„Wirtschaft 4.0“ Bersenbrück: Statt Amazon Amazone-Werke als Vorbild

Von Burkhard Dräger

Simon Hagen und Ewald Beelmann (von links) in der sechsten Veranstaltung der Reihe „Wirtschaft 4.0 im Nordkreis“, in der es um Digitalisierung ging. Foto: Burkhard DrägerSimon Hagen und Ewald Beelmann (von links) in der sechsten Veranstaltung der Reihe „Wirtschaft 4.0 im Nordkreis“, in der es um Digitalisierung ging. Foto: Burkhard Dräger

bdr Bersenbrück. Um „Smart Services“ als Geschäftsmodell für produzierende Unternehmen ging es im letzten Teil der sechteiligen Reihe „Wirtschaft 4.0 im Nordkreis“ im Medienforum Bersenbrück.

Der Bersenbrücker Samtgemeindebürgermeister Horst Baier kündigte vor rund 30 Teilnehmer an, dass die Samtgemeinde eine Offensive „digitales Rathaus“ plane, die mehr Online-Anträge ermöglichen solle und die digitale Kommunikation mit der Kommune benutzerfreundlicher machen solle. Er dankte den Wirtschaftsförderern des Osnabrücker Nordkreises, dass sie die Reihe „Wirtschaft 4.0 im Nordkreis“ initiiert hatten. Ewald Beelmann, Wirtschaftsförderer der Samtgemeinde Bersenbrück, teilte mit, die Wirtschaftsförderer überlegten, die Reihe fortzusetzen.

Als Referent stellte Simon Hagen das Forscherteam IMWI (Informationsmanagement und Wirtschaftsinformatik) der Uni Osnabrück vor, dem er angehört. Es entwickelt Strategien für Unternehmen, Smart Services genannt.

IMWI gehört mit 30 Praxispartnern zum Innovationsverbund „Smart Hybrid“. Der hat die Erforschung und Entwicklung innovativer produktbegleitender Dienstleistungen und Unterstützung bei der Einführung von hybriden Leistungssystemen zum Ziel. Dieses von der EU geförderte Projekt kann von Firmen kostenlos genutzt werden, wobei für jede beteiligte Firma ein „Werkzeugkasten“ erarbeitet wird.

Technikerschulung mit Datenbrille

Produzierende Unternehmen, so Hagen, die auch künftig erfolgreich sein wollten, müssten die industrielle Wertschöpfung so eng mit der Dienstleistung verzahnen, dass sie den Kunden statt Produkte mit einem zusätzlichen Nutzen verkaufen und so ihr Angebot um Dienstleistungen erweitern.

Die Digitalisierung schreite immer schneller voran, digitale Technologien verändern die Wertschöpfungsketten. Das hybride Wertschöpfungssystem sei das System der Zukunft, wobei das Praxisprojekt „Pipe“ das Produkt mit der Wartung verbinde und so erhöhte Nutzung, Prozessoptimierung, Aufbau von Knowhow, verlängerte Wertschöpfung und Kundenbindung erwarten lasse.

Rolls-Royce zum Beispiel testet ein Triebwerk mit Bauteilen aus dem 3D-Drucker, was die Produktionszeit um 30 Prozent verkürzen soll. Ein weiteres Beispiel sei die Digitalisierung der Aus- und Weiterbildung beim Landmaschinenhersteller Amazone mit Datenbrillen (Smart Glasses). Drei Jahre brauchte die Entwicklung dieses Systems, das auf andere Projekte übertragbar ist. Servicetechniker aus der ganzen Welt kommen zur Schulung nach Hasbergen-Gaste.