BN-Serie: Leben im Denkmal Hof Wittefeld in Rieste: Balken vom 11. Mai 1815

Von Ilona Ebenthal

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ieb Rieste In einem ehemaligen Schweinestall im Wittefelder Ort in Rieste wohnen seit rund 12 Jahren Heidi und Martin Richter. Hier steht das große Fachwerkhaus von Heidi Richters Vorfahren. Die Balkeninschrift lautet auf den 11. Mai 1815.

Das Gebäudeensemble, das wir in der BN-Serie „Leben im Denkmal“ vorstellen, ist wie ein Artländer Bauernhof angelegt. Das Haupthaus flankieren Stallgebäude, Wagenremisen und Scheune – alle Gebäude in Fachwerkbauweise, was in Rieste Seltenheitswert hat. Typisch, wenn auch unwegsam, ist das uralte Kopfsteinpflaster, das die Hoffläche befestigt. Rund drei Jahre lang bis 2017 hat Familie Richter das Anwesen von Grund auf restauriert und dabei „kein Problem mit dem Denkmalschutzamt“ bekommen, „weil wir alles auch so wollten“, erklärt Heidi Richter, im Gegenteil, man habe sich gut verstanden.

Schöner bunter Giebel

Von den grau gestrichenen Fachwerkbalken wurde „die Farbe runtergenommen“, mit Sandstrahl, ganz vorsichtig, damit die Struktur des Holzes erhalten blieb. Den ehemals „schönen bunten Giebel“ vermissten zwar einige Bekannte, nicht aber die Richters. „Wir mögen das Haus so, wie es jetzt ist“, sagt Heidi Richter. Die früheren Dachpfannen seien nicht typisch gewesen und durch neue rot-bunte ersetzt worden. Ähnliche zierten früher einmal das Haus, das zum Teil aber auch ein Strohdach hatte, wie ein altes Foto beweist. Konzessionen machte das Denkmalschutzamt durchaus. So durfte eine Dielenwand durchbrochen werden, um Fenster einzusetzen, wenn auch nur winzige. Und die Schwellhölzer auf der Grundmauer wurden durch beständigere Klinker ersetzt. Zum Hof hin verwendete man die vorhandenen alten Steine wieder. Nach dem Ausfugen der Giebelwand auf der Rückseite sind die von den Klinkern gebildeten Muster viel besser zu erkennen, freut sich Martin Richter. Auch der Schornstein sei in der altherkömmlichen Bauweise gemauert worden. Dann erklärt er die Funktion der „Sturmklappen“ in der Giebelspitze, die bei starken Wind fleißig arbeiten, um den Druck unter den Dachpfannen zu mildern.

Drei Generationen

Im Haupthaus hat Heidis Mutter Lieselotte Wittefeld zusammen mit ihrem Lebensgefährten eine Wohnung. Und zur großen Freude aller zieht mit Tochter Nicole in Kürze die dritte Generation zurück auf den Hof. Ihre Wohnung im hinteren Teil des Hauses ist ebenfalls frisch renoviert. Hier wurden die Doppelfenster belassen, vor denen alte Linden als Windschutz stehen. Damit es im Haus nicht zu dunkel wird, werden sie regelmäßig gestutzt. Dunkler sei es in solchen alten Häusern natürlich schon, trotz der vielen Fenster, meint Heidi Richter. Das Niedersachsenlanghaus ist trotz seiner stattlichen Größe ein Zweiständerhaus, ergänzt Martin Richter.

Steinkauz und Schleiereule

Viel Leben herrscht rund um den Hof. Im überdachten Loch auf dem Scheunendach beobachtet ein Steinkauz seelenruhig das Geschehen. Er brütet in einer künstlichen Höhle im Kirschbaum, weiß Heidi Richter. Für die Schwalben, die nach wie vor auf der Diele nisten, steht eines der winzigen Giebelfenster offen. Auch die Schleiereule ist auf diesem Hof zu Hause. Öffnungen in den Giebeln der Nebengebäude sind hier überall selbstverständlich.

Dach mit Strohdocken

Eine tolle Zusammenarbeit gab es laut Heidi Richter mit der Werkgemeinschaft „Die Brücke“ in Bramsche, mit der bereits der verstorbene Vater Adolf Wittefeld vor 15 Jahren das Scheunendach renoviert hat. Bei der letzten Renovierung habe der Leiter der Gruppe dafür gesorgt, das von Rentnern aus Goldenstedt gefertigte Strohdocken unter den Dachpfannen zum Einsatz kamen, ganz so wie früher. Die Vorfahren haben sich bei jedem einzelnen Gebäude in den Spruchbalken verewigt. Ein geschnitzter Balken kam bei den Renovierungsarbeiten am Nebengebäude überraschend zum Vorschein. Damit er jetzt sichtbar bleibt, wurde die neue Verschalung des Giebels kürzer gehalten.

Uralte Bäume

Ein Zweiständer-Fachwerkhaus ist der Hof Wittefeld.

Im riesengroßen prachtvollen Bauerngarten stehen viele sehr alte Pflanzen. In einem Eichenbaum wuchern gut vier Meter hoch pinkfarbene Ramblerrosen. Und die großen Eiben wachsen hier mindestens seit 1870 weiß Lieselotte Wittefeld von alten Fotos. Von der Hofeinfahrt bis zum Bauernhaus recken sich uralte Eichen als Windschutz in die Höhe. Auch wenn hier immer Unmengen an Laub anfallen, gefällt werde ein Baum nur, wenn er kurz vor dem Umfallen stehe, erklärt Martin Richter. „Hier gibt es Arbeit das ganze Jahr“, sagt er. Und das klingt überhaupt nicht resigniert, sondern stolz und begeistert.


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