Abschied von der Kita Sonnenschein Gehrder Kindergartenleiterin geht in den Ruhestand

Von Sigrid Schüler-Juckenack

Geht am 31. Juli 2018 in den Ruhestand: Hildegard Lünne, Leiterin der Kindertagesstätte Sonnenschein. Foto: Sigrid SchülerGeht am 31. Juli 2018 in den Ruhestand: Hildegard Lünne, Leiterin der Kindertagesstätte Sonnenschein. Foto: Sigrid Schüler

Gehrde. Hildegard Lünne war von Anfang an dabei. Seit 36 Jahren arbeitet sie als Erzieherin und Leiterin des Kindergartens in Gehrde und hat die Entwicklung eines Kinderspielkreises zu einer modernen Kindertagesstätte miterlebt.

Als erste Leiterin des Kindergartens Sonnenschein gestaltete Hildegard Lünne die Kinderbetreuung maßgeblich mit. Im Juli geht sie in den Ruhestand. Wenn sich Hildegard Lünne an die Anfänge erinnert, dann ist das fast so, als ob sie von einer anderen Welt erzählt. Im Jahr 1972 habe es eine Spielkreisgruppe in der Gehrder Grundschule gegeben, die sich zwei mal in der Woche traf und von zwei Helferinnen betreut wurde. Es dauerte zehn Jahre, bis der Spielkreis eine eigene Bleibe mit dem Umzug in die Lehrerwohnung der Grundschule fand. Der damalige Bürgermeister Hermann Specht habe sie dann für die Leitung der Gruppe eingestellt.

„Die personelle Ausstattung war dünn“, erinnert sich Hildegard Lünne. Zwei Helferinnen teilten sich eine Stelle. Und: Eine Reinigungskraft gab es nicht, die Erzieherinnen mussten selbst putzen. Immerhin hatte die Einrichtung, die immer noch als Spielkreis geführt war, eine Größe von 25 Kindern.

Aller Anfang ist schwer: allein mit 25 weinenden Kindern...

Hildegard Lünne erinnert sich an ihren ersten Tag. Für die Eltern habe es einen kleinen Sektempfang gegeben, und die Stimmung sei gut gewesen. Dann seien die Eltern gegangen, und plötzlich sei sie mit 25 Kindern, die sie nicht kannte, allein gewesen, und einige hätten sogleich zu weinen begonnen. Mit einer Geschichte habe sie die Kinder „zu sich holen“ können, und die Situation habe sich beruhigt.

Heute laufe die Eingewöhnungsphase ganz anders, erklärt sie. Die Eltern nehmen sich etwa zwei Wochen Zeit und begleiten ihr Kind. Während der Nachwuchs die Einrichtung kennenlernt, können sich die Eltern im Elterncafé austauschen. Die Kinder wissen, dass die Mutter oder der Vater da sind, wenn es sie braucht. „Verlässlichkeit ist für die Kinder das A und O“, so Lünne. „Die Kinder haben sich nicht verändert. Sie brauchen Liebe, Aufmerksamkeit, Zuwendung und Zeit.“ Das sei heute so wie damals.

Vom Spielkreis zur modernen Kindertagesstätte

Ein knappes Jahrzehnt später, nämlich 1991, erfolgte die Umwandlung in einen zweigruppigen Kindergarten mit 50 Kindern. Die Öffnungszeiten wurden kurz darauf verlängert, von vier auf fünf Stunden täglich. 1995 wurde die dritte Gruppe eingerichtet. Nach dem Umzug in das jetzige Gebäude im Jahr 1996 wurde die Einrichtung offiziell zum Kindergarten und bekam den Namen Sonnenschein. Das Angebot für eine nachmittägliche Betreuung gibt es ab 1998. Das sei Eltern, die in Schicht arbeiten, entgegengekommen, so Lünne.

Durch den starken Zuzug von Spätaussiedlern stieg die Nachfrage nach Betreuungsplätzen, und der Kindergarten wurde stetig erweitert. Seit 2010 arbeite der Kindergarten integrativ, erklärt die Leiterin. Dass dies ein Thema ist, das ihr am Herzen liegt, sieht man ihr an. Die Einrichtung einer Integrationsgruppe sei mit viel Aufwand verbunden gewesen, aber: „Ich meine, es sollte so sein, dass alle Kinder zusammen aufwachsen. Es ist ein schönes und wichtiges Angebot für die Kinder.“ Den Titel Kindertagesstätte trägt die Einrichtung seit 2013, denn seit dieser Zeit gibt es im Sonnenschein auch eine Krippe. Und auch im Bereich der Betreuung der Kleinkinder wächst der Bedarf weiter.

Letzter Arbeitstag für Hildegard Lünne am 31. Juli 2018

Wie gut sich das Angebot des einstigen Spielkreises entwickelt hat, sieht man an den Zahlen: Heute besuchen über hundert Kinder die Einrichtung. Insgesamt arbeiten 18 Erzieher im Sonnenschein, zwei Heilpädagoginnen, eine Heilerziehungspflegerin und Auszubildende und Praktikanten.

Fragt man Hildegard Lünne nach einem Fazit ihres Berufslebens, so sagt sie, dass sie den Entschluss, Erzieherin zu werden, nie bereut hat. Und auch in Gehrde habe sie sich wohlgefühlt. „Ich bin immer gut aufgenommen worden, und ich weiß das Vertrauen, das die Eltern mir entgegenbringen, zu schätzen.“ Immerhin sei es ja das höchste Gut, dass ihr die Eltern anvertrauen, nämlich ihre Kinder. Für sie als Leiterin der Kindertagesstätte sei es auch immer wichtig gewesen, auf ihre Mitarbeiterinnen zu hören und sie mit ihren Anliegen wahrzunehmen. „Regelmäßige Gespräche sind in einem großen Team wichtig“, erklärt sie. Das sei etwas, was man nicht versäumen dürfe. Der 31. Juli 2018 ist der offiziell letzte Arbeitstag von Hildegard Lünne. Die Nachfolge wird Andrea Pöhlking antreten.


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