Kinoabend und Diskussion Ankumer Kolpingfamilie erinnert an die Colonia Dignidad

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Ankum. Die Ankumer Kolpingsfamilie und die Kolpingjugend erinnern an die Colonia Dignidad, einen deutsch-chilenischen Skandal mit monströsen Ausmaßen. Und an den immer noch zögerlichen Umgang der deutschen Politik damit.

Wegen sexuellen Kindesmissbrauchs flieht der Prediger Paul Schäfer Anfang der Sechzigerjahre vor den deutschen Behörden nach Chile. Seine Opfer und etliche Anhänger nimmt er mit und gründet mit ihnen auf einem riesigen Landsitz die „Colonia Dignidad“. Abgeschottet hinter hohen Mauern etabliert Schäfer ein sektenartiges Dasein. Seine Anhänger geben allen materiellen Besitz ab. Sie unterwerfen sich Körperstrafen und Psychoterror. Auch der Kindesmissbrauch geht offensichtlich jahrzehntelang weiter, ohne dass chilenische oder deutsche Behörden den scheinbar in politischen Kreisen bestens vernetzten Schäfer stoppen könnten. 1997 wird er verurteilt und taucht unter. Erst nach seiner Festnahme 2005 bricht sein Bann, erst danach kommt es zu ernsthaften Ermittlungen auf dem Colonia-Gelände, in deren Zug auch Folterkeller des Pinochet-Regimes gefunden werden.

Politiker verdrängen das Thema

Mit einem Thriller mit den internationalen Stars Emma Watson und Daniel Brühl macht Regisseur Florian Gallenberger 2015 auf den Skandal aufmerksam. Franz-Josef Everding sieht den Film mit seiner Tochter Helen, die Geschichte lässt ihn nicht mehr los. Seit einem Jahr recherchiert der Ankumer, spricht mit Politikern und Menschenrechtsaktivisten. Und er treibt ehemalige Mitglieder der Colonia auf, die nach deren Umwandlung in ein Landgut mit Touristenzentrum in ihre Heimat zurückkehrten. Diese Gespräche seien erschütternd, schildert Everding zusammen mit dem Kolpingvorsitzenden Markus Heitmann. Weil sie mittellos seien und nicht in die deutschen Sozialkassen eingezahlt hätten, lebten sie am Existenzminimum. Viele litten immer noch an der Vergangenheit, nur weinige seien in der Lage, öffentlich über ihr Leiden zu sprechen. Zugleich haben Everding und Heitmann den Eindruck, dass auch die Politik das Thema eher verdrängt, als sich seiner anzunehmen. Lediglich Frank-Walter Steinmeier äußerte sich als Außenminister dazu, sprach von einer deutschen Mitveranwortung. Es gab eine Anhörung dazu in einem Ausschuss des Bundestages, die Frage der Opferentschädigung ist nicht abschließend geklärt.

Berghegger im Gespräch mit Augenzeugen

Es gehöre auch zu den Aufgaben einer Kolpingsfamilie, auf ein eklatantes Unrecht öffentlich aufmerksam zu machen, sind sich Everding und Heitmann einig. Und Heitmann ist besonders stolz darauf, dass sich auch die Ankumer Kolpingjugend in die Aktion einbringt. Als Politiker zeigte bislang nur der CDU-Bundestagsabgeordnete André Berghegger sich bereit, sich zusammen mit Augenzeugen und Experten in einer Podiumsdiskussion zur Colonia Dignidad zu äußern. Zugesagt haben ferner Dieter Maier, Buchautor und Menschenrechtler (Amnesty International), Jan Stehle, Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika, Meike Dreckmann, die eine Doktorarbeit zum Thema Colonia Dignidad geschrieben hat, Petra Isabel Schlagenhauf, Rechtsanwältin und Opfervertreterin und Jürgen Karwelat, Sprecher der Not- und Interessensgemeinschaft der Geschädigten.

Filmabend: Colonia Dignidad - Es gibt kein zurück, Mittwoch, 28.2., 20 Uhr, Gloria-Kinocenter Ankum (Kartenvorbestellung), Eintritt: sieben Euro.

Diskussionsabend: Donnerstag, 8.3., 19 Uhr, See- und Sporthotel Ankum. Mehr Hintergrundinformationen sind zu finden auf der Website www.kinotag.kolping-ankum.de.


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