ich nicht sagen.

Immer mehr Menschen ernähren sich aber vegetarisch. Wie wirkt sich der Veggie-Trend auf Ihre Kundschaft aus?

Wir merken das schon – vor allem mit unserem Partyservice. Da gibt es schon häufiger die Frage, was wir für vegetarische Gäste anbieten können. Wir bieten schon etwas an, aber Tofu oder ähnliche Geschichten nicht. Wir haben genügend Salate und Gemüsespieße, die wir alternativ zubereiten. Aber trotzdem kommen wir aus der Fleischbranche. (Weiterlesen: Ankumer Fahrlehrer über Handys, Nervosität und das Chaos in Osnabrück)

Vegetarische Wurst oder echte Wurst – was ist leckerer?

Natürlich würde ich die echte vorziehen. Ich habe zwar schon Tofu-Wurst probiert, aber die haut mich wahrlich nicht vom Hocker. Was mich häufig stört: Fleischlose können ja gerne ihr Ding durchziehen, aber häufig versuchen sie, anderen sehr aggressiv ihren Glauben aufzudrängen. Warum können sie keine Menschen akzeptieren, die Fleisch essen?

Wurden Sie auch schon mal von Vegetariern angefeindet?

Bisher noch nicht. Aber wenn man sich manchmal die Kommentare im Netz anschaut, dann wird da schon eine Grenze überschritten. Das geht gar nicht. Man kann sich doch ruhig über diese Themen unterhalten, aber diese Militanz ist manchmal schon erschreckend. (Weiterlesen: Fürstenauer Florist über Valentinstage und verzweifelte Männer)

Die Zahl der Fleischereien geht in Deutschland sehr stark zurück. Woran liegt das Ihrer Einschätzung nach?

Das ist ganz einfach. Der Aufwand, den ein kleiner Betrieb betreiben muss, ist fast so hoch wie bei einem großen Unternehmen. Zudem drücken die Großhändler die Preise so sehr, dass es für viele uninteressant erscheint, in die Branche einzusteigen. Fleischereien müssen zudem mittlerweise mindestens sechs, wenn nicht sogar sieben Tage die Woche auf haben. Die Arbeitszeit, die man da reinstecken muss, ist nicht wirklich lukrativ. Und das wird nicht besser werden.

Welches Fleisch liegt derzeit bei den Kunden besonders im Trend?

Momentan ist Grillsaison – da sind vor allem Schweinefleisch und Hähnchen beliebt. Vor ein paar Jahren war die Bratwurst bei Grillfesten eher out. Aber mittlerweile hat sich das schon wieder geändert. Die Bratwurst brauchst du wieder. Auch das Wild ist immer mehr im Kommen beim Grillen.

Was lieben Sie an Ihrem Beruf?

Früher mochte ich es, Wurst herzustellen. Das war echt mein Ding. Das ist mittlerweile aber nicht mehr möglich. Ansonsten liebe ich es, das Fleisch zu beurteilen und mit meinen Kunden in Kontakt zu treten.

Welches Fleisch mögen Sie überhaupt nicht?

Eigentlich gibt es da nix. Dass ich etwas probiert habe, was mir dann gar nicht geschmeckt hat, ist noch nie vorgekommen. (Weiterlesen: Quakenbrücker Friseurin über den Vokuhila, nervöse Bräute und Hygiene)

Wenn Sie den ganzen Tag das Fleisch vor sich liegen haben, ist dann nicht die Gefahr groß, dass sie dauerhaft „naschen“?

Ja, die Gefahr ist vorhanden. Früher beim Wurstmachen war es aber deutlich schlimmer. Wenn die Wurst fertig aus dem Kessel kommt, ist das ein absolutes Gedicht. Da geht einem echt das Herz auf.

In einem bekannten Werbespot wiegt der Fleischereifachverkäufer selbst schwierigste Mengen auf einen Schlag genau ab. Wie exakt können Sie portionieren?

Ziemlich exakt. Ich schaffe es vielleicht nicht aufs Gramm genau, aber wir haben Eckdaten, was beispielsweise eine Scheibe Wurst oder Kochschinken wiegt.


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