Unterhaltsam wie Kabarett Bersenbrücker Sparkassenforum mit Wolfgang Bosbach

Von Sigrid Schüler

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Wolfgang Bosbach (links, hier im Gespräch mit Andreas Franik) zu Gast im Sparkassenforum der Kreissparkasse Bersenbrück. Foto: Sigrid SchülerWolfgang Bosbach (links, hier im Gespräch mit Andreas Franik) zu Gast im Sparkassenforum der Kreissparkasse Bersenbrück. Foto: Sigrid Schüler

Bersenbrück. Der bekannte Unionspolitiker Wolfgang Bosbach war am vergangenen Dienstag zu Gast im Sparkassenforum der Kreissparkasse Bersenbrück. In einem von Moderator Andreas Franik geführten Dialog sprach Bosbach über seinen Lebensweg, das Wesen der Demokratie, über aktuelle Politik und seine Wünsche für die Zukunft.

Franik bereitete mit seinen Fragen einem Mann die Bühne, der mit viel Sachkenntnis begeisternd und humorvoll zu erzählen weiß und dabei immer authentisch ist. Den Zuhörern wurde ein Abend geboten, der mindestens so unterhaltend wie gutes politisches Kabarett war. Schlagfertig und mit Witz warf Bosbach damit einen eigenen Blick auf sein Leben, auf die Geschichte und die Politik.

Gefragt nach seiner Unabhängigkeit in seiner Meinung und Überzeugung erklärte Bosbach, dass es die Aufgabe von Politikern ist, das Vertrauen, welches die Wähler in die Politiker setzen, zu rechtfertigen, und zwar in Wort und Tat. Er habe für sich sagen können: „Die Leute kennen mich und wählen mich trotzdem.“

Bosbach plädierte für einen fairen Umgang miteinander. Keine Partei habe die Wahrheit gepachtet, und in einer Demokratie würden unterschiedliche Auffassungen miteinander ringen. Koalitionen können seiner Ansicht nach gelingen, wenn Übereinstimmung in Sachfragen herrscht und Sympathie und Vertrauen nicht an Parteigrenzen Halt macht. Bei Koalitionsverhandlungen dürfe es keine Sieger und Verlierer geben, erklärte er. Das die Koalitionsverhandlungen nach der jüngsten Wahlen ergebnislos abgebrochen worden seien, sei eigentlich nur für die Deutschen neu gewesen. In Belgien dauere eine Regierungsbildung deutlich länger.

„Demokratie ohne Demokraten funktioniert nicht“

Bosbach sieht die Bundesrepublik als stabil an. In den vergangenen 35 Jahren hat Deutschland nur drei Regierungschefs gehabt. Von 68 Jahren seien für insgesamt 62 Jahre ein Wirtschaftswachstum zu verzeichnen gewesen. Mit den Fragen zum demographischen Wandel stehe das Land natürlich vor großen Herausforderungen. Die Frage Franiks, ob der sich Graben zwischen Wählern und Gewählten vergrößerte, musste Bosbach bejahen. Er stellte fest, dass das Interesse der Bevölkerung an Politik zwar groß sei, aber nur zwei Prozent der deutschen Bevölkerungen seine Mitglied in einer Partei. „Demokratie ohne Demokraten funktioniert nicht“, stellte er fest. Ein Problem sieht Bosbach: Das Durchschnittsalter in Deutschland beträgt 41 Jahre, das der CDU-Mitglieder 61 Jahre. Die politischen Parteien bilden nicht die Bevölkerung ab.

„Neigen die Deutschen zum Jammern?“, lautete eine provokante Frage von Franik. Worauf Bosbach einräumte: „Fröhlichkeit ist nicht die Kompetenz der Deutschen, andere feiern besser.“ Er zog den Vergleich zu Frankreich, wo das Land nach seinen Worten beim Nationalfeiertag vibriert. Hierzulande begehe man den Tag der Deutschen Einheit doch eher „mit Querflöte und Streichquartett“ und immer sehr ernst. Während man sich hierzulande bei der euphorischen Stimmung während einer Fußballweltmeisterschaft frage, ob das nicht aufkommenden Nationalismus sei, würden Menschen aus anderen Ländern sagen: „Schön, die feiern wie wir.“

Enteignung der Sparer

Um die Europäische Union macht sich Bosbach Sorgen. Um in der Welt gehört zu werden, müsse Europa mit einer Stimme sprechen. Er zog den Vergleich: Bei Gründung der europäischen Wirtschaftsunion vor 61 Jahren, hätten die heutigen 28 Mitgliedsstaaten 550 Millionen Einwohner gehabt, und 3,5 Milliarden Menschen seien es weltweit gewesen. Inzwischen hat sich die Weltbevölkerung verdoppelt, und die jetzigen 28 Mitgliedsstaaten haben immer noch die gleiche Einwohnerzahl. Zum ersten Mal scheide nun ein Land aus der Union aus, und es sei eine große Aufgabe, dafür zu sorgen, dass sich alle Länder, auch die kleineren, in der EU wiederfinden. Bosbach befürchtet, dass sich bei einem „Mehr Europa“ die Fliehkräfte weiter erhöhen und auch andere Länder an Austritt denken könnten. Die derzeitige Tätigkeit der Europäischen Zentralbank sieht Bosbach kritisch. Der Auftrag der EZB sei Stabilisierung, aber mit der Null-Zins-Politik werde Staatsfinanzierung betrieben. Das sei eine Enteignung der Sparer, nur der Finanzminister freue sich. Der Bund zahle nämlich 12 bis 13 Milliarden Euro Zinsen weniger als noch vor fünf Jahren.


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