Neue Anlagen ab März in Betrieb Testläufe bei Adidas im Niedersachsenpark in der Endphase

Von Marcus Alwes


Rieste/Neuenkirchen-Vörden. Der E-Commerce ist der inzwischen am stärksten wachsende Vertriebskanal des Sportartikelgiganten Adidas. Das Unternehmen reagiert und fährt deshalb Anfang März auf zusätzlichen 40000 Quadratmetern seine neuen Anlagen in Rieste hoch. Momentan läuft eine Probephase.

Stattliche 70 Millionen Euro habe Adidas aktuell in den Campus North bei Rieste investiert, berichten Insider aus der Niedersachsenpark GmbH. Doch Björn Knabke, den Personalleiter des börsennotierten Weltkonzerns am Standort an der Autobahn1, bringt das Erweiterungsprojekt nicht aus der Ruhe. Die neuen Anlagen – ein Ausbau des bisherigen Standortes mit zusätzlichen 40000 Quadratmeter Hallenfläche und einer 369 Meter langen Förderbandkonstruktion zwischen beiden Gebäudekomplexen – „fahren wir Anfang März hoch“, erklärt er gelassen. „Alles steht, und der Aufbau dafür ist abgeschlossen. Wir liegen damit absolut im Zeitplan“, fügt Knabke hinzu. Momentan gebe es regelmäßig Testläufe, allesamt erfolgreich, berichtet er.

E-Commerce-Umsatz soll bis 2020 auf vier Milliarden Euro wachsen

Der internationale Sportartikelgigant trägt hier dem Trend der ständig und rasant wachsenden Zahl von Online-Bestellungen aus aller Welt Rechnung. „Der E-Commerce-Umsatz soll bis zum Jahr 2020 auf vier Milliarden Euro gesteigert werden“, sagt Wolfgang Winter. Der Manager kommt aus der Zentrale in Herzogenaurach und ist bei Adidas der Leiter der deutschen Distributionszentren.

Zuletzt hatten die Verantwortlichen des Dax-Unternehmens den Umsatz aus Online-Bestellungen auf ihren eigenen Plattformen noch mit rund einer Milliarde Euro pro Jahr angegeben. Die Ziele bis 2020 sind also ehrgeizig. Vollautomatische Regalsysteme mit weiteren 300000 Lagerplätzen, Kommissionierungsanlagen, Verpackungsstationen und Verwaltungsräume hat Adidas deshalb zusätzlich in Rieste geschaffen und künftig in dem neu bezogenen Gebäude gebündelt. Zusätzliche neun Kilometer Fördertechnik wurden hier verbaut, sie verbinden die einzelnen Bereiche miteinander.

Das im Jahre 2013 eröffnete Versandzentrum im Osnabrücker Land ist inzwischen das weltweit größte des Sportartikelherstellers. „Zu Höchstzeiten können wir dann demnächst allein aus der neuen Halle heraus rund 200000 Internet-Bestellungen pro Tag abwickeln“, so Wolfgang Winter. Spätestens zwei Stunden nach dem Eingang des jeweiligen Online-Auftrages soll dieser erledigt und abgearbeitet sein. Innerhalb von ein bis drei Tagen dürfte die Ware dann den Kunden erreichen – quer über den Kontinent. Von Reykjavík bis Athen und von Amsterdam bis an die russische Grenze.

Immer mehr Länder in ganz Europa wolle man ab Anfang März schrittweise in die neuen, überarbeiteten Bestellabläufe und Systeme im Niedersachsenpark integrieren, unterstreicht auch Björn Knabke. Die Mitarbeiterzahl bei Adidas am Standort Rieste werde dazu auf rund 1250 ansteigen. Im Sommer – zum üblichen Jahreshöhepunkt und passend zur Fußballweltmeisterschaft in Russland – dürften noch einmal temporär weitere Kräfte hinzukommen.

Bis zu 200000 Pakete pro Tag sollen den Campus North verlassen

„Die Digitalisierung und Automatisierung der Abläufe im Campus North ermöglichen es uns, Konsumenten, die über unsere Online-Plattformen einkaufen, schneller und bedarfsgerechter beliefern zu können als je zuvor. Wir können so auch besser und flexibler auf saisonale Schwankungen reagieren und eine gleichbleibend hohe Lieferqualität erreichen“, betont unterdessen Adidas-Pressesprecherin Mandy Nieber: „Das ist auch deshalb so wichtig, weil E-Commerce aktuell der am stärksten wachsende Vertriebskanal ist.“ Da sei auch der wachsende Personalbedarf nur folgerichtig. Denn „im Online-Handel ist der manuelle Aufwand größer“, da die Ware direkt an den einzelnen Endkunden geliefert werde, so Nieber, „und nicht in großen Containern an Großhändler“.

Die Türen und Tore des Campus North in Rieste will das Unternehmen für Journalisten aber erst wieder im Vorfeld der Fußball-WM öffnen – also im zweiten Quartal 2018, deutet Pressesprecherin Nieber an. Bis dahin sollen sich die teilweise veränderten Abläufe im erweiterten Distributionszentrum eingespielt haben.