Interview mit Reinhard Hagen Keine rechtliche Handhabe gegen Thiener Straßenstrich

Von Martin Schmitz


Alfhausen. Polizei und Ordnungsämter könnten Regeln setzen für Straßenstriche wie im Thiener Feld und ihre Einhaltung kontrollieren, sagt Reinhard Hagen von der Polizei. Verbieten könne sie die Prostitution aber nicht.

Herr Hagen, was sagen Sie zur Idee eines Sperrbezirks an der B 68?

Vorbehaltlich der Prüfung durch die Polizeidirektion Osnabrück gibt es für einen Sperrbezirk aus meiner Sicht kaum ausreichende Gründe. Als Polizei müssen wir uns an die gesetzlichen Vorgaben halten, und die sind eng. Der Müll an und für sich ist kein Grund für ein Verbot. Der Jugendschutz dürfte außerhalb einer geschlossenen Ortschaft und ohne Schule oder Kindergarten in der Nähe nicht gefährdet sein. Was die Verkehrsgefährdung betrifft: Seit 2016 hat es in diesem Abschnitt zwei Unfälle gegeben, beide sind auf Abbiegefehler zurückzuführen. Von einem Unfallschwerpunkt kann also auch nicht die Rede sein.

Was kann man dann tun?

Zunächst ist festzustellen, dass wir für die Verfolgung von Straftaten zuständig sind und vorrangig die Kommunen für Gefahrenabwehr. Wir stehen in Kontakt mit den Ordnungsämtern in Bramsche und der Samtgemeinde Bersenbrück, auch mit dem für das Prostitutionsschutzgesetz zuständigen Landkreis Osnabrück. Mit den Ordnungsämtern gab es einen Ortstermin, um sich ein Bild zu verschaffen. Das mit der Vermüllung kann man in den Griff kriegen. Werden Prostituierte diesseits des Parkplatzes im Thiener Feld angetroffen, werden sie angesprochen. Es soll verhindert werden, dass die Prostitution sich bis zur geschlossenen Ortslage Alfhausens ausbreitet. Ebenso werden auch Frauen, die in der Kurve südlich der Parkplätze stehen, aufgefordert sich woanders hinzustellen. Dort könnten sie nämlich tatsächlich Autofahrer ablenken, sodass es zu Unfällen kommen könnte.

Was sagen Sie zum Vorwurf der Zwangsprostitution und Zuhälterei?

Das lässt sich dort nicht feststellen, die Damen scheinen freiwillig da zu sein, das geben sie zumindest bei Befragungen an. Umgekehrt muss man aber auch feststellen, dass es offensichtlich einen Bedarf gibt. In den Foren im Internet werden Tipps ausgetauscht, viele suchen Straßenstriche bewusst auf, auch wenn die Bedingungen, man muss es leider sagen, eher suboptimal sind.

Hilft das Prostituiertenschutzgesetz?

In Kraft getreten ist es im Juli 2017, es braucht Zeit für die Umsetzung. Gerhard Bojara, Leiter des Gesundheitsdienstes, hat die Zahl der Prostituierten in der Region auf 400 geschätzt. Angemeldet seien 17. Die meisten Prostituierten wissen gar nicht, dass sie sich anmelden müssen. Deshalb habe ich einen Flyer angeregt, der Rechte und Pflichten in mehreren Sprachen aufführt. Darum will sichder Landkreis jetzt kümmern.


Zur Person

Reinhard Hagen (60) ist Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes des Polizeikommissariats Bersenbrück mit dem Rang eines Ersten Kriminalhauptkommissars.