Klönfrühstück Bersenbrück: Wie frei ist die kirchliche Presse?

Von Albert Schmidt

Der Kirchenbote, Wochenzeitung des Bistums Osnabrück und zehn weiterer katholischer Bistümer, lässt seinen Redakteuren viel Freiraum, erklärte Susanne Haverkamp in Bersenbrück. Foto: Bernard MiddendorfDer Kirchenbote, Wochenzeitung des Bistums Osnabrück und zehn weiterer katholischer Bistümer, lässt seinen Redakteuren viel Freiraum, erklärte Susanne Haverkamp in Bersenbrück. Foto: Bernard Middendorf

Bersenbrück. Gut, dass die belegten Brötchen schon vorher gereicht werden, sonst vergäße vielleicht mancher das Kauen: Beim Klönfrühstück in Bersenbrück wurde ein heißes Eisen angepackt: „Wie frei ist die kirchliche Presse?“

Die Antworten von Susanne Haverkamp, Redakteurin und Diplom-Theologin – auf das Thema waren mal spannend, mal verblüffend. Die elf für den „Kirchenboten“ zuständigen Bischöfe gestatteten dem Redaktionsteam ein großes Meinungsspektrum, sagte sie mit Nachdruck.

Franz Brinkmann stellte sie vor: Sie arbeite nicht beim, sondern für den Kirchenboten. Der werde zwar im Druckhaus der Neuen Osnabrücker Zeitung in Osnabrück gedruckt, aber seit 2003 von elf Bistümern gemeinsam herausgegeben. Den Osnabrückern stünden wie den anderen zwölf Seiten und die untere Titelhälfte zur Verfügung, der Rest sei in einer Auflage von 110000 Exemplaren einheitlich gestaltet.

„Elf Bischöfe - elf Meinungen“

Jede Zeitung habe eine gewisse politische Richtung, kein Redakteur arbeite völlig frei, betonte Haverkamp; ihr Team verbinde zwar konfessionelle Grundüberzeugung, zugleich bilde es aber ein breites Spektrum ab von sehr liberal bis sehr konservativ, ähnlich wie bei den Herausgebern: „Elf Bischöfe, elf Meinungen – das ist gut für uns.“ In Bistümern mit eigenen Zeitungen sei das schwieriger, weil dort bestimmte Themen nicht gewollt seien. Ob Homosexualität, die laut Katechismus schwere Sünde sei, Missbrauchsdebatte, angebliche Wunder, Frauenpriestertum oder AfD: Die Kirchenboten-Redakteure dürften Probleme, Pro und Contra sehr deutlich herausstellen: „Zu brav wollen wir keinesfalls sein.“

Die Überschrift eines Kollegen zur Frage des Hostien-Empfangs für nichtkatholische Ehepartner („Hoffnungsvolles Zeichen für die Ökumene“) sei von der Redaktionsmehrheit in „Mehr kann man nicht tun“ geändert worden, weil diese sie zu positivistisch fand. Das löste im Saal Fragen über den Umgang der Kirche mit konfessionsverschiedenen Ehepaaren, wiederverheirateten Geschiedenen und anderen Reizthemen aus.

Kritik sei erwünscht, Leserbriefe auch, massive Beschwerden seien selten, sagte Haverkamp und erhoffte sich mehr jüngere Abonnenten. Ein Probe-Abo sei ja kostenlos, schmunzelte Franz Brinkmann; sein Hinweis wurde ebenso wohlwollend registriert wie die Ankündigung der Termine für April (Verkehrssicherheit) und Mai (Gastvortrag: Ex-Weihbischof Theodor Kettmann).