Verklagt Angeklagter nun den Zeugen? Hundestreit in Alfhausen: OLG stellt Verfahren ein

Meine Nachrichten

Um das Thema Samtgemeinde Bersenbrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Die Auseinandersetzung zweier Männer um einen Hund in Alfhausen beschäftigte schon Gerichte in drei Instanzen. Symbolfoto: Peter Steffen/dpaDie Auseinandersetzung zweier Männer um einen Hund in Alfhausen beschäftigte schon Gerichte in drei Instanzen. Symbolfoto: Peter Steffen/dpa

Alfhausen. Neues im Streit um einen Hund in Alfhausen: Das Oberlandesgericht Oldenburg hob das Urteil wegen fahrlässiger Körperverletzung und Beleidigung gegen einen 76-Jährigen auf und stellte das Verfahren wegen Geringfügigkeit ein. Der Mann erwägt nun, den Hauptzeugen wegen Falschaussage zu verklagen.

Das Amtsgericht Bersenbrück hatte den Mann wegen vorsätzlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Beleidigung und Bedrohung zu einer Geldstrafe von knapp 5000 Euro verurteilt. Das Landgericht Osnabrück ging in einem Berufungsverfahren jedoch davon aus, dass der Angeklagte irrtümlicherweise angenommen habe, der Zeuge habe ihn in einer verbalen Auseinandersetzung bedrohen wollen. Als Reaktion habe der Angeklagte den Zeugen mit einem Gehstock geschlagen, an der Schulter getroffen und ihm einen Bluterguss verpasst, laut ärztlichem Attest zehn mal fünf Zenitmeter groß.

Was war geschehen? Laut Urteil des Landgerichts Osnabrück, das der Redaktion vorliegt, schwelt zwischen den beiden Männern schon lange eine Fehde. Im vergangenen Jahr habe der Zeuge den Jagdhund des Angeklagten in der Nähe seines Hofes mit einer Hundepfeife angelockt und in den Kofferraum seines Wagens gesteckt. Dies hatten zwei Zeuginnen ausgesagt.

Eine der Zeuginnen, Schwiegertochter des Angeklagten, habe den Wagen des Angeklagten mit dem Auto verfolgt, ihn überholt und gestoppt. Sie habe den Hund aus dem Kofferraum geholt und sei mit ihm zurückgekehrt.

Der Mann hingegen hatte ausgesagt, er habe den Hund beim Wildern nicht weit vom Hof gefunden, an sich genommen und habe versucht, seinen Besitzer ausfindig zu machen. Er habe nicht gewusst, wem das Tier gehört.

Hund eingefangen

Die Zeugin sagte auch aus, der Mann, ein Jäger, habe sein Jagdgewehr auf dem Beifahrersitz dabei gehabt. Ihr Schwiegervater ging laut Landgericht davon aus, der Mann habe den Hund töten wollen. Erregt eilte er zu dessen Wohnung, um ihn zur Rede zu stellen.

Der habe aber nicht geantwortet, worauf der Angeklagte ihn als „Arschloch“ und „Deibel“ bezeichnet habe. Da habe sich der hünenhafte Mann auf den Angeklagten zubewegt. Der habe daraufhin seinen Gehstock geschwungen und ihn an der Schulter getroffen.

Das Landgericht hielt dem Zeugen in zweiter Instanz vor, er habe „schlicht gelogen“, und ging davon aus, dass er den Hund tatsächlich habe töten wollen. Vor Gericht habe er sich außerdem als „greise und gebrechlich“ inszeniert, als Mann, der auf einen Rollator angewiesen sei. Beim zweiten Erscheinen im Gerichtssaal habe er jedoch ohne den Rollator problemlos gehen können.

Das Amtsgericht Bersenbrück hatte den Angeklagten wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurteilt. Die Generalstaatsanwaltschaft Oldenburg hält es für nachvollziehbar, dass das Landgericht vom Vorsatz abrückte. Trotzdem sei das Urteil aufzuheben, erklärte sie beim Oberlandesgericht Oldenburg in einer Stellungnahme zur Revision, die der Angeklagte anstrebte. Das Gericht habe zwar auf fahrlässige Körperverletzung erkannt, dies aber nicht ausreichend begründet. Die Beleidigung hingegen sei nachvollziehbar. Das Oberlandesgericht folgte dem Antrag der Generalstaatsanwaltschaft und stellte das Verfahren wegen Geringfügigkeit ein.

Dies ist aber wohl noch nicht das Ende der Geschichte. Der Sohn des Angeklagten kündigte gegenüber der Redaktion an, sein Vater wolle den Mann, der ihn beschuldigt hatte, seinerseits wegen Falschaussage verklagen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN