„Carements“ als neues Konzept Wie eine Ankumer Firma jungen Pflegebedürftigen helfen möchte

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Die Ankumer Firma Hettwer hat ein Konzept entwickelt, mit dem sie jungen Menschen helfen möchte, die pflegebedürftig sind. Foto: Colourbox.deDie Ankumer Firma Hettwer hat ein Konzept entwickelt, mit dem sie jungen Menschen helfen möchte, die pflegebedürftig sind. Foto: Colourbox.de

Ankum. Die Ankumer Firma Hettwer hat ein Konzept entwickelt, mit dem sie jungen Menschen helfen möchte, die pflegebedürftig sind. „Carements“ sollen die betreuten Wohnanlagen heißen, in denen Personen zwischen 20 und 60 Jahren aufgenommen werden.

Dass es in Deutschland auch viele junge Menschen gibt, die gepflegt werden müssen, werde in der Gesellschaft weitgehend tabuisiert, sagt Andreas Hettwer, Geschäftsführer der Architektur- und Ingenieurfirma. Dabei sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache: Allein in Niedersachsen sind rund 40.000 Menschen zwischen 16 und 60 Jahren pflegebedürftig, in der gesamten Bundesrepublik sind es circa 300.000.

Zehn bis zwölf Bewohner

Bei den „Carements“ geht es laut Hettwer darum, den Bewohnern eine Einrichtung zu bieten, die sich an ihren Bedürfnissen orientieren. „Pflegeheime sind meist auf die Bedürfnisse von Senioren zugeschnitten. Junge Menschen fühlen sich dort oftmals nicht so gut aufgehoben“, so der Geschäftsführer. Doch was soll das Konzept der Firma so besonders machen? In den Einrichtungen sollen Menschen leben, die schwer pflegebedürftig sind. Personen mit einer körperlichen Behinderung, die geistig aber noch fit sind. Ein Vorzug der „Carements“ liegt laut Hettwer in der Größe. „Wir wollen kleine Wohneinheiten schaffen“, sagt Hettwer. Die Gebäude sollen Platz für zehn bis zwölf Bewohner bieten. Durch diese Begrenzung könne sich eine familiäre Atmosphäre, ein Gemeinschaftsgefühl unter den Pflegebedürftigen entwickeln, hofft er. Jedes Zimmer soll mit einem eigenen Bad ausgestattet sein. Hinzu kommt ein Aufenthaltsraum pro „Carement“, der zum Kochen genutzt werden kann, sowie ein Fernsehzimmer.

Ideelle und finanzielle Motivation

Mit diesem Konzept verfolgt die Firma gleich zwei Ziele. Zum einen habe sie eine ideelle Motivation. „Wir möchten jungen Menschen helfen und etwas schaffen, was einen Mehrwert liefert und worauf wir stolz sein können“, sagt Andres Hettwer. Darüber hinaus sollen die „Carements“ einen Ausweg aus der schweren wirtschaftlichen Krise bieten, in der sich die Firma momentan befindet. Vor einigen Wochen hat die Hettwer GmbH beim Amtsgericht Bersenbrück die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Wie Andreas Hettwer damals gegenüber unserer Redaktion erklärte, habe das Unternehmen bei zwei Großprojekten nicht die vereinbarten Zahlungen erhalten.

So sollen die Einrichtungen von außen aussehen. Grafik: Hettwer

Trotz dieser finanziellen Sorgen blickt er optimistisch in die Zukunft – auch wegen des neuen Konzepts. „Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln“, sagt er. Immerhin böten die „Carements“ zahlreiche Vorteile. Für ganz verschiedene Seiten. Für die Bewohner ergebe sich eine erhöhte Lebensqualität, da sie in einer Gemeinschaft mit Menschen in gleichen Lebenslagen leben. Mögliche Investoren können dadurch angelockt werden, dass die Pflegeimmobilien eine langfristig gesicherte Nachfrage liefern würden. „Es ist ein sicheres Anlageobjekt – auch weil der Bedarf an Pflegebedürftigen in der Bevölkerung vorhanden ist“, sagt Hettwer. Wichtig sei ihm aber, dass Investoren in dem Projekt nicht nur eine Möglichkeit sehen, ihr Geld zu vermehren. Vielmehr müssten sie generell von der Idee überzeugt sein und das Konzept mittragen.

Wann startet das Projekt?

Neben den Kunden und den Investoren müssten auch Pflegedienste zur Realisierung der „Carements“ mit ins Boot geholt werden. Diese zeigten sich ebenfalls sehr angetan von der Idee, berichtet der Geschäftsführer. Er hätte zahlreiche positive Rückmeldungen erhalten.

Doch wann kann der Startschuss fallen? „Möglichst schnell“, sagt Hettwer. Derzeit steht er im Kontakt mit Kommunen, Investoren und Pflegediensten. Einige potenzielle Grundstücke, auf denen die Wohnanlagen entstehen könnten, hätte er bereits ins Auge gefasst, berichtet der Geschäftsführer. Dabei möchte er sich auf Standorte in mittelgroßen Städten in Niedersachsen konzentrieren. „Es wäre schön, wenn wir in diesem Jahr noch mit dem Bauen beginnen könnten“, so Hettwer.


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