CDU: Zu hohe Kosten Weiter Streit um Alfsee-Projekt „Nuba“

Von Martin Schmitz und Heinz Benken

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Der virtuelle Altkreis: Eine „begehbare“ Karte im Natur- und Bildungszentrum soll die Region rund um den Alfsee mit ihren Sehenswürdigkeiten vorstellen. Besucher können Informationen auf einem Bildschirm abrufen. Zeichnung: PlaniosDer virtuelle Altkreis: Eine „begehbare“ Karte im Natur- und Bildungszentrum soll die Region rund um den Alfsee mit ihren Sehenswürdigkeiten vorstellen. Besucher können Informationen auf einem Bildschirm abrufen. Zeichnung: Planios

Bersenbrück/Rieste. Das Natur- und Bildungszentrum am Alfsee (Nuba) bleibt umstritten in der Samtgemeinde Bersenbrück. Die CDU sperrt sich aus Kostengründen. Sie „verkennt die Chancen und Potenziale“, wirft ihr Samtgemeindebürgermeister Horst Baier vor.

1,6 Millionen soll die Sanierung der seit Jahren leer stehenden Segelschule auf dem Deich am Alfsee kosten, erklärte am Montag Reinhold Heidemann vor dem Ausschuss für Feuerwehren, Umwelt, Soziales, Wirtschaft, Tourismus und Kultur. Für die Ausstellung sind noch einmal 660000 Euro fällig, Foyer und Außenanlagen beziffert Heidemann auf 130000 Euro. 1,23 Millionen Euro Fördermittel seien in Aussicht gestellt.

Die Biologische Station Haseniederung will das Nuba zur Umweltbildung nutzen. Die Ausstellung soll den Alfsee vorstellen und touristische Sehenswürdigkeiten der Region. Norbert Niedernostheide von der Biologischen Station und Architekt Martin Ferner stellten dem Ausschuss Umbaupläne und Konzept vor.

Das Projekt wurde kürzlich bereits am Alfsee öffentlich vorgestellt und löste dort Zustimmung und Begeisterung aus. In Bersenbrück dominiert aber die Kostenfrage die Debatte. Die jährlichen Betriebskosten schätzt Heidemann auf 60- bis 100000 Euro. Die Einnahmen seien nicht zu kalkulieren, weil niemand wisse, wie viele Besucher das Zentrum anziehe.

Die CDU-Vertreter Dennis Lindemann, Axel Meyer zu Drehle und Gerd Uphoff (CDU) befürchten eine finanzielle Last für die Samtgemeinde. Dem Ausschussvorsitzenden Zeljko Dragic (SPD) zufolge seien die Kosten großzügig angesetzt, dürften eher niedriger liegen. Die Sache wurde zur Beratung in die Fraktionen des Samtgemeinderates überwiesen.

Zwischenzeitlich hatte Samtgemeindebürgermeister Baier die Gemeinden Alfhausen und Rieste als Seeanrainer aufgefordert, sich am Projekt finanziell zu beteiligen. Der Alfhausener Gemeinderat hatte das mit Verweis auf die angespannte Haushaltslage der Gemeinde abgelehnt. Edith Kormann (SPD) forderte im Gemeinderat zumindest eine symbolische Summe. Hermann Meyer (CDU) und Richard Kock (BLA) betonten, das Problem seien nicht Baukosten, vielmehr hohe Betriebskosten.

Laut Bürgermeister Sebastian Hüdepohl hat Horst Baier das Nuba auch in einer internen Sitzung dem Gemeinderat Rieste vorgestellt. Nun müssten Fraktionen und Gremien sich damit befassen, mit einer Entscheidung rechnet er frühestens im August oder September.

In einer Presseerklärung warnt die CDU-Fraktion im Samtgemeinderat vor „überlaufenden Kosten“. Weil Fördergelder ausblieben, müsse die Samtgemeinde ihren Anteil an den Baukosten um 800000 Euro nach oben schrauben. Das bedeute „eine unzumutbare Belastung für den Samtgemeindehaushalt“. Die Betriebskosten schätze die Verwaltung auf 70000 Euro pro Jahr. Laut CDU könne sie aber 130000 Euro überschreiten. Die Christdemokraten fordern Baier auf, mit den Gemeinden Rieste und Alfhausen Alternativen für die Segelschule zu finden, schlagen eine Seniorenresidenz oder einen Jugendzeltplatz vor.

Jugendzeltplatz oder Seniorenresidenz?

Für einen Jugendzeltplatz sei der Alfseedeich nicht geeignet, entgegnet Baier. Und für Seniorenwohnungen sei der Punkt zu isoliert und abseits gelegen.

Die Baukosten des Nuba würden zur Hälfte und die der Ausstellung bislang zu 65 Prozent von der EU übernommen. Weiter sei es gelungen, zwei Zeitstellen für Fachpersonal über EU- und Landesmittel finanziert zu bekommen. Im Moment sei die Samtgemeinde dabei, Stiftungen auf weitere Fördermittel anzusprechen. „Von einer unzumutbaren Belastung des Samtgemeindehaushaltes kann keine Rede sein“,erklärt Baier. Die finanzielle Situation der Samtgemeinde habe sich stark verbessert. Die CDU richte ihren Blick ausschließlich auf die Kosten und verkenne die Chancen und Potentiale des Projektes.


Pressemitteilung der CDU: Keine überlaufenden Kosten am Alfsee

„Die CDU-Fraktion in der Samtgemeinde Bersenbrück sieht die Errichtung eines Natur- und Bildungszentrums (NuBA) am Alfsee im aktuellen Planungsstand als nicht finanzierbar an. Bereits seit Längerem ist bekannt, dass ein Großteil der geplanten Fördergelder nicht zur Verfügung stehen wird. In entsprechender Konsequenz mussten die Belastungen für die Samtgemeinde auf fast 800 T€ € nach oben korrigiert werden. In den ersten Ausführungen zu diesem Projekt aus Februar 2017 wurde die Realisierung an eine „nennenswerte Förderung“ gekoppelt und die Überarbeitung des Konzeptes zugesagt, sollten die „geplanten Fördersummen nicht eingeworben werden können“. Zum aktuellen Zeitpunkt, an dem sich eine Förderung der Immobilie als schwierig erweist, sollen diese Mehrkosten einfach durch die Bürgerinnen und Bürger der Samtgemeinde getragen werden. Hier sieht die CDU eine unzumutbare Belastung auf den Haushalt der Samtgemeinde in den kommenden Jahren. Die nach aktuellem Stand jährlich anfallenden Betriebskosten, die nach Planungen der Verwaltung bis zu 70 T€ betragen werden, werden nach Einschätzungen der CDU jedoch die Grenze der 130T € unter Umständen überschreiten. Ein großes Problem hierbei sehen wir in der unrealistischen Einschätzung der Einnahmen. Sowohl die Besucherzahlen als auch die Vermittlungsprovisionen für Hotel und Gastronomie sind unrealistisch hoch. Darüber hinaus müsste, um das Budget des Projektes einzuhalten, auf den Einbau eines Aufzuges verzichtet werden. Eine Realisierung ohne vollständige Barrierefreiheit ist aus unserer Sicht jedoch nicht zu akzeptieren. Die Gruppe der CDU und FDP in der Samtgemeinde Bersenbrück sieht das Projekt als nicht realisierbar an und fordert den Samtgemeindebürgermeister Baier dazu auf, gemeinsam mit den Anrainergemeinden Alfhausen und Rieste eine alternative Nachnutzung des alten Bootshauses zu erarbeiten. Besonders im Rahmen der Dorferneuerung haben sich in den Orten intensive Diskussionen über den Bedarf verschiedener Projekte entwickelt. Von der Errichtung eines Jugendzeltplatzes bis hin zur Seniorenresidenz sollte keine Idee einfach verworfen werden. Die Samtgemeinde ist jetzt am Zug, Verantwortung zu übernehmen und die Notbremse zu ziehen.“

Stellungnahme des Samtgemeindebürgermeisters Horst Baier dazu: „Samtgemeindebürgermeister Baier teilt nicht die Auffassung der CDU einer fehlenden Finanzierbarkeit des geplanten Naturschutz- und Umweltbildungszentrums am Alfsee. Die Baukosten werden zu 50 % und die Ausstellung bislang zu 65 % von der EU gefördert. Weiterhin ist es gelungen, zwei Stellen über EU- und Landesmittel für Fachpersonal finanziert zu bekommen. Im Moment ist die Samtgemeinde dabei, verschiedene Stiftungen auf weitere Fördermittel anzusprechen. „Von einer unzumutbaren Belastung des Samtgemeindehaushaltes, wie es hier behauptet wird, kann keine Rede sein“, findet Baier. Die finanzielle Situation der Samtgemeinde hat sich stark verbessert und lässt es zu, sich in Kooperation mit der Biologischen Station Haseniederung beim Thema Umwelt und Naturschutz zu engagieren. Die CDU richtet ihren Blick ausschließlich auf die Kosten und verkennt die Chancen und Potentiale des Projektes. „Durch ein Naturschutz- und Bildungszentrum am Alfsee können wir einen aktiven Beitrag zur Umweltbildung für Schulklassen und zur Verbesserung des Zustandes der Natur in der Region leisten. Darüber hinaus wird die geplante moderne interaktive Ausstellung ein Anziehungspunkt für Touristen werden und die gesamte Region bereichern“, so Baier. Auch die Heimatvereine in Alfhausen und Rieste haben das große Potential für die Vermittlung von lokaler Geschichte erkannt. Weiterhin ist die Ausstellung komplett barrierefrei gestaltet. Auch die Alfsee GmbH wird durch das neue Zentrum mehr Gäste bekommen.

> Baier befürchtet auf Dauer ein Bauruine auf dem Deich des Alfsees mit abschreckender Wirkung auf die Touristen, wenn mit dem leerstehenden Bootshaus nichts passiert. Die ins Spiel gebrachten Alternativen Jugendzeltplatz oder Seniorenresidenz sind aus Sicht von Baier untaugliche Vorschläge für eine Nachnutzung. Ein Wohngebäude für Senioren an der Stelle dürfte baurechtliche Probleme beinhalten und biete auch keine enge Anbindung an den Ortskern. Hier ist eher ein Standort in der Mitte von Rieste zu empfehlen. Ein Blick auf den Jugendzeltplatz in Ankum zeigt auch sehr schnell, dass der Deich aufgrund der Platzsituation völlig ungeeignet ist. Die Samtgemeinde möchte gerne die Verantwortung für die Weiterentwicklung des Tourismus in der Region übernehmen. Vorschläge für alternative Nutzungen hätten in den vergangenen Jahren schon längst von der Lokalpolitik gemacht werden können. Mangels Vorschlägen und Initiativen vor Ort ist schließlich die Samtgemeinde mit einem Nutzungskonzept in die Diskussion gegangen, dass überregional schon hohe Anerkennung bekommen hat.„

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