Interview: Bernd Lagemann und sein Festival Reggae Jam Bersenbrück: Johnny Osbourne Star

Von Martin Schmitz


Bersenbrück. Die 25. Reggae Jam übernächstes Wochenende in Bersenbrück soll genauso heiter und unbeschwert verlaufen wie die Festivals davor, hat sich Bernd Lagemann vorgenommen. Eine Posteraustellung als bunter Tupfen, junge Künstler zum Entdecken – und Altstar Johnny Osbourne, der am Sonntagabend den Sack zumacht.

Herr Lagemann, was bedeutet Reggaemusik eigentlich für Sie?

Das hab ich mir vor einiger Zeit mal aufgeschrieben. Reggae ist für mich in erster Linie ruhige Musik, der klassische Reggae von Bob Marley und anderen, heute Roots Reggae genannt. Klar mag ich auch den schnellen Dancehall und African Beats. Aber Roots ist die Musik, die mich durch den Alltag begleitet. Diese Musik ist so voll und umfangreich geworden. Künstler wie Chronixx binden viele andere Musikstile ein. Und Alborosi, der aus Italien kommt und auch schon auf der Reggae Jam auftrat, hat auf Jamaika ein Studio geschaffen, das fast ausschließlich mit analoger Technik arbeitet. Die kriegen einen Sound hin, der unglaublich ist. Die Reggaemusik entwickelt sich immer weiter.

Wie kam eigentlich Bernd „Sheriff“ Lagemann zur Reggaemusik?

Eigentlich komme ich aus der Punkbewegung. In der englischen Punkerszene gibt es Querverbindungen, weil viele Jamaikaner in London leben. Über die Musik von The Clash oder The Ruts bin ich zur Reggaemusik gekommen. 1988 war ich das erste Mal auf Jamaika.

Wie wurde daraus die Reggae Jam?

Mike Schuhmacher hatte die Idee, das Talger Schützenfestzelt für einen Abend zu mieten, und mit zwei Bands und zwei Soundsystems eine Party zu machen. 200 Gäste kamen. Das war 1994. Als Schuhmacher sich zurückzog, habe ich dann übernommen. 1999 zog die Reggae Jam in einen ehemaligen kleinen Tierpark in Talge um, dort lief das Festival zum ersten Mal über drei Tage. 2000 waren wir im Bersenbrücker Industriegebiet, hatten immerhin Gentleman als Star da. Aber atmosphärisch gibt ein Industriegebiet nun mal nicht viel her. Als ich mir dann den Klostergarten anschaute mit seinen uralten Bäumen, da wusste ich: das ist es. Seit 2001 sind wir dort. Das war schon ein Quantensprung. Und ab 2004, da wurde das Festival spürbar internationaler. Damals kam zum ersten Mal Tippa Irie. Der ist diesmal auch wieder dabei.

Ein Festival mit über 30 Liveauftritten und 15000 Besuchern und großem Campingareal ist sicher ein bisschen aufwendiger als eine Zeltfete?

Das Material, Bauzäune und so weiter, und die Fahrzeuge sind in einer Halle mit Hochregalen in Alfhausen untergebracht. Ein Kernteam von vier bis fünf Leuten beschäftigt sich ganzjährig mit dem Festival. Ein Orga-Team von 20 bis 25 Leuten kümmert sich beim Aufbau um die einzelnen Gewerke. Auf dem Festival sind 230 Freiwillige als Ordner dabei und 150 Getränkeverkäufer. Für das Festival arbeiten schätzungsweise 500 Leute. Das Komplizierteste ist die Logistik, der Fahrdienst für die Künstler zwischen internationalen Flughäfen, auch in den Niederlanden und Belgien, den Hotels und dem Festival.

Gibt es Extras zur 25. Reggae Jam?

Die 22. Art of Reggae Exhibtion kommt nach Bersenbrück. Sie ist aus dem International Reggae Poster Contest hervorgegangen und zeigt Poster und Konzertplakate aus der Welt des Reggae. Michael „the Frestylee“ Thompson hat diese Kunstausstellung gegründet. Der Graphiker Thompson schuf auch die Bühnenbilder für die Reggae Jam. Frestylee ist 2016 verstorben, seitdem führt die Griechin Maria Papefstathiou die Ausstellung weiter.

Welche Musiker gilt es in Bersenbrück zu entdecken? New Kingston zum Beispiel. Das sind vier junge Sänger, die aus Jamaika kommen und in New York leben. Sie verbinden auf einzigartige Weise jamaikanischen Reggae mit den Musikstilen, die sie in New York finden. Gespannt bin ich auch auf Klub Kartell. Das ist eine der besten Backingbands der Szene, die vier herausragende Sänger als Quartett präsentiert: Ganjaman, Sebastian Sturm und Jahcoustix tun sich mit Dellé zusammen. Der ist nicht nur Frontmann der Band Seeed, sondern hat auch zwei erfolgreiche Soloalben herausgebracht. Ihr Auftritt soll der Topact des Samstagabends sein.

Na, das wird aber ein Marathon für Ganjaman, der ja auch als einer der Moderatoren durch das Festival führt.

Trotzdem plant er auch wieder ein Frühstück für seine Fans, den Auftritt, mit dem er traditionell am Samstag das Programm auf de Livebühnen startet. Am Sonntag startet das Bühnenprogramm wieder mit einem Programm für Kinder. Der Reggaehase Booo erlebt ein neues Abenteuer, musikalisch begleitet von der Band Yellow Umbrella, die sich hier Green Rain Jackets nennen.

Was tut sich auf dem Festival abseits der beiden Livebühnen?

Im Dub-Camp mit Zelthangar, der Riverside-Disco unter freiem Himmel und dem großen Dancehall-Festzelt auf dem Campinggelände an der Hase treten die Soundsystems an, die DJs. Von der Besetzung her ist diese Dub-Area mittlerweile die größte auf dem europäischen Kontinent, sie ist zum Festival im Festival geworden. Unter anderem tritt Neil Perch hier auf, Produzent und Gründer von Zion Train.

Kein Reggae Jam ohne legendäre Künstler, die schon Jahrzehnte im Geschäft sind und es immer noch drauf haben. Auf wenn dürfen wir uns diesmal freuen?

Cocoa Tea wird kommen. Nach zwei vergeblichen Anläufen kommt der alte Recke endlich nach Bersenbrück. Der Topact am Sonntagabend wird Johnny Osbourne sein. 70 Jahre alt, große Erfolge schon in den Siebziger- und Achtzigerjahren, mehr Legende kann man nicht auf die Bühne stellen. Osbourne kommt mit dem Duo Sly and Robbie, betstehend aus dem Schlagzeuger Sly Dunbar und dem Bassisten und Keyboarder Robert Shakespeare, und ihrer Band Taxi Gang. Der junge Sänger Bitty McLean ist auch dabei. Er hat eine unglaubliche Stimme.

Kommt keiner der Söhne Bob Marleys nach Bersenbrück?

Diesmal kommt Andrew Tosh, Sohn von Peter Tosh. mit dem Marley in der legendären Band The Wailers zusammen auftrat. Wenn er auf der Bühne steht, glaubst du, du hast seinen Vater vor dir.


Bernd Lagemann (51) wuchs in Bersenbrück auf, studierte Maschinenbau in Berlin, ist Kfz-Gutachter mit eigenem Büro und einer Prüfstlle im Autohaus Kalmlage in Bersenbrück. Außerdem betreibt er die „Culttour-Agentur“, die das Reggae-Jam-Festival ausrichtet.

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