Basteln, beten und noch mehr in Rieste Projekt „Kirche unterwegs“ macht am Alfsee Station

Von Ilona Ebenthal


ieb Rieste. Während die meisten den eigenen Urlaub im In- und Ausland genießen, verbringen einige ihren Jahresurlaub auf Campingplätzen, um ehrenamtlich für andere da zu sein und Programm zu machen. Wir besuchen das aktuelle Team von „Kirche unterwegs“ am Alfsee.

Morgens um acht steht frischer Kaffee auf dem Tisch neben dem Kirchenzelt, das in den Sommerferien zwischen dem Bootshaus und dem Germanenland aufgebaut ist. Unter freiem Himmel genießen vier Leute ihr Frühstück.

Mario und Gertrud Böhm sowie die 14-jährige Celine Koch sind vergangenen Sonntag aus Soest in Nordrhein-Westfalen angereist. Letztes Jahr in Sahlenburg bei Cuxhaven waren sie noch Teilnehmer beim Ferienprogramm der Landeskirche, jetzt sind sie erstmals selber aktiv dabei. Kennengelernt haben sie dort im vergangenen Jahr Oliver Gereke. Er stammt aus Diekholzen bei Hildesheim und verbringt bereits zum vierten Mal ehrenamtlich den Jahresurlaub als Teamer von „Kirche unterwegs“.

Die meisten kämen „durch Mundpropaganda“ zu dieser ehrenamtlichen Arbeit, erklärt er. „Mehrgenerationen-Team“ habe man sie schon genannt, schmunzelt Gertrud Böhm, die mit 67 Jahren die Älteste in der Runde ist und mehr als 40 Jahre im Kindergarten gearbeitet hat. Celine Koch ist katholisch und leitet zu Hause eine Messdienergruppe. Was alle vier verbindet, ist der christliche Hintergrund und die Freude daran, den christlichen Glauben zu vertreten. Das wollen sie zwei Wochen lang am Alfsee übernehmen.

Zwei Vorbereitungsseminare haben alle zuvor absolviert. Ein Nachbereitungsseminar im Herbst wird folgen. „Alles ist sehr gut organisiert“, findet Oliver Gereke. Seine Kinder sind 16 und 20 Jahre alt, da hat er wieder mehr Zeit, sich um andere zu kümmern. Dem Team steht ein Wohnwagen als Unterkunft zur Verfügung. Außerdem werden die Auslagen erstattet und alle bekommen einheitliche Jacken und T-Shirts gestellt.

Jeden Abend eine Gute-Nacht-Geschichte

Beim Blick in den Wochenplan, der überall – auch am Badestrand am Dubbelausee – aushängt, findet sich eine ganze Menge unterschiedliches Programm. Vormittags laufen Kinderstunden mit Musik, Spielen, Basteln und Geschichten, eine Vater-Kind-Aktion, samstags das Camper-Frühstück und sonntags der Feriengottesdienst mit Kirchenkaffee. Gestern haben sie mit den Kindern zum Beispiel Kresse in Form einer Lutherrose angesät, erzählt Gertrud Böhm. Bis auf Freitag, der für alle Teamer frei ist, bieten die Ehrenamtlichen jeden Abend um 18.30 Uhr eine Gute-Nacht-Geschichte an. Für Jugendliche und Erwachsene gibt es später abends eine Andacht, eine Gesprächsrunde, einen Spieleabend, einen Spaziergang und den Reisesegen. „Wir machen alles selbst, nur predigen dürfen wir nicht“, erklärt Oliver Gereke, der sich freut, weil „das Zelt immer relativ voll“ werde.

Auf acht Campingplätzen in Niedersachsen

Ursprünglich wurde die „Kirche unterwegs“ als „Wagenmission“ der Bahnauer Bruderschaft e.V. 1955 gegründet. Träger des Projekts ist die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover. Projektleiterin ist Pastorin Antje Wachtmann, für das Team am Alfsee ist Pastorin Amelie zu Dohna zuständig. Auf acht Campingplätzen in Niedersachsen bietet „Kirche unterwegs“ Ferienprogramm für Kinder und Erwachsene an. Oliver Gereke, der in den vielen Gesprächen mit Urlaubern noch keinen Problemfall hatte, sieht sich und seine Leute als ersten Ansprechpartner, der professionelle Hilfe vermitteln könne. „Wir haben auch ein bisschen Verantwortung, aber die scheuen wir nicht“, meint er. „Wir helfen einander“, fügt Gertrud Böhm hinzu. Dass sie viel Spaß miteinander haben, wie alle einhellig betonen, ist nicht zu übersehen.

Weitere Informationen online unter www.kircheunterwegs.de.


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