Weniger Einbrüche Polizeikommissariat Bersenbrück verzeichnet Aufklärungsrekord

Von Martin Schmitz

In den vergangenen zehn Jahren sind die Straftaten im Zuständigkeitsbereich des Polizeikommissariats Bersenbrück stark zurückgegangen. Foto: dpa/Grafik: NOZ, Heiner WittwerIn den vergangenen zehn Jahren sind die Straftaten im Zuständigkeitsbereich des Polizeikommissariats Bersenbrück stark zurückgegangen. Foto: dpa/Grafik: NOZ, Heiner Wittwer

Bersenbrück. Für Einbrecher ist der Nordkreis Osnabrück ein gefährliches Pflaster. In ihren Kreisen scheint sich das herumzusprechen.

In den Samtgemeinden Artland, Bersenbrück, Fürstenau und Neuenkirchen ist 2017 die Zahl der registrierten Straftaten auf einen historischen Tiefstand gesunken, teilt das Kriminalkommissariat Bersenbrück mit. Fast zwei Drittel der Taten werden aufgeklärt, auch das ist Rekord.

3626 Straftaten verzeichnete das Polizeikommissariat, fast fünf Prozent weniger als 2016. Die Aufklärungsquote stieg in dieser Zeit um fast sechs auf 63,6 Prozent. Solche Werte hat es in diesem Jahrtausend zumindest noch nicht gegeben. In den Nullerjahren konnte die Zahl der Straftaten auch schon einmal auf bis zu 5300 pro Jahr steigen. Seit zehn Jahren sinkt sie wieder, zugleich zieht die Aufklärungsquote an auf einen Wert, der jetzt zwei Punkte über dem Landesdurchschnitt liegt.

Da hat die Polizei gute Arbeit geleistet, muss man Oliver Voges und seiner Mannschaft vom Polizeikommissariat Bersenbrück neidlos zugestehen. Der gibt das Kompliment zurück: Auch der Bürger habe entscheidend mitgewirkt.

Das macht der Sektor der Wohnungseinbrüche deutlich, der die positive Tendenz entscheidend mitbestimmt haben dürfte: 2016 gab es 116 Einbrüche in Häuser und Wohnungen. Im Jahr darauf waren es 66. Fast jede dritte Tat wurde aufgeklärt (30,3 Prozent). Das ist fast doppelt soviel wie im Bundesdurchschnitt (16,9 Prozent). Als Gründe nennt Voges noch vor der Ermittlungsarbeit der Polizei die Prävention, für Verbrechensvorbeugung gibt es zum Beispiel in der Samtgemeinde Bersenbrück als Steuerungsgruppe einen Präventionsrat. Auch die Bürger hätten mit dem Einbau von Sicherheitstechnik ihren Anteil an diesem Erfolg gehabt, betont Voges.

Die Anzahl der Körperverletzungen sei mit 343 Fälle nahezu gleich geblieben. Fast alle werden aufgeklärt, bei Tätlichkeiten ist selten der große Unbekannte im Spiel, die meisten ereignen im kleinen Kreis. Wo der Alkohol enthemmt, gerät man sich manchmal auch in die Haare. 2017 kam es in den vier Samtgemeinden zu 17 Raubstraftaten, die Zahl stagniert auf sehr niedrigem Niveau, so die Polizei.

Aber im weltweiten Netz, da geht die Post ab: sei es der beleidigende Post, sei es die Raubkopie von Musik und Filmen oder das Ordern von Waren ohne zu bezahlen. „Es wird den Leuten zu leicht gemacht“, kritisiert der Polizeichef. Die Zahl der Internetdelikte stieg in seinem Revier 2017 um mehr als ein Viertel auf 307.

Dann gibt es noch das Feld der häuslichen Gewalt. 2016 ging die Fallzahl leicht zurück auf 116. 2017 stieg sie auf 126. Was sagt das über das Dunkelfeld? Die Kriminalstatistik nennt schließlich nur die Zahl der erfassten Fälle. Ein Grund könnte sein, dass mehr Familien mit Migrationshintergrund zugezogen seien, vor allem im Artland, sagt Voges. Doch wenn es in den Familien oder Paarbeziehungen kracht, hat die Polizei mehr Möglichkeiten, kann Hausverbote aussprechen, hat effektive Netzwerke mit den Helfern geschaffen. Und ihre eigene Arbeit deutlich verbessert, erklärt Chefermittler Reinhard Hagen, der die Vorstellung der Statistik begleitet: Fälle häuslicher Gewalt in den vier Samtgemeinden würden zentral in Bersenbrück bearbeitet. Für jeden Täter gebe es eine Risikoprognose, werde abgeschätzt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit sei, das er wieder zuschlage.

Das hilft wenig bei neurotischen Beziehungen, aus denen Täter und Opfer sich nicht lösen mögen. Es schafft aber Vertrauen zur Polizei und ihrer Arbeit, sie wird öfter als früher eingeschaltet.

Insgesamt sehen Voges und Hagen den Altkreis Bersenbrück als einen ländlichen Bezirk, in dem es deutlich ruhiger und friedlicher zugeht als in urbanen Brennpunkten. Hagen: „Man lebt hier anders“.