Wiedergeburt als „Museum im Kloster“ Die Tage des Bersenbrücker Kreismuseums sind gezählt

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Bersenbrück. Die Tage des Kreismuseums sind gezählt. Am 27. Oktober soll es in Bersenbrück nach Erneuerung und Umgestaltung als „Museum im Kloster“ wiedereröffnet werden.

Zur Namensgebung, teilt der Landkreis Osnabrück mit, habe man sogar einen Marketingexperten hinzugezogen. Von Hermann Kuhl und seiner Agentur Kuhl|Frenzel stamme auch die Idee, das erste „u“ im Wort Museum auf den Kopf zu stellen.

Der neue Name, erläutert Fabian Schröder vom Kulturbüro des Landkreises, soll ein Missverständnis aus der Welt schaffen. Das Museum im Äbtissinnenflügel des ehemaligen Bersenbrücker Klosters war nie ein „Museum des Landkreises Osnabrück“, wie es zum Schluss hieß. Es war auch nie ein Bersenbrücker Museum, weshalb Bersenbrück im neuen Namen gar nicht mehr auftaucht. Es war vielmehr das Heimatmuseum des Kreises Bersenbrück, das der Landkreis Osnabrück getreulich weiterbetrieb, als 1972 der Kreis Bersenbrück mit drei anderen zusammen im Großkreis Osnabrück aufging.

Geschichte neu erzählen

Mehr als eine Generation danach schwindet die Erinnerung an das mittlerweile historische Gebilde Kreis Bersenbrück. Also muss man seine Geschichte neu erzählen, weniger aus der Sammlung des Museums heraus, sondern mit dem Gebäude, mit dem seine Geschichte untrennbar verknüpft ist, da sind sich Museumsexperte Schröder und Historiker Arnold Beuke einig.

Der Landkreis saniert, baut um, reißt den Anbauflügel komplett ab und schafft ein regionales Bündnis mit den fünf Großgemeinden im Altkreis und der Heimatbewegung, das das Haus tragen soll. Museumsexperten und Freiwillige, erläutern Schröder und Franz Buitmann aus dem Kuratorium, wollen die Geschichte neu erzählen, die das Museum zu erzählen hat. Im Mittelalter hemmte das Kloster die Entwicklung Bersenbrücks, lässt sie sich zusammenfassen. Doch in der Neuzeit gab der Klosterbau den Ausschlag, hier eine Verwaltung unterzubringen. Eines kam zum anderen, und als Verwaltungssitz stieg Bersenbrück zur Stadt auf.

Gebäude wird zum Star

Also wird das Klostergebäude mit Kirche und seinen Flügeln aus unterschiedlichen Epochen zum Star. Seine Geschichte erzählen drei Persönlichkeiten, die hier wirkten, angefangen mit Sophia von Moltke, einer der bekanntesten Äbtissinnen aus der Klosterperiode, Theobald Niemeyer, der als Amtmann am Übergang zwischen aufgelöstem Kloster und Sitz einer Amtsverwaltung steht. Und da wäre Hermann Rothert, der für sich in Anspruch nimmt, als „Landrat aus einem Wegebauverband einen echten Kreis“ gemacht zu haben, und der mit dem 1924 eröffneten Museum die Meistererzählung des Kreises Bersenbrück geschaffen hat.

Das Plakat zur Neueröffnung präsentieren (von links) Burkhard Fromme (Kulturbüro), Landrat Michael Lübbersmann, Hermann Kuhl (Agentur Kuhl|Frenzel) und Fabian Schröder (Kulturbüro). Foto: Uwe Lewandowski/Landkreis

Die bauliche Erneuerung bringt das Haus museumstechnisch auf den Stand der Zeit. Es erhält einen museumspädagogischen Raum für die Arbeit mit Kindern, einen Aufzug bis ins Dachgeschoss, ein Café, das um eine Außenterrasse ergänzt werden soll, aktuelle Medientechnik, einen neuen Eingang an auffälliger Stelle.

Zugleich rücken die Macher Dinge ins Licht, die in den Zwanzigerjahren für das Museum verschwanden. Der erste Sitzungssaal des Kreistages kommt wieder zum Vorschein und die Dienstwohnung des Landrates. Der Besucher geht über grob behauene Dielenbretter, über sich die Deckenbalken des Klosterbaus. Die vollgestellte Bauerndiele im ersten Stock präsentiert sich luftig aufgeräumt. Sie lässt auch einen Blick zu auf das Gemäuer dahinter zu, löst die Illusion auf, sich tatsächlich auf einem Bauernhof zu befinden. Von einer raffinierten Fiktion führt der Weg zur wahren Geschichte.


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