Oliver Voges und die strategische Ausrichtung der Polizei „Im Kern bin ich Kriminalbeamter“

Von Martin Schmitz

Oliver Voges in seinem neuen Büro in Osnabrück. Foto: Martin SchmitzOliver Voges in seinem neuen Büro in Osnabrück. Foto: Martin Schmitz

Osnabrück/Bersenbrück Der Wechsel von Bersenbrück nach Osnabrück kam kurzfristig und überraschend: Doch in seiner neuen Aufgabe als Kriminaldienstleiter der Polizeiinspektion Osnabrück scheint Oliver Voges schon angekommen zu sein.

Ende Juni wurde bekannt, dass der Leiter des Polizeikommissariats Bersenbrück zum 1. Juli nach Osnabrück geht. Das Kommissariat Bersenbrück ist zuständig für die Polizeiarbeit in den vier Samtgemeinden des Nordkreises. Eine vielseitige Aufgabe, den hier geht es nicht allein um die Verfolgung von Kriminalfällen, sondern auch um das Unfallgeschehen: Wo zeichnen sich Gefahrenpunkte ab und was kann die Polizei tun, um sie auszuräumen? Der Kommissariatsleiter muss die Polizei bei vielen Anlässen repräsentieren. Und manchmal muss er sogar ein bisschen Politik machen. Gern erinnert sich Voges an den Kampf an der Seite von Artland-Bürgermeister Claus Peter Poppe um mehr Polizeipräsenz in Quakenbrück. Auch im Streit um das Bordell in Fürstenau war Polizei-Expertise gefragt.

Die vier Jahre in Bersenbrück haben ihm Spaß gemacht. „Im Herzen bin ich Nordkreisler“ sagt der 44-Jährige, der in Eggermühlen aufwuchs, beim SV Quitt Fuball spielte, darüber zum Ausdauersport kam und heute gern auch mal Alpenpässe mit dem Sportrad bezwingt.

Und die Jahre in Bersenbrück könnten ihm nützlich sein bei seiner neuen Aufgabe, die ländlichen und städtischen Polizeidienststellen besser zu verzahnen. Da gebe es nämlich immer noch „Grenzen in den Köpfen“.

Künftig kümmert er sich ausschließlich um Kriminalfälle, auch um die schweren, mit doppelt so vielen Mitarbeitern wie im Kommissariat Bersenbrück. „Da wird die Personalführung wichtiger und die strategische Ausrichtung in Stadt und Land“. Doch das liegt ihn, denn „im Kern bin ich Kriminalbeamter“, sagt Voges.

Rocker und Terrorismus

Und zwar einer, der gern strategisch denkt, nach vorne. Das zeigte er, als er sich aus der Polizeiarbeit in Bersenbrück ausklinkte und im Innenministerium in Hannover an einer App mitarbeitete zur Vorhersage von Einbrüchen, die in Osnabrück getestet wurde.

Die strategische Ausrichtung der Polizei treibt Voges um, er möchte, dass sie vorbereitet ist auf Aufgaben, die auf sie zukommen könnten. Was passiert, wenn im Osnabrücker Land ein Ankerzentrum geschaffen wird für Asylbewerber? Wie soll die Polizei umgehen mit denen, „die hier nicht so gut ankommen?“

Was kann die Polizei tun, um das Sicherheitsgefühl der Bürger zu stärken? Wie es sich anfühlt, in einem Stadtteil unterwegs zu sein, in in dem man sich auf der Straße unwohl und unsicher fühlt, hat er kürzlich noch in Frankfurt erlebt. Was also kann die Polizei tun, dass es in Osnabrück gar nicht erst soweit kommt?

Kriminelle Rockerbanden, Prostitution und Internetkriminalität sind weitere Herausforderungen, die in der strategischen Ausrichtung berücksichtigt werden müssten, zählt er auf. Und nicht zuletzt der Terrorismus. Zwar habe es im Osnabrücker Land noch keinen Anschlag wie in Paris oder Brüssel gegeben. Trotzdem sollte die Polizei vorbereitet sein, findet Oliver Voges.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN