Interview mit Gerd Dettmer Wie lösen Bersenbrücker Landwirte ihr Gülleproblem?

Von Anita Lennartz

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Kettenkamp. Warum die lange angekündigte neue Gülleverordnung die Landwirte am Ende doch überrumpelt und vor finanzielle und logistische Probleme gestellt hat, erläutert Gerd Dettmer, Geschäftsführer der Dettmer Agrarservice GmbH.

Frage: Warum sind die Güllebehälter überall voll? Es kann und darf doch wieder Gülle ausgebracht werden?

Die Problematik liegt darin, dass die Zeit, in der Gülle ausgebracht werden darf, durch die seit vergangenem Jahr geltende neue Gülleverordnung eingeschränkt worden ist. War die Gülle vorher höchstens sechs Monate in den Behältern, ist jetzt eine Lagerung von bis zu neun Monaten vorgesehen. Auch müssen jetzt Flüssigkeiten wie Sickersäfte und Reinigungswasser aufgefangen und gelagert werden. Dazu kommt, dass natürlich auch die Leistung der Tiere gestiegen ist, in den Betrieben bei gleichbleibender Viehzahl somit heute mehr Gülle anfällt als noch vor fünf Jahren. Dafür sind viele der vorhandenen Lagermöglichkeiten nicht ausgerichtet. Für die Landwirte gab es früher baurechtlich nur die Möglichkeit, Güllelagerraum bis zu sechs Monate zu beantragen. Mehr Lagerraum wurde nicht genehmigt. Des Weiteren wurden in Ackerbauregionen keine Lagerbehälter zur Zwischenlagerung genehmigt, um dort den fehlenden Nährstoffbedarf zu decken. Es war lange klar, dass eine neue Gülleverordnung kommt, aber es gab nirgendwo verlässliche Auskünfte, was genau auf die Landwirte zukommt.

Und dann war die neue Verordnung „von heute auf morgen“ umzusetzen?

Im Prinzip ja. Klar war, dass sich die Rahmenbedingungen sicherlich nicht zugunsten der Landwirte ändern, aber Betriebe, die sich vielleicht mit baulichen Maßnahmen darauf einstellen wollten, hatten es die letzten Jahren nicht leicht: Schlechte Milch- und labile Schweinepreise machten es schwer, Rücklagen zu erwirtschaften. Eine Übergangsfrist von zwei Jahren wäre hier vielleicht sinnvoll gewesen, um allen Betrieben die Möglichkeiten zu geben, sich auf die geänderten Vorschriften einzustellen.

Welche Schwierigkeiten ergeben sich dadurch für die Landwirte?

Das Problem ist: Wir haben einen Gülleüberschuss, der hier nicht ausgebracht werden kann, sondern weiter transportiert werden muss. Dadurch entstehen Kosten. Auf der anderen Seite lassen wir aber den Import von Gülle aus Nachbarländern zu, da dort noch größere Probleme mit der Abgabe bestehen. Die Niederländer beispielsweise zahlen hier immer noch weniger, als wenn sie die Entsorgung vor Ort übernehmen müssten. Das treibt auch hier die Preise in die Höhe. Nicht zu unterschätzen ist außerdem auch die Bürokratie, es ist viel zu dokumentieren und nachzuweisen.

Ist die neue Technik, die die Dettmer Agrarservice GmbH jetzt einsetzt, die Lösung, und was kostet so etwas?

Eine Lösung für das Gülleproblem an sich bestimmt nicht. Aber mit der neuen Technik haben wir die Möglichkeit, die Gülle mit weniger Verlusten als bisher auszubringen, ohne diese direkt einarbeiten zu müssen. Ausgebracht auf Grünland und Getreide, waren die Verluste sonst wesentlich höher, gerade weil eine Einarbeitung in diesen Fällen nicht möglich ist. Die Kosten für ein Güllefass in der Größenordnung liegen bei 170000 Euro, für die entsprechende Technik kommen noch einmal 70000 Euro dazu.

Warum fahren die Landwirte auch früh morgens und bringen die Gülle auf noch gefrorenem Boden aus? Das ist doch gar nicht erlaubt, oder?

Wir planen und fahren nach Wetterprognosen – wie sollen wir das anders regeln? Gülle darf auf gefrorenem Boden nicht ausgebracht werden, wohl aber, wenn im Laufe des Tages der Boden auftaut, sodass die Gülle eindringen kann. Ansonsten könnten wir jetzt auch gar nicht fahren, viele Äcker sind so nass, dass wir mit den schweren Maschinen dort steckenbleiben würden. Wenn wir frühmorgens fahren, haben wir diese Probleme nicht. Der Boden taut tagsüber auf und die Gülle ist weg. Das hat auch den Vorteil, dass die Straßen weniger verdreckt und die Geruchsimmissionen geringer sind.

Dann haben die notorischen Meckerer gar nichts mehr, worüber sie sich aufregen können?

Ja, die gibt es tatsächlich, die notorischen Meckerer, denen der Landwirt an sich nichts recht machen kann. Oft wird allerdings geschimpft aufgrund von Unwissenheit. Immerhin sorgt der Landwirt für ein abwechslungsreiches Landschaftsbild, was der Bevölkerung einen Anreiz gibt für Aktivitäten in der Natur. Und hier auf dem Land gehört nun mal auch ab und an ein Güllegeruch dazu sowie große Maschinen, mit denen die Arbeit erledigt wird.


Zur Person: Gerd Dettmer (53 Jahre) ist verheiratet, Vater von drei Kindern und gelernter Landwirt. Als Geschäftsführer der Dettmer Agrar-Service GmbH in Kettenkamp mit Betrieben an zusätzlichen drei Standorten ist er Chef von 95 Mitarbeitern und die Landwirtschaft ist im wahrsten Sinne des Wortes sein „täglich Brot“.

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