Rotherts Backstuben als Nachfolger Strickers Landbackstube in Rieste ist Geschichte

Von Ilona Ebenthal


ieb Rieste. Die Bäckerkluft hat Karl-Heinz Stricker in dieser Woche zum letzten Mal angezogen. Strickers Landbackstube ist jetzt Geschichte. Nach 139 Jahren geht in Rieste eine Ära zu Ende.

Im Giebel an der Malgartener Straße hängt noch das alte große Namensschild mit nostalgischem Charme, während neben der Ladeneingangstür schon die neue Werbetafel „Snacks to go“ anpreist. Als Nachfolger haben „Rotherts Backstuben“ die Räumlichkeiten gepachtet. Eröffnung ist am 1. August. Die Handwerker arbeiten auf Hochtouren. Der Verkaufsraum wird umgestaltet. Der Fliesenleger arbeitet gerade im zukünftigen Vorbereitungsraum. Ein Durchbruch für Sanitärräume ist in Arbeit.

1999 hat Karl-Heinz Stricker die Traditionsbäckerei übernommen. 2002 stieg seine Ehefrau Monika Stricker mit ein. Die Kinder Berenike und Johannes halfen das ein oder andere Mal im Laden oder in der Backstube aus, aber Johannes gibt zu: „Bäcker ist nicht mein Ding“. Als Grund für die Aufgabe gibt Karl-Heinz Stricker an, dass Aufwand und Ertrag für die relativ kleine Bäckerei inzwischen in keinem guten Verhältnis mehr stehen. Über die Bäko, eine Wirtschaftsorganisation für Bäcker und Konditoren, hat er schnell einen Nachfolger gefunden. Alle Verkaufsmitarbeiter werden übernommen. Ursprünglich sollte Ende Oktober Schluss sein, berichtet der Bäckermeister. Aber da seine Angestellten aus der Backstube sofort einen neuen Arbeitsplatz gefunden haben, konnte das Vorhaben eher umgesetzt werden.

Die Geschichte der Bäckerei Stricker ist lang. 1879 gründete August Stricker die Firma. Bekannt war er damals zuerst für sein Schwarzbrot, das einmal in der Woche angesetzt wurde. In den 20er-Jahren übernahm Sohn Karl den Laden und führte den Kuchenwagen ein, mit dem er die Jahrmärkte der Umgebung abklapperte. In den 60er-Jahren baute Josef Stricker in der dritten Generation die Bäckerei aus, die Sohn Karl-Heinz später mit seinem „Snack-Mobil“ erweiterte, womit er auch den Niedersachsenpark belieferte.

Auch wenn Karl-Heinz Stricker jetzt nicht mehr frühmorgens die Bäckerkluft anziehen muss, Langeweile wird er nicht bekommen. Die Familie arbeitet an Umbauplänen für die zahlreichen Nebenräume des Gebäudes. Die alten Maschinen der Backstube müssen auch noch entsorgt werden. Ob hier Wohnungen oder Gewerberäume entstehen, kann Karl-Heinz Stricker allerdings noch nicht sagen.


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