Brinkmannns Studienreisen Bersenbrücker lernen das „arabische“ Sizilien kennen

Von Martin Schmitz


Bersenbrück/Palermo. Sie brachen auf, eine italienische Insel kennenzulernen. Und landeten in einer arabischen Stadt.

Nein, kein Navigationsfehler: die Studiengruppe, mit Franz Brinkmann aus Bersenbrück aufgebrochen, startete ihre Rundreise durch Sizilien wie geplant in der Hauptstadt Palermo. Dort lernte sie als Erstes, dass die Stadt arabische Wurzeln hat, weil die „Sarazenen“ die Insel 250 Jahre lang beherrschten, nach Griechen, Phöniziern, Römern und Byzantinern. Noch heute gibt es dreisprachige Straßenschilder in der Altstadt mit arabischen und hebräischen Schriftzeichen. Und Straßenmärkte, die an orientalische Souks erinnern.

Nicht zu vergessen Kirchen, die byzantinische Stilelemente mit islamischen mischen und mit Mäandermustern nach Wikingerart unterlegen. In der Kathedrale von Monreale schaut ein riesiger Christus Pantokrator von der Apsis auf die Gläubigen, der Bart muslimisch, die Nase griechisch, und die golddurchwirkten Haare wirken normannisch-blond.

Wie im Mittelalter üblich spiegelt die Kirchenkunst auch politische Propaganda, hier den Herschaftsanspruch normannischer Eroberer über Muslime, Christen und Juden auf der Insel. Zum Zeitpunkt der Eroberung waren die Normannen längst keine tumben Piraten mehr, sondern fähige Staatengründer, bestens vernetzt mit europäischem Hochadel und Papst. Sie brachten Unteritalien und Sizilien an sich und zementierten damit die auf die Langobardeninvasion zurückgehende Zweiteilung Italiens, die noch heute nachwirkt: hier der rückständige arme Süden, dort der aufstrebende, wirtschaftlich-dynamische Norden.

Die Reisenden lernten Städte wie Catania und Syrakus kennen, genossen vom Hotel in den Klippen über Taormina einen traumhaften Blick auf den schneebedckten Kegel des Ätna. Sie rückten dem Vulkan auf die Flanke.

Sie setzten sogar bei Messina über das Meer und fuhren 500 Kilometer die Küste herauf, Neapel kennenzulernen, Metropole des anderen Siziliens zu Füßen des tückischen Vesuvs vor den Bergen Kalabriens. Mit engen Gässchen, die Südoldenburgs bester Busfahrer in Millimeterarbeit bewältigte. Sizilien ist komplizierter und sogar noch schöner als gedacht. Und allemal eine Reise wert.