Hans-Peter Viere und das All Iridium-Flare am Himmel über Kettenkamp

Von Gesa Hustede

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Kettenkamp. Es ist ein wenig kühl und eng, aber urig in der kleinen Sternwarte von Hans-Peter Viere. Von der Garage führt eine Treppe hinauf in eine Kuppel mit Computer, Teleskop und Kamera. Das Kuppeldach lässt sich per Knopfdruck öffnen in alle Himmelsrichtungen.

Seit gut 20 Jahren beobachtet Hans-Peter Viere in einer selbst gebauten Kuppel in Kettenkamp die Sterne. Das Hobby pflegt er seit der Kindheit, Sternenbilder in Kinderbüchern machten ihn neugierig. Angefangen ist Viere mit einem Fernglas seines Vaters. In klaren Sommernächten habe er einfach mal nach oben geschaut. „Auch so kann man schon eine Menge sehen“, sagt der vielseitige Unternehmer.

Der Rest habe sich im Laufe der Jahre entwickelt. Mit Digitalkameras könne man bis tief ins Weltall fotografieren. Bei der früheren Analogtechnik kamen oftmals nur schwarze Bilder heraus.

Der Januar sei die beste Beobachtungszeit, auch, da es früh dunkel wird. Für etwas Besonderes könne man schon mal mitten in der Nacht aufstehen. „Im Winter stehe ich dann in Skiklamotten in der Kuppel“, so Viere. Neben Sternen beobachtet Viere unter anderem auch Planeten. Jupiter und Saturn seien besonders schön, fast unwirklich anzusehen.

Ein besonders gut sichtbares Ereignis ist der sogenannte Iridium-Flare. Im All befinden sich 66 Satelliten, die das weltumspannende Satellitenkommunikationssystem Iridium bilden. Jeder dieser Satelliten hat drei Antennen, die aus hochreflektierendem Aluminium bestehen. „Wenn die Sonne nun dagegenscheint, spiegelt sich das Licht, und es entsteht eine Leuchtspur, der Iridium-Flare“, erklärt Viere. Dies passiert relativ häufig, da die Satelliten permanent um die Erde kreisen. Der Iridium-Flare dauert etwa zehn Sekunden an und ist mit dem bloßen Auge zu sehen. Er leuchtet heller als jeder Stern oder Planet. Das Auftreten von Iridium-Flares lässt sich sekundengenau für jeden Ort der Erde berechnen, zum Beispiel über das Portal www.heavens-above.com.

Ausweichen ins Kettenkamper Bruch

Neben dem großen Teleskop in der Kuppel besitzt Viere noch ein mobiles. Das nimmt er mit ins Kettenkamper Bruch, um dort ungestört die Sterne zu beobachten. Auch in einem kleinen Ort wie Kettenkamp wächst die Lichtverschmutzung. Wenn Hans-Peter-Viere von seiner Kuppel in Richtung Süden fotografiert, stört oft eine Lichtkuppel über Ankum.

Die Bestrahlung der Kettenkamper Kirche stellt auch ein Problem für Fotos dar. Das Licht der nach oben gerichteten Strahler findet sich auf den Fotos wieder. „Im Moor habe ich mehr Freiheit in Richtung Süden“, so Viere. Süden sei für die Beobachtung am spannendsten, da dort wie die Sonne auch die Sterne am höchsten stehen.

Das Schönste an seinem Hobby ist für Hans-Peter Viere die Faszination für die Weite und Tiefe, die unvorstellbaren Entfernungen. Auch Neues gebe es immer wieder zu erfahren. So wurden in den letzten 15 Jahren die Exoplaneten genauer erforscht. Exoplaneten sind Planeten eines anderen Sonnensystems. „Bis vor 20 Jahren war es noch nicht klar, beziehungsweise erforschbar, dass es sie gibt“, sagt Viere. Mittlerweile habe man aber über 3000 Planeten anderer Sonnensysteme entdeckt, sodass es eher normal erscheine, dass andere Sonnen Planeten haben.

Sein spektakulärstes Ereignis sei die totale Sonnenfinsternis 1999 gewesen. Diese habe er damals mit seinen Söhnen im Saarland gesehen. „Ich weiß ja, wie das funktioniert, aber selbst mir hat es einen Schauer über den Rücken gejagt, als es auf einmal dunkel wurde und die Vögel aufgehört haben zu zwitschern“, erzählt Viere.

Für alle Interessierten empfiehlt Hans-Peter Viere, sich bei klarem Himmel einfach mal um acht Uhr abends in den Garten zu stellen und nach oben zu schauen. Auf www.heavens-above.com sind die genauen Daten einzusehen, wo und zu welcher Zeit etwas zu sehen ist. Hans-Peter Viere erklärt: „Die ISS ist immer besonders hell, abgesehen vom Iridium-Flare natürlich.“


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