Interview mit Johannes von der Haar Malteser Hilfsdienst in Alfhausen feiert 60-jähriges Bestehen

Von Margarete Hartbecke

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Johannes von der Haar (64) ist Ortsbeauftragter des Malteser Hilfsdienstes in Alfhausen. Foto: Margarete HartbeckeJohannes von der Haar (64) ist Ortsbeauftragter des Malteser Hilfsdienstes in Alfhausen. Foto: Margarete Hartbecke

Alfhausen. Seit 60 Jahren besteht die Alfhausener Ortsgruppe des Malteser Hilfsdienstes. Ihre Arbeit hat in dieser Zeit nichts an Bedeutung eingebüßt, sagt der Ortsbeauftragte Johannes von der Haar. Im Gegenteil. Angesichts der demografischen Entwicklung sei sie wichtiger denn je.

Herr von der Haar, wie lange sind Sie bei den Maltesern?

Seit 50 Jahren. Zum Ende der Schulzeit bin ich eingetreten.

Stört es Sie, wenn viele Alfhauser Sie sofort mit den Maltesern in Zusammenhang bringen?

Wenn man solange dabei ist und im Laufe der Jahre viele Bereiche abgedeckt hat, bleibt das nicht aus. Aber es gibt so viele Weggefährten, die ebenfalls dazugehören. Unsere Ortsgruppe ist breit aufgestellt, wir haben viele Ansprechpartner, und schön wäre es, wenn die Außenwahrnehmung nicht an einigen wenigen Gesichtern festgemacht würde.

Welche Bereiche haben in den sechs Jahrzehnten kontinuierlich ihre Bedeutung behalten?

Jugendarbeit und Ausbildungen hat es immer schon gegeben, ebenso den Katastrophenschutz und den Sanitätsdienst. Trotzdem sind diese Bereiche so aktuell wie eh und je. Als es vor kurzem Hitzeprobleme bei Kindern in der Artland Arena gab, waren die Malteser vor Ort, ebenso beim Stockcar-Rennen in Hesepe oder beim Judoturnier in Alfhausen.

Also gibt es wenig Veränderung in der Arbeit der Ortsgruppe?

Ganz im Gegenteil. Hospizdienst und Schulsanitätsdienst gibt es erst seit gut zehn Jahren, den First Responder seit etwa 15 Jahren. Gerade hier im weitläufigen ländlichen Raum ist es besonders wichtig, die „Ersteintreffenden Retter“, wie man sie übersetzen könnte, vor Ort zu haben.

Welche Bereiche boomen im Moment?

Die Schwesternhelferinnenausbildung gibt es zwar schon seit 20 Jahren, aber erstmalig bieten wir einen zweiten Kurs pro Jahr an. Die Nachfrage ist einfach so groß. Und natürlich auch der Bedarf an gut ausgebildetem Pflegepersonal.

Wo muss in Zukunft außerdem mehr gemacht werden?

Die demografische Entwicklung zeigt ganz klar, dass die Menschen immer älter werden und damit auch mehr Hilfe gebrauchen. Das ist schon so lange bekannt, aber auf einmal versuchen viele Politiker, das von jetzt auf gleich regeln zu wollen. Betreuungsangebote kann man aber nicht aus dem Boden stampfen, die müssen wachsen. Den Hausnotruf bieten wir seit 20 Jahren an, der mobile Einkaufswagen fährt seit zwei Jahren. Das Café Malta ist unser jüngstes Kind. Es ist gedacht für Menschen mit leichter Pflegebedürftigkeit. Da wird noch vieles hinzukommen müssen. An diese Angebote müssen sich die Menschen, für die sie gedacht sind, auch gewöhnen, am besten schon frühzeitig. Da tun sich viele schwer. Sie meinen, dass das noch nichts für sie ist, weil noch nicht die blanke Not herrscht. Aber die vielen verschiedenen Schlagwörter, die die Arbeit der Malteser im Laufe der Jahrzehnte beschrieben haben, zeigen, worauf es ankommt. „Weil Nähe zählt“, ist so ein Schlagwort. Oder „Not erkennen und Nähe geben“ und „Malteser ist man nie allein“. Geselligkeit, miteinander reden und was Neues sehen und hören sind in jedem Lebensalter wichtig. Wir müssen uns auch zukünftig noch mehr auf die Ehrenamtlichen einstellen und hier noch attraktiver werden, noch mehr Gemeinschaft bieten. Menschen wollen schließlich bei den Maltesern nicht nur sinnvolle Arbeiten machen, sondern auch etwas lernen oder auch ein Zugehörigkeitsgefühl erleben. Das haben wir aber mit einem tollen Ehrenamtsprogramm im Blick.

Wie können sich Betroffene oder Angehörige über die Angebote informieren?

Sie können sich immer an die Ortsgruppe wenden, telefonisch oder persönlich. Aktuell geht das auch am Sonntag, 24. Juni. Anlässlich unseres 60-jährigen Bestehens feiern wir dann unser Diözesan-Johannesfest. Es beginnt um 9 Uhr mit der Messe in der St.-Johannis-Kirche. Ab 12 Uhr präsentieren wir unsere Dienste bei einem Tag der offenen Tür. Da freuen wir uns schon auf viele Besucher und auf gute Gespräche.


Zur Person

Johannes von der Haar (64) ist seit 1987 Ortsbeauftragter des Malteser Hilfsdienstes in Alfhausen. 1967 trat er als 13-Jähriger der Ortsgruppe bei, ab 1981 war er stellvertretender Ortsbeauftragter.

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