Prozess am Amtsgericht Bersenbrück Tod nach Operation in Quakenbrück – Arzt freigesprochen

Von Holger Schulze

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Der Tod einer 84-jährigen Patientin nach drei operativen Eingriffen brachte einen Chefarzt vor den Strafrichter am Amtsgericht Bersenbrück. Symbolfoto: Michael GründelDer Tod einer 84-jährigen Patientin nach drei operativen Eingriffen brachte einen Chefarzt vor den Strafrichter am Amtsgericht Bersenbrück. Symbolfoto: Michael Gründel

Bersenbrück/Quakenbrück. Der Tod einer 84-jährigen Patientin nach drei operativen Eingriffen brachte einen Chefarzt vor den Strafrichter am Amtsgericht Bersenbrück. Die Verhandlung endete mit einem Freispruch.

Fahrlässige Tötung warf die Anklage dem Chefarzt am Christlichen Krankenhauses in Quakenbrück vor. Er soll einen drei Zentimeter langen Riss im Dickdarm der Patientin übersehen haben, der zum Tod der Patientin geführt haben soll.

Nach einem Routineeingriff im Sommer 2015 hatten anhaltende Schwellungen und steigende Entzündungswerte einen weiteren Eingriff durch eine Oberärztin notwendig gemacht, schilderte der Chefarzt. Danach seien die Beschwerden zurückgegangen, nahmen jedoch aus unerklärlicher Ursache wieder zu.

Ein per Computertomographie entdeckter Abszess war in einer dritten Operation zwei Tage später nebst einem entzündeten Abschnitt des Dünndarmes entfernt worden. Eine bei dieser Operation aufgetretene Komplikation sei vom Chefarzt der Gefäßchirurgie erfolgreich behandelt worden. Weitere Schäden hätte er nach den während der Operation vorgenommenen Abklärungen nicht entdecken können, so der Angeklagte .

Die postoperativen Beobachtungen auf der Intensivstation zeigten zunächst Verbesserungen und eine Stabilisierung bei der Patientin. Drei Tage nach der letzten Operation sei es zu einem plötzlichen Kreislaufzusammenbruch mit Nierenversagen gekommen. Aufgrund des schlechten Allgemeinzustandes der betagten Patientin habe man in Absprache mit den Angehörigen von einem vierten Eingriff absehen müssen.

„Es tut mir unheimlich leid, dass die Patientin verstorben ist. Aber ich habe immer nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt“, versicherte der Arzt sichtlich bewegt.

Der Riss im Dickdarm sei bei Bauchöffnung zunächst nicht erkennbar gewesen, schilderte anschließend als Zeuge ein Rechtsmediziner, der die Verstorbene untersucht hatte.

Ob der Darmdefekt für den Tod der Patientin mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ursächlich gewesen war, wie die Staatsanwaltschaft wisseln wollte, ließ der Zeuge offen. Eine Rissverlängerung nach dem Tod der Patientin mocht er nicht ausschließen ohne weitere Untersuchungen.

Die Anhörung von zwei weiteren Gutachtern ergab ebenfalls kein klares Bild darüber, ob dem Angeklagten fahrlässiges Verhalten nachgewiesen werden kann.

Der von den Kindern der Verstorbenen als Nebenklägern benannte Gutachter vertrat die Auffassung, dass bei eingehender Untersuchung des Dickdarmes ein Riss hätte entdeckt werden müssen.

Unter Bezugnahme der Dokumentation über den Operationsverlauf zeigte sich der vom Angeklagten benannte Gutachter hingegen überzeugt, genügend Befunde sprächen dafür, „dass zum Zeitpunkt der Operation der Riss nicht vorgelegen haben könnte“. Ferner sei „nicht zu erkennen, dass der Facharztstandard bei dieser Operation nicht erfüllt wurde. Das, was gemacht wurde, würde ich als vollkommen richtig und angemessen beurteilen.“

Freispruch lautete nach dem Ende der Beweisaufnahme bereits der Antrag der Staatsanwaltschaft. Die für den Vorwurf mangelnder Umsicht erforderliche Überzeugung, dass der Riss bei der letzten Operation vorhanden gewesen war, und dass er auch hätte erkannt werden können, habe die Beweisaufnahme nicht erbracht.

Zum gegenteiligen Ergebnis kam der Anwalt der Nebenkläger.

„Ein Arzt schuldet keine Hellseherei und keine überobligatorische Behandlung.“ Auch sei nicht bewiesen, dass der Riss im Darm bei der Operation bereits vorhanden gewesen sei, stellte abschließend der Verteidiger nochmalsfest und schloss sich dem Antrag der Staatsanwaltschaft an.

Der tragende Grund für den Freispruch durch das Gericht war schließlich eben jene Ungewissheit, ob der Darmriss bei der letzten Operation schon vorhanden gewesen war.


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