Elendes Leben der Heuerleute Bernd Kessens liest im Heimathaus in Ankum

Von Burkhard Dräger

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Bernd Kessens liest im historischen Ambiente des Ankumer Heimathauses aus seinen historischen Romanen. Foto: Burkhard DrägerBernd Kessens liest im historischen Ambiente des Ankumer Heimathauses aus seinen historischen Romanen. Foto: Burkhard Dräger

bdr Ankum. Großes Interesse herrschte an der Lesung von Bernd Kessens aus Damme. Christa Hummert vom Beirat für Familienforschung im Heimat- und Verkehrsverein begrüßte neben dem Autor nicht nur Heimatkundler, sondern auch zahlreiche andere Besucher.

Bernd Kessens beginnt seine Lesung im Heimathaus in Ankum damit, dass er einige Passagen aus dem dritten Band seiner Trilogie „Rabenfluch“, „Freiheit und gebratener Speck“ und „Ein Stück Land“ vorträgt. Und zwar den Teil, als Friedrich, die zentrale Figur der Romanreihe, aus Amerika zurückkehrt in seinen Heimatort Bunnen im Oldenburger Münsterland. Und da sieht Friedrich, der in Amerika Fortschritt, Entwicklung und Freiheit kennengelernt hat, dass sich in den fast 25 Jahren seiner Abwesenheit in seinem Geburtsort kaum etwas verändert hat. Er besucht die Stellen mit Erinnerungen an seine Jugendzeit und freut sich auf das Wiedersehen mit seiner Schwester Anna, die jetzt eine Arkenstede und damit Frau auf dem Gutshof ist. Und er trifft auf Tilman Arkenstede, den ältesten Sohn von Anna, der aussieht wie Vossbrink, der Mann, den Friedrich vor 25 Jahren erstochen hat.

Mit viel Hintergrundwissen und Leidenschaft

Danach blickte Bernd Kessens mit viel Hintergrundwissen und Leidenschaft auf die Lebensverhältnisse der Menschen vor 200 Jahren zurück. Er beschreibt das arme, teils elende Leben der Heuerleute, die nicht Mut, sondern Armut zu Hunderttausenden in die Auswanderung nach Amerika treibt. Aber auch die eigenhörigen Bauern sind nicht so frei und unabhängig wie man glaubt, sie sind anhängig vom Grundherrn. Stirbt der alte Bauer, muss der älteste Sohn, und nur der kann dann den Hof übernehmen, dem Grundherrn 30 Taler Sterbegeld zahlen. Weitere 30 Taler sind als Wiemengeld fällig, und wenn er dann auch noch heiraten will, sind wieder 30 Taler zu zahlen. Kommt die Frau aus dem Bereich eines anderen Grundherrn, so muss sie mit weiteren 30 Talern freigekauft werden – Heiraten kostete damals also mit 120 Talern rund zwei Kühe und musste urkundlich festgelegt werde.

Warum das Heiraten auch schon vor 200 Jahren teuer war

Die weiteren Kinder der Bauern hatten vier Möglichkeiten um frei zu werden: Sich mit 30 Talern freizukaufen, um etwas zu lernen; nach Russland zu gehen – Katharina die Große lockte mit Freiheit und Land; Pastor zu werden oder nach Amerika auszuwandern. Doch auch Deutschland befindet sich im Umbruch, sodass sich die Dorfbewohner im Zuge der Markenteilung alle „ein Stück Land“ erhoffen, aber nur wer schon Land hat, kann auch weiteres Land aus der Mark erwarten. Sodass Heuerleute, die mittellos waren, auch weiterhin mittellos blieben, zwar weitgehend frei, aber arm. Zum Abschluss dann, bei Kaffee und Kuchen, liest Bernd Kessens noch einige Passagen aus seinem Buch „Rabenfluch“. Darin zeigt er noch einmal anhand eines Kindstods die elenden ärmlichen Verhältnisse und die teils naiven obrigkeitshörigen Rituale von Wahrheitsfindung im dörflichen Leben der damaligen Zeit auf.


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