Nina Schulterobben informiert Trage-Spaziergang mit Babys in Ankum

Von Miriam Heidemann

Nina Schulterobben (Vierte von links) klärte über Möglichkeiten des Tragens auf. Foto: Miriam HeidemannNina Schulterobben (Vierte von links) klärte über Möglichkeiten des Tragens auf. Foto: Miriam Heidemann

Ankum/Bersenbrück. Bei bestem Frühsommer-Wetter trafen sich junge Mütter und Väter aus dem Altkreis Bersenbrück zum zweiten Trage-Spaziergang am Ankumer See. Trageberaterin Nina Schulterobben initiierte die gemeinsamen Treffen, um über Vorteile und Möglichkeiten des Babytragens zu informieren. Außerdem konnten die Teilnehmer Tücher und Tragehilfen ausprobieren.

„Das Tragen kann die Entwicklung des Kindes auf verschiedenen Ebenen positiv beeinflussen. Da die Kleinen ihre Umgebung ganz anders wahrnehmen, als wenn sie beispielsweise im Kinderwagen liegen“, sagt Schulterobben. So würden etwa sensorische und motorische Fähigkeiten zusätzlich gefördert. Die Trageberaterin sieht im Tragetuch deshalb auch eine gute Alternative zum ständigen Liegen des Säuglings im Kinderwagen.

Die Meinungen zum Tragekonzept gehen auseinander. Schon die Ankündigung zu Schulterobbens erstem Trage-Spaziergang im April zog kontroverse Kommentare nach sich. „Blödsinn“ ist einer davon. Dabei möchte Schulterobben mit gesellschaftlichen Vorurteilen aufräumen. Das längere Tragen des Säuglings – etwa beim Spaziergang oder beim Einkauf – sei schließlich kein „verwöhnen“, sondern ganz natürlich, wie die Mutter von zwei Kindern erklärt. „Getragen zu werden kommt dem Bedürfnis nach Nähe und Zuwendung der Kleinen entgegen, aber dieses ist für eine gesunde Entwicklung genauso wichtig wie Essen und Trinken“, so die Trageberaterin. Natürlich könnten Eltern ihrem Kind auch ohne Tuch oder Trage diese Nähe geben, dennoch habe das Tragekonzept viele Vorteile für Kind und Mutter.

Die gebürtige Bersenbrückerin ist hauptberuflich Lehrerin und derzeit in Elternzeit. Das Tragen habe sie bereits während ihrer ersten Schwangerschaft für sich entdeckt. Damals lebte sie noch in Berlin, wo das Tragekonzept bereits bekannter ist. „Die Möglichkeit meine Tochter fast so nah bei mir zu haben, wie während der Schwangerschaft, tat sowohl mir als auch meiner Tochter gut“, sagt Schulterobben über ihre eigenen ersten Erfahrungen mit dem Tragen. Bald ließ sie sich als zertifizierte Trageberaterin ausbilden und machte so ihre Leidenschaft zum Nebenberuf. Vor gut einem Jahr kehrte Schulterobben mit ihrer Familie zurück in die ländliche Heimat nach Ankum und bietet nun für Eltern und Familien in der Samtgemeinde ihre Trageberatung an.

Wissenschaftliche Studien zum Tragekonzept

„Ein gut gebundenes Tuch ist genau gemacht für die natürliche Haltung des Kindes“, so Schulterobben. Sie sieht das Getragen werden als ein Grundbedürfnis der Babys. Darauf verweise schon der Greifreflex oder das unwillkürliche Anwinkeln der Beine beim Hochheben der Säuglinge.

Verschiedene wissenschaftliche Studien beschäftigen sich mit dem Tragekonzept aus kinderärztlicher Sicht. Schon eine kanadische Studie der Forscher Dr. Urs Hunziker und Dr. Ronald Barr von 1986 untersuchte die Schrei-Gewohnheiten von Säuglingen im Alter von bis zu vier Monaten. Dabei stellten die Kinderärzte fest, dass Babys, die häufiger getragen wurden, insgesamt weniger schreiten.

Auch in der Verhaltensforschung wird das Tragen thematisiert. „Der menschliche Säugling zeigt verhaltensbiologisch auch heute noch seine Zugehörigkeit zum Jungentypus Tragling“, schreibt die Verhaltensbiologin Evelin Kirkilionis in ihrer Dissertation „Der menschliche Säugling als Tragling. Dies gehe aus dem Bedürfnis des Säuglings nach Anwesenheit der Betreuungsperson hervor. Die kulturelle Entwicklung unserer Gesellschaft habe ihn jedoch fälschlich zum Nesthocker „gemacht“.

Am 9. Juni Trage-Spaziergang in Bersenbrück

Mit ihrer Trageberatung möchte Schulterobben besonders Neu-Eltern helfen. So zeige sie unterschiedliche Techniken und helfe, die besten Tragepositionen für Kind und Bezugsperson zu finden. Dabei sei das Tragen im Tuch nicht nur praktisch im Alltag, sondern auch angenehm für Kind und Mutter. „Im Vergleich zum Tragen auf dem Arm schont das Tragetuch nämlich Rücken und Beckenboden des Träger“, so Schulterobben. Gerade für Frauen nach der Geburt sei dies vorteilhaft. Auch das Stillen des Säuglings könne im Tuch vorgenommen werden.

Die jungen Mütter und Väter beim Trage-Spaziergang in Ankum zeigten viel Bedarf, sich auszutauschen. Auch konnten verschiedene Tragehilfen anprobiert werden. Ein weiterer Trage-Spaziergang findet am Samstag, 9. Juni in Bersenbrück statt. Treffpunkt ist am Bersenbrücker Bahnhof um 10 Uhr. Nähere Informationen unter Telefon 015783449039.