Interview mit Gabriele Linster Bersenbrücker Seniorenbeauftragte fordert mehr Haushaltshilfen für Ältere

Von Martin Schmitz


Bersenbrück. Was muss passieren, damit Senioren möglichst lange selbstständig leben können? Es müsste mehr Haushaltshilfen geben, sagt Gabriele Linster, Seniorenbeauftragte der Samtgemeinde Bersenbrück.

Frau Linster, wie kommen Sie zu Ihrer Schlussfolgerung?

Sie ist ein Ergebnis aus dem Programm Solkos (Sozialer Landkreis Osnabrück). Solkos soll die Versorgung von Älteren auf dem Land verbessern. Dazu soll ein Netzwerk aus ehrenamtlichen und privatwirtschaftlichen Unterstützern aufgebaut werden. Für den Nordkreis koordinieren die Samtgemeinden Artland und Bersenbrück die Bemühungen. Solkos hat eine Datenbasis geschaffen, aus der die Bedarfe der Älteren hervorgehen, Versorgungslücken durch lokale Zusammenarbeit schließen und neue Geschäftsmodelle für eine Grundversorgung auf dem Land erproben.

Wie kommt Solkos an die Datengrundlage?

Über das Entlassmanagement der Krankenhäuser in Ankum und Quakenbrück, deshalb ja auch die Beteiligung der beiden Samtgemeinden. Wenn die Häuser über 80-jährige Patienten oder Menschen mit Hilfebedarf entlassen, wird ein großer Fragebogen abgearbeitet. Im Fragebogen geht es darum, ob er oder sie noch die Mülltonne an die Straße bekommt, ob es vor dem Hauseingang Treppenstufen gibt, die er oder sie nicht mehr bewältigen kann? Die ganzen alltäglichen Dinge, die mit zunehmendem Alter schwerer fallen. Wenn die Kräfte nachlassen, wird irgendwann auch das Staubsaugen sehr mühsam.

Wo stehen Sie im Programm?

Wir haben Schwachpunkte ermittelt und sind damit in die Gemeinden gegangen. Da geht es um Fragen wie die Bargeldversorgung oder soziale Kontakte. Funktioniert die Beratung? Das Treppengeländer vor der Haustür zum Beispiel bezahlen unter Umständen die Krankenkassen. Sämtliche Fragen werden für jede Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde durchgearbeitet, ich gehe mehrfach in jede Gemeinde. Außerdem haben wir Vertreter der Kirchengemeinden und der ambulanten Dienste ins Rathaus zum Gespräch eingeladen. Ergebnis war, dass wir eine gute materielle Versorgung haben, mit Essen auf Rädern zum Beispiel, Tagespflege oder Betreuungsangeboten. Was aber fehlt, ist die Mobilität und dadurch ein Mangel an sozialen Kontakten. Im vorpflegerischen Bereich benötigen Seniorinnen und Senioren oft nur kleine Unterstützungen und die gilt es aufzubauen.

Was wollen Sie dagegen tun?

Wir haben für fast jede Gemeinde gut Lösungen gefunden. Es geht uns darum, die Seniorinnen und Senioren zu stärken und zu unterstützen damit sie ohne Probleme in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können. Dafür bietet die Samtgemeinde Bersenbrück gute Voraussetzungen. In jeder der sieben Mitgliedsgemeinden gibt es Ehrenamtslotsen, die ich auf der Suche nach einem Helfer ansprechen kann. Durch das Büro für Bürgerengagement haben wir die Möglichkeit, interessierte Personen zu Demenz- oder Alltagsbegleitern auszubilden und diese zur Entlastung der pflegenden Angehörigen in den Haushalten einzusetzen. Die wichtigste Aufgabe ist es aber, Personen zu finden, die bereit sind Aufgaben im Haushalt zu übernehmen. Diese Personen müssen einen gerechten Lohn für ihre Arbeit bekommen. Hausarbeit muss wesentlich mehr an Wertschätzung gewinnen, davon häng vieles ab. Da müssen die politischen Gemeinden intensiv zusammenarbeiten mit der Arbeitsagentur, der Maßarbeit der Landwirtschaftskammer, der Berufsschule. Im Grunde bräuchten wir Tageseltern für die Senioren. Wenn wir für alle Dinge im Alltag Hilfe fänden, hätte sich das Programm Solkos gelohnt. Und die Zeit drängt: Die Generation der Babyboomer kommt ins Rentenalter.


Gabriele Linster (61) ist Ehrenamtskoordinatorin und Seniorenbeauftragte der Samtgemeinde Bersenbrück. Mit ihrem Mann lebt sie seit 16 Jahren in Bersenbrück.