Serie „Die Kunden und ich“ Ankumer Fahrlehrer über Handys, Nervosität und das Chaos in Osnabrück

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Seit mehr als 30 Jahren ist Bernhard Albers Fahrlehrer. Foto: LangSeit mehr als 30 Jahren ist Bernhard Albers Fahrlehrer. Foto: Lang

Ankum. Ärzte, Müllmänner, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir Kunden uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 9: Fahrlehrer.

Seit mehr als 30 Jahren ist Bernhard Albers Fahrlehrer. Im Interview spricht der Ankumer über aggressive Autofahrer, nervöse Fahrschüler und den Unterschied zwischen dem Verkehr in Osnabrück und dem Emsland.

Herr Albers, mal Hand aufs Herz: Fahren Männer oder Frauen besser?

Das lässt sich gar nicht so klar beantworten. Man könnte aber sagen, dass Frauen vorsichtiger sind und sich eher etwas beibringen lassen. Die Jungs hier auf dem Land sind spontaner und üben auch schon mal, ehe sie zur Fahrschule kommen. Die haben vielleicht mehr Vorerfahrung, aber sie lassen sich weniger sagen. Letztlich ist aber auch das Interesse entscheidend.

Wie meinen Sie das?

Wer Interesse am Autofahren hat, ist lernwilliger – vor allem, wenn sie den Führerschein unbedingt brauchen. Wenn das Handy nicht wäre, wären alle viel konzentrierter und hätten mehr Lernerfolg. Dadurch würden auch Fahrstunden gespart. In dieser Hinsicht ist aber auch ein bemerkenswerter Wandel zu beobachten. (Weiterlesen: Pferde-Zahnärztin über eklige Gerüche und ohnmächtige Besitzer)

Welcher denn?

Der Führerschein ist bei vielen kein Muss mehr. Bei einigen Leuten steht der Spaßfaktor im Vordergrund. Früher wollten die 17- oder 18-Jährigen unbedingt einen Führerschein haben, heute sagen sie eher: „Wenn ich mal Zeit habe, kann ich auch den Führerschein machen.“

Das heißt, es kommen auch etwas Ältere zu Ihnen, die den Führerschein machen wollen?

Genau. Wir haben viele 17-Jährige, aber auch zum Beispiel Aussiedler oder Flüchtlinge, die in allen Altersstrukturen zu uns kommen. Besonders Frauen.

Hatten Sie unter Ihren Fahrschülern schon mal einen besonders schwierigen Fall?

Ja, klar. Das kommt schon vor – unabhängig vom Alter. Das richtet sich immer nach der Begabung. Manche sind theoretisch sehr gut, aber praktisch nicht so fit. Oder andersherum. Ein besonderer Fall würde mir aber nicht einfallen, da jeder Mensch besonders ist – mit seinen Begabungen und Neigungen. Und da muss ich mich drauf einstellen. Das ist ja auch das Schöne an dem Beruf: Jeder Fahrschüler ist individuell.

Wie hat sich das Verhalten der Fahrschüler in den vergangenen Jahren gewandelt?

Früher sind die Fahrschüler gekommen und wollten sofort den Führerschein machen. Heute lassen sie sich eher mehr Zeit. Der Führerschein ist nicht mehr das Erste, was sie haben wollen, wenn sie 17 oder 18 Jahre alt sind.

Warum fallen Fahrschüler in der Regel durch die Prüfung? Gibt es einen Fehler, den sie sehr häufig begehen?

Die Nervosität und Belastbarkeit des Schülers spielen eine große Rolle. Am Können liegt es meistens nicht, auch sind die Anforderungen an die Prüflinge bei den Prüfungen sehr fair.

Haben Sie ein Rezept gegen die Nervosität?

Wir nehmen die Fahrschüler erst zur Prüfung mit, wenn sie tatsächlich auch soweit sind. Wir bereiten die Schüler nicht nur auf die Prüfung, sondern auch auf das Leben vor. Man muss sie einfach üben und auch mal alleine fahren lassen. Man sollte nicht alles vorgeben, sondern sie auch mal etwas probieren lassen. (Weiterlesen: Fürstenauer Florist über Valentinstage und verzweifelte Männer)

Das heißt, Sie greifen nicht sofort ins Lenkrad, wenn der Schüler einen Fehler begeht?

Wenn es schlimme Situationen sind, greifen wir schon ein. Aber ansonsten kann man alles vor oder nach einer Situation oder Fahrstunde besprechen.

Ist während einer Fahrstunde schon mal ein Unfall passiert?

Also einen Personenschaden hat es bei uns noch nie gegeben, einen Blechschaden dagegen schon. Beulen kommen schon mal vor beim Parken. Aber nicht von unserer Seite verschuldet, sondern weil ein anderes Auto plötzlich aus der Parklücke gefahren ist.

Was nervt Sie auf den deutschen Straßen?

Ich wünsche mir klare Verkehrsregeln, Schilder, die vernünftig aufgestellt werden, und Verkehrszeichen, die die Straße und die Sicht nicht behindern. Viele Unfälle ließen sich vermeiden, wenn die Sicht in den Kreuzungen und Einmündungen frei wäre. Wo die Situationen am gefährlichsten sind, stehen die meisten Schilder – und dadurch kann ein Auto- oder vor allem ein Lkw-Fahrer nur ganz wenig von der Straße sehen. Das ist ein ganz großes Problem, das mir auffällt. (Weiterlesen: Quakenbrücker Friseurin über den Vokuhila, nervöse Bräute und Hygiene)

Wie kommen Sie mit den Fahrschülern ins Gespräch? Worüber reden Sie mit ihnen?

Das ist wie beim Friseur. Man hört zu und beruhigt. Vor allem, wenn sie grad aus der Schule kommen, sind die Fahrschüler sehr aufgebracht. Dann unterhält man sich darüber – und in der Regel werden sie dann ruhiger.

Müssen Sie manchmal Seelsorger für die Schüler sein?

Ja, wenn sie Überstunden machen müssen oder in der Schule Sorgen haben, berichten sie mir das schon. Gutes Zuhören ist dann wichtig. Und dann kommen die Fahrschüler wieder runter.

Was unterscheidet die jüngeren von den älteren Fahrschülern?

Die älteren Fahrschüler kommen, weil sie etwas wollen. Sie sind sehr zielstrebig und mit der Theorie ruckzuck durch. Sie wissen eine vernünftige Ausbildung zu schätzen. Die Jüngeren wollen oftmals einfach nur möglichst schnell fertig werden.

Was nervt Sie bei Ihren Fahrschülern?

Das Handy. Vor der Fahrstunde checken sie am Handy alles ab, nach der Stunde auch sofort wieder, anstatt die letzten Minuten nochmal Revue passieren zu lassen. Aber das ist wohl der Zahn der Zeit.

Aber während der Fahrt ist das Handy tabu?

Naja, einige haben es schon versucht, das Handy während der Fahrt zu verwenden. Aber bei uns ist es so, dass das Mobiltelefon in der Jackentasche im Kofferraum bleiben soll. (Weiterlesen: Quakenbrücker Juwelierin über Reiseklobürsten und dreistes Feilschen)

Welches Verhalten von anderen Autofahrern stört Sie besonders?

Das Nicht-Blinken beim Abbiegen. Keiner blinkt mehr, alle denken nur noch an sich selbst. Auch die Aggressivität und das nahe Auffahren im Straßenverkehr ärgern mich. Ich denke, das liegt daran, dass keiner mehr Zeit hat. Niemand weiß, dass man eher am Ziel wäre, wenn man ruhig und gleichmäßig fahren und vor allem einen großen Abstand einhalten würde.

War es früher ruhiger im Straßenverkehr?

Es war deutlich entspannter. Es ist aber von Region zu Region unterschiedlich. Bei uns in der Region ist es sehr, sehr stressig. Wenn man aber ins Emsland fährt, zum Beispiel nach Lingen, dann bemerkt man, dass dort eher ein Miteinander herrscht. Die Situation in Osnabrück bezeichne ich dagegen als Totschlag! Dort herrscht teilweise schon Chaos. Nicht nur für einen Fahrschüler, sondern auch für Lkw- und Busfahrer ist Osnabrück eine große Herausforderung. Vor allem deshalb, weil die Radfahrer auch vorankommen wollen, sich überall durchmogeln und nicht wissen, dass ein Lkw, der abbiegt, sie gar nicht mehr erkennen kann.

Welches Vergehen im Straßenverkehr müsste Ihrer Ansicht nach viel härter geahndet werden?

Das Drängeln und das Abgelenkt-Sein durch das Handy. Wer sein Handy am Ohr hat oder tippt während der Fahrt, müsste viel stärker bestraft werden. Im Auto müsste eine Technik vorhanden sein, die dafür sorgt, dass das Mobiltelefon dort überhaupt nicht funktioniert.


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